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Echter Thymian zum Sieger gekürt

PHARMAZIE

 
Arzneipflanze des Jahres 2006

Echter Thymian zum Sieger gekürt

von Ralf Windhaber, Würzburg

 

Thymianpräparate sind aus der Behandlung von Husten und Erkältungen kaum mehr wegzudenken. Der Würzburger Studienkreis »Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde« hat den Echten Thymian als Arzneipflanze des Jahres 2006 ausgezeichnet.

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Thymian zählt bei Erkältungskrankheiten zu den wertvollsten Arzneipflanzen. Schon die griechischen Ärzte der Antike - wie Hippokrates und Dioskurides - setzten »Thymos« bei Erkrankungen der Atemwege und vor allem als auswurfförderndes Mittel ein. Der berühmte deutsche Arzt und Botaniker Leonhart Fuchs schrieb in seinem Kräuterbuch von 1543: »Thymian mit Honig gekocht und getrunken ist förderlich und nützlich denjenigen, die das Keuchen und das schwere Atmen haben.« In früheren Zeiten nutzte man das Kraut auch bei Verdauungsproblemen und äußerlich bei Insektenstichen, Kopf- und Gliederschmerzen.

 

Auch heute werden Thymianpräparate in vielfältiger Weise therapeutisch eingesetzt. Das Hauptindikationsgebiet sind auf Grund seiner auswurffördernden und krampflösenden Eigenschaften sowie antimikrobiellen Wirkung Erkältungen der Atemwege. Unterstützend werden Thymianpräparate auch bei Keuchhusten und Asthma verwendet.

 

Extrakte aus Thymiankraut lindern den Hustenreiz und beschleunigen den Abtransport des Schleims. Äußerlich wird er als durchblutungsförderndes, antibakterielles, aber auch desodorierendes Mittel, bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes als Gurgelmittel eingesetzt. Hauptinhaltstoff und zugleich für die Wirkung und Anwendung verantwortliche Komponente ist das ätherische Öl, dessen Gehalt zwischen 1,2 und 2,5 Prozent beträgt. Hauptkomponenten des ätherischen Öls sind die phenolischen Monoterpene Thymol (25 bis 50 Prozent) und Carvacrol (3 bis 10 Prozent). Weitere Inhaltsststoffe sind Labiatengerbstoffe und Flavonoide.

 

Der Echte Thymian (Thymus vulgaris L.) gehört zu den Lippenblütlern und ist mit vielen Sorten in Mittel- und Südeuropa und im Kaukasus beheimatet. Heute wird er in Mitteleuropa, Ostafrika, Indien, Israel, Marokko, Nordamerika und in der Türkei feldmäßig angebaut. Geringe Mengen kommen aus Deutschland, Spanien und Osteuropa.

 

Aromatischer Geruch

 

Dass der Thymian eine alte Arznei- und Nutzpflanze ist, zeigt auch sein Name. Er leitet sich von griechisch »thymiama« her, zu deutsch Räucherwerk. So nannte man auch den Weihrauch, der in den Tempeln den Göttern dargebracht wurde. Es handelt sich bei dieser Bezeichnung um eine Anspielung auf den intensiven Duft, den das Kraut abgibt und der auf das ätherische Öl zurückzuführen ist. Unter dem latinisierten Namen »herba thymiana« lernten unsere Vorfahren dann die Pflanze kennen, die von Mönchen aus dem Mittelmeerraum über die Alpen mitgebracht worden war. Daraus entstand der Name Thymian.

 

Der würzige, stark aromatische Geruch kann auch variieren. Dafür sind Pflanzen mit unterschiedlichen Garnituren an ätherischem Öl verantwortlich. In der französischen Küche darf der »thym« nicht fehlen und als Verbindung von Genuss- und Arzneimittel finden sich Thymianextrakte in vielen Kräuter- und Bitterlikören.

 

Erwähnenswert ist die symbolische Bedeutung, die der Thymian bei den Rittern hatte: Als ein Zeichen für Mut und Kraft steckten die Hofdamen ihren Favoriten vor einem Turnier ein Thymian-Sträußchen an die Rüstung. Ursache dafür liegt in dem griechischen Wort »Thymos«, das »Mut« und »Kraft« bedeutet.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 01/2006

 

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