Pharmazeutische Zeitung online

Burnout: Als Krankheit nicht anerkannt

Gefühlt ist Burnout mittlerweile eine Volkskrankheit. Dabei ist nicht einmal geklärt, ob es überhaupt eine Krankheit ist. Im Diagnoseschlüssel ICD-10 wird sie jedenfalls nicht aufgeführt. Das ist aber kein Grund, das Leiden zu bagatellisieren.

 

Es fällt schwer, das Burnout-Syndrom von anderen Diagnosen wie etwa einer Depression abzugrenzen. Die Erlanger Pharmazieprofessorin Kristina Friedland (Foto) brachte in Meran Licht in das Dunkel. Burnout sei ein chronisches Erschöpfungssyndrom, bei dem die psychischen Symptome eindeutig im Vordergrund stehen. Chronisch sei eine Erschöpfung, wenn sie mindestens sechs Monate andauere. Erstmals verwendet wurde der Begriff laut Friedland von William Shakespeare. Thomas Mann beschrieb die Burnout-Symptomatik in der Figur des Thomas Buddenbrook. Erste wissenschaftliche Untersuchungen stammen von dem US-amerikanischen Psychiater Herbert Freudenberg aus dem Jahr 1974. Er identifizierte die drei charakteristischen Symptome «überwältigende Erschöpfung», Zynismus und Distanziertheit vom Beruf sowie Wirkungslosigkeit bei mangelnden Ressourcen.

 

Angesichts der Tatsache, dass Burnout keine offiziell anerkannte Krankheit ist, wundert es kaum, dass die Daten über dessen Häufigkeit sehr stark voneinander abweichen. Tatsächlich scheint er aber von einer echten Volkskrankheit ein gutes Stück entfernt. Laut Friedland leiden etwa 4 Prozent der Deutschen unter dem Syndrom. Frauen seien mit 5 Prozent häufiger betroffen als Männer (3 Prozent). Gefährdet seien vor allem Menschen mit einem hohen Stresslevel im Beruf. Ihnen gelinge es oftmals nicht mehr, nach der Arbeit abzuschalten. Dies habe erhebliche Konsequenzen. Bei gesunden Menschen wie bei Burnout-Gefährdeten wird bei Stress Cortisol ausgeschüttet. Während bei gesunden Menschen die Ausschüttung des Stresshormons bald wieder gestoppt werde, bleibe der Spiegel bei den Burnout-Kandidaten weiterhin hoch. Cortisol sei jedoch neurotoxisch, sagte Friedland. Ein dauerhaft hoher Spiegel reduziere die Zahl der Synapsen und anderer Strukturen der Neuronen.

 

Trotz der erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung wird das Burnout-Syndrom auf absehbare Zeit nicht als Krankheit anerkannt werden. Nach Angaben von Friedland wird auch in dem für 2015 vorgesehenen ICD-11 die Indikation Burnout fehlen. (dr)

 

27.05.2014 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller