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Australien: Pharmazie in Down Under

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Australien

Pharmazie in Down Under


Von Sven Siebenand / Einen der längsten Anreisewege zum Kongress des Weltapothekerverbandes FIP in Düsseldorf wird Dr. Hana Morrissey aus Darwin in Australien haben. Die Apothekerin arbeitet in unterschiedlichen pharmazeutischen Bereichen und kann das australische Apothekensystem daher gut überblicken.

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PZ: Warum haben Sie Pharmazie studiert?

 

Morrissey: Ich wollte im Gesundheitsbereich arbeiten und Menschen helfen, gleichzeitig liebe ich aber auch Innovationen und Entdeckung. Um dies zu vereinen, schien mir Pharmazie besser geeignet als Medizin. Zudem war mein Lieblingsonkel Apotheker und der andere Onkel Arzt.

 

PZ: Wie wird man in Australien Apotheker?

 




Dr. Hana Morrissey, australische Apothekerin: »Die Regierung könnte die Apotheker stärker unterstützen.«

Foto: privat


Morrissey: Pharmazie kann man an 19 Universitäten im Land studieren. Bis zum Bachelor-Abschluss sind es vier Jahre, danach folgt ein Jahr Praktikum, das von einem registrierten Apotheker betreut wird. Bis zum Apotheker sind es also fünf Jahre. Daneben besteht auch die Möglichkeit, einen Master in Pharmazie zu erwerben. Circa 80 Prozent der australischen Apotheker arbeiten in einer öffentlichen Apotheke, 15 Prozent im Krankenhaus. Einige Kollegen sind bei der Australian Association of Consultant Pharmacy akkreditiert und führen bei Patienten zu Hause Medikationsanalysen durch. Sie sichten nicht nur die Medikation, sondern schauen auch auf die Laborwerte, machen Vorschläge für die Medikation und arbeiten mit den behandelnden Ärzten zusammen.

 

PZ: Wie funktioniert die Arzneimittelversorgung in einem so großen Land wie Australien mit relativ vielen abgelegenen Gebieten? Immerhin leben auch Menschen im Outback, also in den Regionen fernab der Zivilisation, die beinahe drei Viertel der Fläche Australiens umfassen.

 

Morrissey: Die rund 5300 Apotheken sorgen dafür, dass die Arzneimittelversorgung sichergestellt ist. Die öffentlichen Apotheken haben circa 300 Millionen Patientenkontakte pro Jahr. Sie sind damit der am häufigsten aufgesuchte Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen. Man muss aber zwischen Stadt und Land unterscheiden. 80 Prozent der Apotheken liegen in Stadtgebieten. Etwa 425 Städte in Australien haben nur eine Apotheke. In den meisten Gebieten in Australien muss man bis zu zwei Stunden Fahrtzeit einplanen, um die nächste Apotheke zu erreichen, in weiter abgelegenen Gegenden sind es sogar mehrere Stunden. In vielen sogenannten Remote Stations wird dort ein Bestand an Medikamenten vorrätig gehalten für Notfälle.

 

PZ: Wenn jemand im Outback krank wird. Wie kommt er dann an diese Medikamente?

 

Morrissey: Die Notfallbox ist versiegelt und enthält etwa 120 wichtige Medikamente. Jedes einzelne ist in einer Tüte eingepackt, die auch versiegelt ist und eine Nummer trägt. Ist jemand in einer abgelegenen Gegend krank, kontaktiert er den Flying-Doctor-Service, der dann entscheidet, ob die Notfallkiste geöffnet werden soll und welches Medikament entnommen und wie es angewendet werden soll. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann die Behandlung damit abgeschlossen sein, oder es handelt sich nur um eine initiale Therapie bis Hilfe per Flugzeug eingetroffen ist. Möglich ist auch, dass dann eine Evakuierung des Patienten veranlasst wird. Auf den einzelnen Arzneimitteltüten steht übrigens auch das Verfalldatum des Medikaments. Ist es überschritten, wird veranlasst, dass es von einer Apotheke gegen ein neues ausgetauscht wird.

 

PZ: Gibt es in Australien Apothekenketten?

 

Morrissey: Nein. Ketten als solche gibt es nicht, aber Franchise-Modelle. Ein Apotheker muss immer mindestens 55 Prozent einer Apotheke besitzen. Die öffentlichen Apotheken haben ein sehr gutes Ansehen in der Gesellschaft. Ihre Wahrnehmung durch die Regierung und andere Heilberufler ist aber noch ausbaufähig.

 

PZ: Was meinen Sie damit konkret?

 

Morrissey: Apotheken und Arzneimittel werden von der Regierung nicht so intensiv unterstützt wie Ärzte und medizinische Dienstleistungen. Die Zusammenarbeit mit den meisten Gesundheitsberufen ist gut, aber die Ärzte sind darauf bedacht, die Grenze zu den anderen Heilberuflern abzuschirmen, um ihren Führungsanspruch und das Einkommen zu sichern.

 

PZ: Sie arbeiten nicht in einer öffentlichen Apotheke, sondern sind in anderen Bereichen tätig. Wie sieht ihre Arbeitswoche aus?

 

Morrissey: Einen halben Tag in der Woche arbeite ich in der Krankenhausapotheke des Royal Darwin Hospital. Jeweils drei Tage pro Woche sind Forschung und Lehre an der Charles Darwin Universität. Unter anderem betreue ich auch PharmD-Studenten, die Projekte im Bereich klinische Pharmazie bearbeiten. Last but not least befasse ich mich einen halben Tag pro Woche mit Militärpharmazie, da ich auch Reserve­offizier der australischen Armee bin. Ich habe mittlerweile 20 Jahre Erfahrung in der Armee und war an mehreren Kriegseinsätzen aktiv beteiligt. Diese Tätigkeit ist auch der Grund, weshalb ich zum nächsten FIP-Kongress reisen werde.




Hilfe von oben: Ein Flugzeug der Flying Doctors ist zum Abtransport eines Patienten auf einer Piste im australischen Outback gelandet.

Foto: dpa



PZ: Wie kam das zustande?

 

Morrissey: Ich bin seit mehr als 20 Jahren aktives Mitglied der FIP-Sektion »Military and Emergency«. Eine Session beim Kongress, die von dieser Sektion organisiert wird, befasst sich damit, dass Notfall-Apotheker in Katastrophensituationen häufig damit konfrontiert sind, Stress bei Patienten abzubauen, dabei aber vergessen, den eigenen Stress zu managen. In der Session, zu der ich als Rednerin einge­laden bin, geht es darum, wie man eigene Stressfaktoren erkennt und reduzieren kann. Ich befasse mich seit einigen Jahren mit Erste-Hilfe-Maßnahmen für die psychische Verfassung. Demnächst will ich die Ergebnisse einer Studie veröffentlichen, die der Frage nachging, welchen Effekt ein solches Erste-Hilfe-Training haben kann.

 

PZ: Was erwarten Sie vom Kongress?

 

Morrissey: Es ist mein fünfter FIP-Kongress. Die Veranstaltung bietet immer eine gute Gelegenheit, Apotheker aus der ganzen Welt kennenzulernen. Man kann viel voneinander lernen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2015

 

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