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Rückfall bei Süchtigen kein Grund mehr für Therapieabbruch

Süchtige in einer Behandlung müssen bei einem Rückfall nicht mehr aus der Therapie geworfen werden. «Heute ist ein Rückfall ein Grund, sich intensiver um den Klienten zu kümmern», sagt Raphael Gaßmann von der Deutschen Hauptstelle Suchtfragen (DHS) vor der 55. DHS-Fachtagung Sucht, die heute in Münster beginnt. Der Rückfall gehöre zu einer Sucht und passiere den meisten mehrfach. Die Befürchtung, es sei damit alles verloren, dürften sich die Betroffenen aber nicht aneignen. «Man muss sich sagen: Ich gehe es wieder neu an», betont Gaßmann. Wer einen Rückfall erleide, müsse sich schnell melden. Klienten und Patienten würden heute schon während der ersten Beratung oder Therapie auf das richtige Verhalten hingewiesen.

 

«Die Behandlungslandschaft hat begriffen, Patienten beim Rückfall nicht zu verstoßen», sagt Gaßmann, DHS-Geschäftsführer und Moderator der Tagung. «Vor 20 Jahren war ein Rückfall ein Grund, die Beratung oder die Therapie abzubrechen.» Doch sei das heute kein Problem: «Wenn man Raucher fragt: ‹Hast Du es beim ersten Mal geschafft?›, lautet die Antwort in der Regel: ‹Beim zweiten oder dritten Mal.› Das haben wir beim Alkohol auch», sagt Gaßmann. Er ergänzt: «Aus medizinischer Sicht wäre es überhaupt kein Problem, wenn jemand nach fünf Jahren die erste Zigarette raucht oder die erste Flasche Schnaps trinkt und es dabei belässt. » Das gelinge aber nur wenigen.

 

Der Betroffene erlebe den Rückfall als persönliches Versagen und er sage sich, dann kann ich auch weitermachen. «Viele enden dann so, dass das frühere Suchtverhalten wieder verstärkt aufgenommen wird.» Das passiere häufig beim Übergang in die Rente. «Ein Rückfall ist aber kein Grund zu verzweifeln», so Gaßmann. «Am besten ist es, sich schon an dem Tag, an dem es passiert, zu melden.» Jeder Süchtige habe dafür Telefonnummern.

 

12.10.2015 l dpa

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