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Standhaft bleiben

EDITORIAL

 
Standhaft bleiben

Eindruckvoll hat die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf dem traditionellen Wirtschaftspresseseminar in Berlin belegen können, dass es zu dem in Deutschland etablierten System der Arzneimittelversorgung keine Alternative gibt (lesen Sie dazu auch ABDA-Presseseminar: Schutzzäune für Patienten).

 

Man kann dem ABDA-Präsidenten Heinz-Günter Wolf nur zustimmen, dass die Arzneimittelversorgung in Deutschland kein Experimentierfeld für Handelskonzerne und Großinvestoren werden darf. Die Leidtragenden einer solchen »Heuschreckenplage« wären in erster Linie die Patienten und Verbraucher und in zweiter Linie die mittelständig betriebenen Individualapotheken.

 

Nur sie garantieren zurzeit in ländlichen Regionen die flächendeckende Versorgung der Patienten. Die Möglichkeit der Filialisierung hat dazu beigetragen, dass auch in Orten, in denen sich eine Apotheke alleine nicht tragen würde, die Arzneimittelversorgung durch Filialen aufrecht erhalten bleibt.

 

Wer dieses bewährte und in den letzten Jahren mit der Hilfe und den Ideen der Apothekerschaft weiterentwickelte System verändern will, muss erst beweisen, dass durch Kapitalkonzentrierung in Apothekenkonzernen die Arzneimittelversorgung besser wird.

 

Es ist auch falsch, dass die Arzneimitteldistribution durch eine verändertes System mit weniger Betriebsstätten preiswerter würde. Diejenigen, die so argumentieren, verfolgen in Wirklichkeit ausschließlich ihre eigenen Interessen. Die Apotheker haben keinen Einfluss auf die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen, die Rezepte stellen die Ärzte aus. Weniger Verkaufsstellen würden deshalb an den Arzneimittelkosten nichts ändern. Zudem haben das GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) 2004 und das Arzneimittelversorgungswirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) 2006 die Apotheken beim Verkauf und beim Einkauf preisneutral gestellt. Niemand wird ihnen heute noch unterstellen, Sie seien an der Abgabe teurer Präparate interessiert.

 

Apotheken haben in den letzten Jahren außerdem bewiesen, dass sie neue Aufgaben im Interesse einer verbesserten Arzneimittelversorgung und größeren Arzneimittelsicherheit übernehmen wollen. Konzerne werden sicher nicht so altruistisch agieren, sondern renditeorientiert rationalisieren mit der Folge einer Verschlechterung der Arzneimittelversorgung.

 

Ich kann nur hoffen, dass sich die Politik nicht von den falschen Argumenten der Bauernfänger einschüchtern lässt, sondern bei ihrer augenblicklichen positiven Meinung zum jetzigen System, die sie auch gegenüber dem Europäischen Gerichtshof geäußert hat, bleibt.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur


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Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2008

 

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