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Grippe: Regierung will weiter Präparate bevorraten

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Grippe: Regierung will weiter Präparate bevorraten
 


Die Bundesregierung hält an der Bevorratung mit den umstrittenen Grippepräparaten Tamiflu und Relenza vorerst fest. Das hat Gesundheitsstaatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen noch einmal bekräftigt. So gebe es nach derzeitigen Kenntnissen für den Fall einer schweren Influenzapandemie bislang keine Alternativtherapie, die den beiden in Deutschland zugelassenen Neuraminidasehemmern überlegen sei. Die Regierung halte es zudem nicht für vertretbar, «auf eine Vorsorge zum Schutz der Bevölkerung gänzlich zu verzichten», schreibt Fischbach.

 

Hintergrund der Anfrage ist eine Bewertung der beiden Arzneimittel durch die renommierte Cochrane Collaboration, die vor einigen Wochen ein ernüchterndes Fazit gezogen hatte. Demnach schützen beide Präparate nicht vor den schweren Komplikationen einer Grippe. Deutlich stärker als bislang bekannt fallen hingegen die Nebenwirkungen aus. Die Bundesregierung verweist vor diesem Hintergrund auf die Einschätzung der Zulassungsbehörden. Diese bewerteten Tamiflu® und Relenza® trotz der nun vorliegenden Daten nach wie vor mit einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis und sähen auch keine Veranlassung, daran etwas zu ändern, so Fischbach. Darüber hinaus führe die Analyse der Cochrane-Wissenschaftler nicht zu dem Schluss, «dass ein Verzicht auf die Anwendung von Neuraminidasehemmern bei einer schwerwiegenden Influenzapandemie die Bevölkerung bis zur Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe besser schützen würde».

 

In Deutschland enthält der sogenannte Pandemieplan bislang die Empfehlung, eine gewisse Menge antiviraler Arzneimittel vorzuhalten, die im Fall einer Influenzapandemie schnell zum Einsatz kommen können. Auch andere europäische Ländern gehen Fischbach zufolge entsprechend vor. Den deutschen Pandemieplan überarbeiteten Bund und Länder derzeit gemeinsam, auch die Ergebnisse des Cochrane-Reviews sollen dabei berücksichtigt werden. Aktuell stelle sich die Frage einer weiteren Bevorratung allerdings nicht, da Bund und Länder über ausreichende Mengen Neuraminidasehemmer verfügten.

 

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung scharf. Diese halte weiter an einer Bevorratung fest, «wohlwissend, dass der Nutzen marginal und die Kosten immens hoch sind». Darüber hinaus begründe die Regierung die Einlagerung ausschließlich mit dem Verweis auf die Zulassung der Arzneimittel. «Sie blendet die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse völlig aus und drückt sich vor einer Kosten-Nutzen-Bewertung der Medikamente», so Schulz-Asche. (sch)

 

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Oseltamivir (Tamiflu® / 2002) und Zanamivir (Relenza® / 1999) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

12.05.2014 l PZ

Foto: PZ/Archiv

 

 

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