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Rhinitis: Verschnupft und zugeschwollen

PHARMAZIE

 
Rhinitis

Verschnupft und zugeschwollen

Von Elke Wolf

 

Eine verschnupfte Nase ist wie ein Brett vorm Kopf. Die Konzentration leidet, und einen klaren Gedanken zu fassen, ist kaum möglich. Wer die Nase voll von diesen Beschwerden hat, der bekommt mit verschiedenen Arzneimitteln Schniefnase und Kopf wieder frei.

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Ein kräftiges Hatschi genügt, und schon tummeln sie sich millionenfach in der Luft: Rhinoviren. Und im Winter finden sie in Kindergärten, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Kaufhäusern genügend Nasenschleimhäute, in denen sie sich einnisten können. Dann geht es los: Die Nase wird trocken, das Opfer fröstelt, fühlt sich abgeschlagen und spürt einen Druck im Kopf. Im späteren Krankheitsverlauf setzt das Immunsystem lokal massenhaft Entzündungsmediatoren frei. Diese erweitern die kleinen Blutgefäße und erhöhen ihre Durchlässigkeit, sodass Flüssigkeit ins Gewebe austritt.  Dadurch schwillt die Schleimhaut an, das überschießende Sekret zwingt zum laufenden Naseputzen. Gleichzeitig wird vermehrt Schleim produziert, der zäher und zäher wird. Das schädigt die Schleimhaut und beeinträchtigt die Selbstreinigung der Nase. Eine Rhinitis ist in vollem Gange.

 

Wer rechtzeitig beim ersten Kribbeln in der Nase dagegen vorgeht, kann dem Ansturm der Viren eventuell Paroli bieten. So beansprucht etwa das Nasenspray Wick Erste Abwehr® für sich, im Frühstadium der Erkältung die Viren an der Schädigung der Schleimhaut hindern und einen Infekt mitunter abbiegen zu können. Es handelt sich um ein 1-prozentiges visköses Hydroxypropylmethylcellulose-Gel (HPMC-Gel) mit einem sauren pH-Wert. Es soll Viren, die sich noch nicht in die Schleimhaut eingegraben haben, einkapseln und sowohl ihre Aktivität als auch deren Kontakt mit den Epithelzellen der Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum reduzieren können. Zudem enthält die Zubereitung Bernstein- und Pyroglutaminsäure, die den pH-Wert in der Region für kurze Zeit in den sauren Bereich absenken sollen. Auf diese Weise findet laut Herstellerangaben eine Inaktivierung der meist säurelabilen Viren statt.

 

Zudem verfüge das HPMC-Gel über eine dritte Wirkkomponente: die Ausschwemmung der Viren. Dies ergebe sich daraus, dass die Salzkonzentration des Mikrogels höher sei als die des Nasensekrets. Diese Hyperosmolarität sorge für eine kurzzeitige Rhinorrhö, die die Viren ausspülen soll.

 

Bad für die Nase

 

Vertreiben kann die Viren auch eine Spülung mit speziellen Nasenduschen. Sie ist in der Durchführung zwar etwas gewöhnungsbedürftig, beseitigt jedoch effektiv Schmutzpartikel, Viren und Bakterien und befeuchtet zudem die Schleimhaut nachhaltig. Das Bad für die Nase kann, regelmäßig angewandt, eine gute Vorbeugung und eine wichtige Unterstützung im Kampf gegen Schnupfen sein. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover ergab, dass sich damit das Erkältungsrisiko deutlich reduzieren lässt. Viele Pollenallergiker schwören auf das regelmäßige Duschen ihrer Nase.

 

Als Spüllösung kommt eine sterile isotonische Kochsalzlösung oder aber isotonische oder schwach hypertonische Salzlösungen infrage, die der Patient unmittelbar vor der Spülung zubereitet. Verwendet er dazu eine Salzmischung mit Natriumhydrogencarbonat (Emser® Salz), darf das frisch abgekochte Trinkwasser nicht heiß, sondern nur etwa 40 °C warm zum Salz gegeben werden. Sonst zerfällt das Hydrogencarbonat unter Kohlendioxidabgabe. Dadurch steigt der pH-Wert, was die Wirkung beeinträchtigen würde. Ansonsten ist im Beratungsgespräch auf hygienische Maßnahmen hinzuweisen. So sind Lösungsreste zu verwerfen, und das Nasenspülgerät sollte nicht als Vorratsgefäß für die Lösung verwendet werden. Es ist nach der Anwendung jeweils mit heißem Wasser auszuspülen und gut zu trocknen.

