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Suizid: Mehr Vorsorge für gefährdete Senioren vonnöten

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz ruft die Bundesregierung auf, die Vorsorge für suizidgefährdete ältere Menschen zu verbessern. Angesichts der hohen Selbsttötungsraten müsse dringend ein «Aktionsprogramm Suizidprophylaxe 60plus» aufgelegt werden, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. Er hob hervor: «Der Anteil der Über-60-Jährigen an der Bevölkerung beträgt 27 Prozent. Mit 45 Prozent ist sie jedoch die größte Gruppe unter den Menschen, die Suizid begehen.» Hauptursache seien Depressionen. Antworten darauf sollten psychiatrische und psychologische Hilfen sein, sagte Brysch weiter. «Tatsächlich sind aber bei den Über-60-Jährigen nur sechs Prozent in Behandlung, obwohl hier über 1,2 Millionen Menschen an Depression leiden.» Bund und Länder müssten in dem Aktionsprogramm eine verbindliche Anzahl von psychotherapeutischen Diensten vereinbaren. Zudem «gilt es, die Hausärzte regelmäßig zu schulen».

 

Den meisten Menschen, die heute organisierte Suizidbeihilfe in Deutschland oder der Schweiz in Anspruch nähmen, könnte nach Bryschs Einschätzung durch psychiatrische und psychologische Prophylaxe geholfen werden. Die politische Diskussion über Sterbehilfe blende diesen Aspekt aber aus, kritisierte der Patientenschützer.

 

Die Zahl der Selbsttötungen in Deutschland ist seit den 1980er Jahren zurückgegangen, steigt aber seit 2007 wieder an. 2013 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 10.000 Suizide. Nach Altersgruppen betrachtet steigt deren absolute Zahl von 18 Fällen bei den 10- bis 15-Jährigen beziehungsweise 165 Fällen bei den 15- bis 20-Jährigen auf einen Höchststand von 1072 Fällen in der Altersgruppe zwischen 50 und 55 Jahren.

 

Mit weiter zunehmendem Alter geht die absolute Zahl der Suizide zwar zurück, die Rate aber pro 100.000 Menschen in der jeweiligen Altersgruppe steigt weiter an. Zwischen 20 und 25 Jahren liegt diese Rate laut Statistik bei knapp 9 Selbsttötungen pro 100.000 Menschen. Bei den 35- bis 40-Jährigen liegt sie bei rund 11 pro 100.000, bei den 45- bis 50-Jährigen bei 14,5, zwischen 50 und 55 bei 17,5. Auf diesem Niveau bleibt die Rate bis zu den 70- bis 75-Jährigen. Hier steigt sie auf rund 18,5 Selbsttötungen pro 100.000 Menschen an. Im Alter zwischen 75 und 80 legt sie nochmals auf rund 25 pro 100.000 zu. Und bei den Menschen im Alter von 90 Jahren und mehr liegt die Rate bei mehr als 40 Selbsttötungen pro 100.000.

 

Abgesehen von der jüngsten Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen liegt die Rate bei den Männern zum Teil um mehr als das Vierfache höher als bei den Frauen.

 

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11.03.2015 l dpa

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