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Prost Mahlzeit!

EDITORIAL

 

Prost Mahlzeit


Die Bakterien der Gattung Pediococcus und Lactobacillus sind echte Spielverderber. Sie sind für Menschen zwar ungefährlich, haben sich unter Umstän­den aber einen wirklich ungünstigen Lebensraum ausgesucht. Die Milchsäure-produzierenden Bakterien können auf dem Korn für die Malzherstellung vorkommen. Gelangen sie ins Bier, dann »flenst« es so gar nicht. Es ist schön, dass nun ein Schnelltest existiert, der mit den Mikroben verunreinigtes Bier viel schneller als früher nachweisen lässt. Das bewahrt uns vielleicht vor einem verdorbenen Hopfengetränk. Die eigentlichen Probleme mit den Mikroben lassen sich so aber nicht lösen.

 

Infektionen mit Antibiotika-resistenten Erregern stehen in vielen Kranken­häusern auf der Tagesordnung. Laut »Geo« sollen sich in deutschen Kliniken 700 000 Menschen damit infiziert haben, von jährlich 25 000 Todes­opfern in der EU ist die Rede. Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumoniae sind nur zwei Beispiele für Erreger, von denen auf der Welt Stämme existieren, gegen die quasi nichts mehr wirkt.

 

Im »New England Journal of Medicine« haben sich zwei Immunologen nun mit Antibiotika und Resistenzen beschäftigt (lesen Sie dazu Antibiotika: Was tun gegen Resistenzen?). Sie zählen auf, was zu tun ist, damit im Kampf der Menschheit gegen die Bakterien am Ende nicht doch Hopfen und Malz verloren ist. Über­raschend neue Botschaften gibt es allerdings kaum. Dass wir sorgsamer mit den verfügbaren Antibiotika umgehen müssen und ein restriktiverer Einsatz sowohl in der Tiermast als auch in der Veterinär- sowie der Humanmedizin gut wäre, dürfte wohl allen klar sein. Eine weltweite Verschreibungspflicht für Antibiotika, wie sie der deutsche Gesundheitsminister gefordert hat, wäre ein Schritt in diese Richtung.

 

Interessant ist ein Vorschlag der beiden Mediziner, einen von einer zu gründenden weltweiten Antibiotika-Aufsichtsbehörde verwalteten Fonds einzurichten, in den alle Länder entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten einzahlen und aus dem die Entwickler neuer Antibiotika entlohnt werden. Das klingt sehr gut, ist aber in der Praxis eine echte Herausforderung. Der Ansatz, die Entwicklung neuer Antibiotika nicht allein den Pharma­firmen zu überlassen, ist aber sicher der richtige. Die Staaten sind in der Pflicht, Wege aus dem Antibiotika-Dilemma mit zu entwickeln und zu fördern. Geschieht dies nicht, könnte eine Warnung des Penicillin-Entdeckers Alexander Fleming aus dem Jahr 1945 wahr werden. »Wenn ihr dieses Zaubermittel verantwortungslos einsetzt, werdet ihr es wieder verlieren.« Und dann Prost Mahlzeit.

 

Sven Siebenand
Stellvertretender Chefredakteur



Beitrag erschienen in Ausgabe 42/2014

 

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