 

Mineralsalz, etwa aus den Bad Emser Thermalquellen,  enthält viele Elektrolyte, darunter Natrium, Chlorid, Kalium, Lithium, Calcium, Magnesium, Carbonat, Hydrogencarbonat, Sulfat, Fluorid oder Iodid. Die Ionen sorgen für einen alkalischen pH-Wert von 8,2 bis 9,2, der  die Viskosität des zähen Nasensekrets herabsetzt. Der Effekt geht offenbar über die reine Flüssigkeitszufuhr und Osmose hinaus. Man nimmt an, dass Carbonat und Hydrogencarbonat Einfluss auf die Brückenbindungen zwischen den Mucopolysacchariden nehmen, die den zähen Schleim aufbauen. Die Sekretstruktur lockert sich, wird elastischer, die Flimmerhärchen können den Abtransport des Schleims besser bewältigen.

 

Isotonische Kochsalzlösung (zum Beispiel Olynth Salin®) besitzt definitionsgemäß einen pH von 6 bis 7 und kann, genau wie isotones Meerwasser (zum Beispiel Rhinospray® Atlantik), auch in Form von Tropfen oder Spray in die Nase eingebracht werden. Isotone Salzlösungen wirken nicht abschwellend, unterstützen aber die Schlagkraft der Flimmerhärchen, verbessern die Selbstreinigung der Nase und sind auch für die Prävention ein guter Tipp. Denn im Winter sinkt die Luftfeuchtigkeit in überheizten Räumen schnell auf Werte unter 60 Prozent. Das trocknet die Nasenschleimhaut aus und lässt Rhinoviren leichter an ihr haften. Salzlösungen eignen sich für eine Langzeitanwendung, weil sie nicht abhängig machen. Prinzipiell bleiben befeuchtende Nasenöle (zum Beispiel Gelositin®) besser auf der Nasenschleimhaut haften als reine Lösungen. Bei Borken im vorderen Nasenraum helfen pflegende Substanzen wie Dexpanthenol (zum Beispiel Bepanthen® Nasensalbe) oder Mineralsalze (zum Beispiel Nisita®).

 

Luft für ein paar Stunden

 

Den besten Effekt, das Schleimhautödem zu vermindern und die Nase einschließlich der Nebenhöhlen wieder zu belüften, haben sicherlich chemisch-synthetische α-Sympathomimetika. In Form von Nasentropfen, -sprays oder -gelen schwellen die enthaltenen Imidazolinderivate die Schleimhaut ab und wirken sekretionshemmend, indem sie über die α-Rezeptoren die Gefäßwände kontrahieren und dadurch die Durchblutung drosseln. Die Schleimproduktion wird vermindert, die Atmung durch die Nase wieder möglich.


Nicht zu vergessen

Was banal klingt, wird dennoch in der Praxis oft vergessen. Deshalb lohnt der eine oder andere Tipp im Beratungsgespräch:

 

Nasentropfen und -sprays dürfen nur von einer Person verwendet werden.
Vor dem Eintropfen und Sprühen ist erst mal die Nase zu schnäuzen, um sie von Sekret zu befreien.
Während des Einträufelns wird der Kopf weit nach hinten geneigt und Luft durch die Nase eingesogen.
Tropfpipetten und knautschbare Sprayfläschchen sind nach der Anwendung zusammengedrückt aus der Nasenöffnung zu ziehen, damit das Pipetteninnere beziehungsweise die Restlösung nicht kontaminiert wird.
Dosiersprühpumpen müssen vor der erstmaligen Verwendung
einige Male außerhalb der Nase betätigt werden.

Im Beratungsgespräch sollte das Apothekenpersonal den Tipp geben, die Nasentropfen in Rückenlage einzuträufeln und dann noch den Kopf in alle Richtungen zu drehen. Denn dadurch werden die Wirkstoffe besser auf der Schleimhaut verteilt. Der Kopf soll dabei über die Unterlage hinausragen und auch nach unten gebeugt werden. Bei Kindern lässt sich das am besten praktizieren, indem sie auf dem Schoß der Mutter oder des Vaters liegen. So können sie vorsichtig den Kopf über den Schoßrand nach unten neigen.

 

Um mit wenigen Applikationen auszukommen, rät man am besten zu Substanzen mit langer Wirkdauer. Tramazolin (zum Beispiel Rhinospray®), Oxymetazolin (zum Beispiel Nasivin®) und Xylometazolin (zum Beispiel Olynth®) wirken mit 6 bis 7 Stunden am längsten. α-Sympathomimetika sollten maximal sieben Tage in die Nase geträufelt werden; die Arzneimittelbehörde der USA (FDA) nennt als Therapiedauer sogar nur drei Tage. Die Überstimulation des Sympathikus führt langfristig zur Austrocknung der Nasenschleimhaut, die Aktivität der Flimmerhärchen wird herabgesetzt und letztlich die Schleimhaut irreversibel geschädigt.

