Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Wie kommt das Virus ins Gehirn? Durch die Nase!

NACHRICHTEN

 
Wie kommt das Virus ins Gehirn? Durch die Nase!
 


Viren, die per Tröpfcheninfektion in die Nase gelangen, können über den Riechnerv aufsteigen und das Gehirn infizieren. Abgesehen von dieser unangenehmen Entdeckung, die Wissenschaftler um Dr. Claudia Detje vom Institut für Experimentelle Infektionsforschung am Twincore-Zentrum in Hannover in Tierversuchen machten, ergab ihre Forschung aber auch eine gute Nachricht. Denn das Gehirn ist dem Angriff nicht wehrlos ausgeliefert: Astrozyten und Neuronen des Riechkolbens können bei einer Virusinfektion schnell die Rolle wechseln und quasi in der Funktion von Immunzellen Interferon (IFN)-β produzieren. Die Ausschüttung dieses Zytokins kurbelt dann eine Immunantwort an, die die Viren abfängt, schreiben die Forscher im «Journal of Virology».

 

Die Blut-Hirn-Schranke ist eine Barriere, die Krankheitserreger meist nicht überwinden können. Und das ist auch gut so, denn die meisten Immunzellen aus dem Blutkreislauf können ebenfalls nicht ins ZNS gelangen. Wie der Körper eine virale Enzephalitis bekämpft, untersuchten die Forscher an Mäusen, die sie mit dem vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) infizierten, einem weniger gefährlichen Verwandten des Tollwut-Erregers. Tiere, die kein IFN-β produzieren konnten, erkrankten nicht, wenn sie über das Blut mit VSV infiziert wurden, nach einer intranasalen Tröpfcheninfektion dagegen schon. Der Grund: Im Blut stehen diverse andere Interferone zur Verfügung, im Gehirn dagegen nicht, glauben die Wissenschaftler.

 

Sie beobachteten den Infektionsverlauf an sogenannten Reportermäusen, deren Gewebe zu leuchten beginnt, wenn es IFN-β produziert. «Wir konnten sehen, dass bei einer Infektion über das Blut hauptsächlich die Lymphknoten aktiv werden und IFN-β bilden», sagt Detje in einer Pressemitteilung. Bei einer Tröpfcheninfektion begann zusätzlich der Kopf im Bereich des Riechkolbens zu leuchten. «Das ist der Beweis, dass sich das Riechhirn eigenständig gegen Virusinfektionen zur Wehr setzen kann.» (am)

 

DOI: 10.1128/JVI.02044-14

 

05.03.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Aleksey Sagitov

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Midostaurin: Neue Option für AML-Patienten

Mit Midostaurin (Rydapt®) gibt es erstmals eine zielgerichtete Therapie für Patienten mit neu diagnostizierter akuter...



Ärzte fordern Einschränkungen für Heilpraktiker

Deutsche Ärzte halten die geplante Reform der Vorschriften für angehende Heilpraktiker für nicht weitreichend genug. Die Neuformulierung...



Morbi-RSA: Experten nehmen regionale Unterschiede ins Visier

Der Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen funktioniert nach Meinung von Experten insgesamt recht gut. Das geht aus einer Untersuchung...



Drogeriemarkt: dm setzt auf Digitalisierung

Aufrüstung des Technologiebereichs, Smartphones für alle Mitarbeiter, Kosmetik-Erklärvideos bei Youtube: Seit Beginn des Geschäftsjahres...

 
 

Wer trinkt wie viel? Neuer Alkoholatlas soll vorbeugen helfen
Riskanter Alkoholkonsum ist bei Männern und Frauen mit hohem Sozialstatus stärker verbreitet als etwa bei Arbeitslosen. Unterschiede gebe...

Husten & Co: Erkältungssalbe verbessert Schlafqualität
Erkältungssalben können bei einer Erkältung zu einer signifikanten Verbesserung des Schlafverhaltens beitragen. In einer Studie mit 100...

GLP-1-Rezeptor-Agonist: Tablette könnte Spritze ersetzen
Die erste oral verfügbare Formulierung eines GLP-1-Rezeptor-Agonisten hat erfolgreich eine Phase-II-Studie absolviert und damit einen...

Lepra-Hilfswerk setzt Hoffnungen in neuen Impfstoff
Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Lepra will das Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfswerk DAHW einen neuen Impfstoff auf den Weg...

LAV: «Securpharm wird eine Schlüsselrolle spielen»
«Die Initiative Securpharm als deutscher Baustein für ein EU-weites Netzwerk gegen Arzneimittelfälschungen kommt zeitgerecht voran. Die...

Zeitumstellung: Besonders Frauen leiden
Am 29. Oktober ist es wieder soweit: Die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt. Vor allem Frauen macht die Zeitumstellung zu schaffen....

Cortison verbessert die Heilung – wenn das Timing stimmt
Systemische Corticosteroide können die Heilung von verletzten Sehnen verbessern, allerdings nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt gegeben...

Herzinfarkt: Gewebeschutz durch HDL-Injektion
HDL gleich «hab dich lieb» – diese Eselsbrücke zur Abgrenzung des kardioprotektiven HDL-Cholesterins vom schädlichen LDL-Cholesterin könnte...

BGH: Almased darf keine Preise diktieren
Die Firma Almased darf Apothekern keinen Mindestpreis für den Vertrieb ihrer Produkte vorschreiben. Das hat der...

OTC-Markt: Versender festigen ihre Position
OTC-Präparate bestellen Patienten immer häufiger im Internet. Im ersten Halbjahr 2017 verschickten Versandapotheken 63 Millionen Packungen...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU