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Arzneimittelreport 2014: Scheininnovationen als Preistreiber

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Arzneimittelreport 2014: Scheininnovationen als Preistreiber
 


Die Barmer GEK kritisiert die Ausgabensteigerung durch teure Me-too-Präparate, die bereits vor 2011, also vor Inkrafttreten des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG), auf den Markt gekommen sind. Bei der Vorstellung ihres Arzneimittelreports 2014 forderte die Kasse daher erneut eine regelhafte Spätbewertung von Medikamenten.

 

Laut der vom Zentrum für Sozialpolitik an der Uni Bremen durchgeführten Studie entfallen immer noch 11 Prozent der Arzneimittelausgaben auf Scheininnovationen. Bei der Barmer GEK belaufen sich die Kosten demnach auf 440 Millionen Euro. Kosten, die vermeidbar wären, da die Präparate durch preiswerte Generika ersetzt werden könnten, so Studienleiter Professor Gerd Glaeske. Ohne einen Qualitätsverlust in der Therapie könnten hier rund 5 Prozent der Arzneimittelausgaben vermieden werden, heißt es.

 

Die Arzneimittelausgaben der Barmer GEK sind im vergangenen Jahr gegenüber 2012 um 2,6 Prozent auf 4, 2 Milliarden Euro gestiegen. Insgesamt entfielen 75 Prozent der Verordnungen auf Generika, das waren 60 Millionen Packungen von insgesamt 80 Millionen Packungen. Hier fordert die Kasse eine Erhöhung der Substitutionsquote auf 85 Prozent. Die kostengünstigeren Nachahmerprodukte sollten vor allem die sehr häufig von Ärzten verschriebenen Me-too-Produkte ersetzen.

 

«Nicht alle Arzneimittel, die neu sind, sind tatsächlich besser», kritisierte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Als Beispiel wurden bei der Report-Präsentation die Gruppe der neuen oralen Antikoagulanzien (nOAK) herangezogen. Diese Gerinnungshemmer, allen voran das Mittel Xarelto®, verursachten besonders auffällige Ausgabensteigerungen. Dabei seien sie nicht unbedingt besser als bewährte Produkte, wie beispielsweise Marcumar®, so die Studien-Verantwortlichen. Auch sei bei den nOAK dringend eine Schaden-Nutzen-Bewertung erforderlich, da im Falle von unerwünschten Blutungen noch keine Gegenmittel auf dem Markt wären. Nutzen und Risiken werden nach Ansicht von Glaeske bei solchen zum Bestandsmarkt gehörenden Präparaten nicht ausreichend gegenübergestellt.

 

Die Pharmabranche hält erwartungsgemäß nichts von einer regelmäßigen Spätbewertung bereits am Markt befindlicher Produkte. «Was Medikamente leisten, und warum es gut ist, für die Behandlung mehr als ein Mittel zur Auswahl zu haben, können Ärzte und Patienten am besten ermessen», so Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen. Die Krankenkassen würden hingegen immer versuchen, den Wert von neuen Medikamenten gering zu schätzen, weil das ihre Position für die Preisverhandlungen stärke. (et)

 

27.05.2014 l PZ

Foto: Fotolia/Stoll

 

 

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