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Asthma: Cortison hemmt Wachstum nur moderat

Eltern von Kindern mit Asthma können aufatmen: Die Inhalation von Corticoiden kann das Wachstum von Kindern mit leichtem bis moderatem Asthma zwar hemmen – aber nicht so drastisch, wie Eltern häufig befürchten. Gut belegt war bislang, dass bei Kindern hohe Dosen oral eingenommener Corticoide das Wachstum hemmen. Für die Inhalation war der Effekt weniger eindeutig. Bei der Auswertung von 25 klinischen Studien mit rund 8500 Kindern für ein Cochrane-Review stellten Forscher nun fest, dass inhalierte Corticoide das Wachstum im Schnitt um 0,48 Zentimeter im ersten Jahr hemmen. Das Ausmaß hing dabei weniger von der Dosis als vom einzelnen Glucocorticoid ab. In den Folgejahren ließ der Effekt nach. Manche Kinder holten nach Therapieende wieder auf (kindliches Asthma verschwindet häufig im Erwachsenenalter).

Nur bei einer der in die Metaanalyse eingeflossenen Studien wurde die endgültige Körpergröße im Erwachsenenalter ermittelt. Dabei inhalierten die Kinder Budesonid 400 µg pro Tag über durchschnittlich 4,3 Jahre. Als Erwachsene waren die Probanden durchschnittlich 1,2 Zentimeter kleiner als ihre Altersgenossen aus der Placebo-Gruppe. Dabei schwankte der Unterschied zwischen 0,5 und 1,9 Zentimeter.

Die Wissenschaftler um Francine Ducharme von der kanadischen Universität in Montreal fordern nun weitere Studien, um die Effekte der einzelnen Glucocorticoide, insbesondere neuerer Wirkstoffe wie Mometason und Ciclesonid, besser zu erforschen. In die Metaanalyse flossen Daten aus Studien mit sechs verschiedenen Wirkstoffen ein. Die Studien liefen über drei Monate bis sechs Jahre.

In einem zweiten Cochrane-Review ermittelten dieselben Forscher zudem, dass höhere Corticoid-Dosen das Wachstum stärker bremsen und empfehlen daher für Kinder die therapeutisch geringst mögliche Dosis. Insgesamt werten sie den Nutzen der inhalativen Corticoid-Therapie bei Asthma im Kinderalter als deutlich höher als die verlorenen Zentimeter. Wichtig ist außerdem eine korrekte Inhalationstechnik, damit das Corticoid in die Lunge und nicht über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangt. (db)

DOI: 10.1002/14651858.CD009471.pub2
DOI: 10.1002/14651858.CD009878.pub2

 

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22.07.2014 l PZ

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