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Niedersachsen will Antibiotikaeinsatz bei Tieren halbieren

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Niedersachsen will Antibiotikaeinsatz bei Tieren halbieren
 


Niedersachsen will in den kommenden fünf Jahren die Anwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft durch den Einsatz von mehr Kontrolleuren halbieren. Das Kabinett hat dazu am Dienstag in Hannover beschlossen, dass das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) künftig für die Kontrolle zuständig sein soll. Dazu werden dort 25 neue Stellen geschaffen, überwiegend für Tierärzte, wie Agrarminister Christian Meyer (Grüne) erklärte. Die Kosten sollen über die Gebühren abgedeckt werden, sagte Meyer.

 

Kritik kam sowohl vom Landkreistag als auch vom Bauernverband und der oppositionellen CDU. «Meyers gebetsmühlenartig vorgetragene Antibiotika-Warnungen erweisen sich als durchsichtige Profilierungsversuche», sagte der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke. Er kritisierte eine «unnötige Schaffung von Parallelstrukturen», da die Veterinäre der Landkreise die Kontrollen hätten übernehmen können. Unmut gab es beim Bauernverband, dem Landvolk. Dessen Präsident Werner Hilse erklärte, Antibiotika würden verantwortungsvoll zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt. Das müsse weiter gesichert sein. Ein pauschal festgesetztes Minderungsziel sei da nicht sinnvoll. Der Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer, meinte in einer Erklärung: «Es ist eine politische Entscheidung gegen jede Vernunft.»

 

Bis zum 15. Januar hatten die Betriebe Zeit, ihren Verbrauch an Antibiotika zu melden. Ende Mai soll aufgrund dieser Angaben erstmals eine bundesweite Erhebung zum Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft vorliegen. Die Spitzenverbraucher im oberen Viertel mit dem höchsten Einsatz müssen dann mit ihren Tierärzten Pläne zur Senkung des Verbrauchs erarbeiten. Meyer erwartet, dass etwa 20.000 bis 30.000 Betriebe unter das neue Gesetz fallen, das nur für Großbetriebe gilt. «Wir haben die höchsten Zahlen», sagte er. Mehr als die Hälfte der bundesweit 1452 Tonnen Antibiotika gingen im Vorjahr in niedersächsische Tierarztpraxen. «Wir setzen auf Einsicht, Vernunft und Beratung», sagte Meyer, der zugab: «Wir haben in den vergangenen Jahren einen leichten Rückgang beim Antibiotikaverbrauch festgestellt.» Meyer geht von jährlich bis zu 3000 Betrieben aus, die es in Niedersachsen zu kontrollieren gilt. Für Einzelkontrollen würden in den Betrieben Gebühren von maximal bis zu 500 Euro anfallen. Auch die Prüfung des Konzepts zur Verbrauchssenkung soll gebührenpflichtig sein.

 

Hintergrund ist die schädliche Wirkung des Antibiotika-Einsatzes in großem Stil. Die Tiere können gegen Antibiotika resistente Keime entwickeln, die durch falsche Fleischverarbeitung oder Kontakt zu den Tieren auch auf den Menschen übertragen werden können, erklärte das Agrarministerium. Dagegen betonte Landvolk-Präsident Hilse, das alleinige Festhalten an Minimierungszielen könne dem Entstehen resistenter Keime sogar Vorschub leisten, etwa, wenn die Behandlung vorzeitig abgebrochen werde. Die Verbrauchsdaten würden auf den Höfen seit Jahren dokumentiert und kontrolliert. Mit der staatlichen Datenbank werde nun ein überbetrieblicher Vergleich vorgeschrieben.

 

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18.02.2015 l dpa

Foto: Fotolia/Budimir Jevtic

 

 

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