 

Werden α-Sympathomimetika zu häufig oder zu lange angewendet, nimmt die Verstopfung der Nase zu, sobald die Wirkung des Arzneimittels nachlässt. Dann wird die Nasenschleimhaut extrem durchblutet (»Rebound-Phänomen«) und schwillt an, was zum erneuten Eintropfen verleitet. Die Folge des Missbrauchs ist die Rhinitis medicamentosa.

 

Systemisch anzuwendende Sympathomimetika werden von der Fachwelt kritisch gesehen. Es ist in der Tat nur schwer einzusehen, warum der ganze Organismus mit einem Sympathomimetikum belastet werden soll, nur um lokal die Nasenschleimhaut abzuschwellen.

 

Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind nicht unerheblich und im Beratungsgespräch abzuklären. So ist auf die blutdrucksteigernde Nebenwirkung hinzuweisen und  Hypertonikern vom Gebrauch abzuraten. Tachykardie und koronare Herzkrankheit gehören ebenso zur Ausschlussliste wie Schilddrüsenüberfunktion, Engwinkelglaukom und eine benigne Prostatahyperplasie. Unter den systemischen Sympathomimetika hat Pseudoephedrin (zum Beispiel Aspirin® complex, Rhinopront® combi) die größte Bedeutung. Präparate, die zusätzlich ein Antihistaminikum enthalten, sind nur bei allergischer Rhinitis indiziert.

 

Ein guter Riecher

 

Schniefnasen lassen sich auch pflanzlich wieder frei bekommen. Es gibt eine Vielzahl von Präparaten auf pflanzlicher Basis, so etwa mit ätherischen Öldrogen oder daraus isolierten Inhaltsstoffen wie Menthol, Campher oder Thymol (Präparatebeispiele: Wick® Inhalierstift, Pinimenthol® Nasensalbe, Nasulind®). Sie verbessern bei topischer Anwendung subjektiv die Nasenluftpassage, ohne eine klinisch nachweisbare Abschwellung der Nasenschleimhaut und ohne Abnahme des Atmungswiderstands. Man erklärt den subjektiv als kühlend und erweiternd empfundenen Effekt von Menthol, Campher und Eukalyptusöl mit der Erregung von Thermorezeptoren in der Nasenschleimhaut. Auch eine Depolarisation der Kälterezeptoren durch Hemmung des Calciumeinstroms in die Zelle wird diskutiert.

 

Vorsicht: Menthol, Cineol, Myrtol oder Campher eignen sich nicht für Säuglinge und Kinder unter zwei Jahren. Es drohen reflektorischer Glottiskrampf, Broncho-spasmen und Asthma-ähnliche Zustände bis hin zum Atemstillstand. Eukalyptusöl (zum Beispiel Babix®) ist für kleine Patienten eine Alternative. Eukalyptus-, Pfefferminzöl und Co können auch gut als Inhalationszusatz in Dampfbädern verwendet werden. Patienten fühlen sich zudem oft besser, wenn sie viel Kräutertee oder heiße Zitrone trinken. Letztere stärkt durch ihren hohen Gehalt an Vitamin C unspezifisch die Immunabwehr.

 

Antibiotika nicht in jedem Fall

 

Der Genesungsprozess verzögert sich, wenn sich die Rhinitis zu einer Sinusitis auswächst. Dann haben die viralen Übeltäter auch die Nasennebenhöhlen erreicht. Ein einseitiger Schnupfen ist immer ein deutliches Indiz für eine Sinusitis, genauso Ohrenschmerzen, latente Kopfschmerzen und Druckempfindlichkeit beim Bücken. Ziel der Behandlung: die Ventilation und die Drainage der Nebenhöhlen zu verbessern.

 

Absolute Basismaßnahme sind abschwellende Nasentropfen, und das mehrmals täglich. Experten empfehlen zusätzlich eine große Flüssigkeitszufuhr und Wärme, etwa mithilfe einer Rotlichtlampe appliziert. Sekretolytika versprechen dünnflüssigeren Schleim, der leichter abtransportiert werden kann. Von den chemisch-synthetischen Substanzen kommen Ambroxol und Acetylcystein zum Einsatz. Aber vor allem Phytopharmaka haben sich für diese Indikation einen Namen gemacht, etwa Myrtol (Gelomyrtol®) und eine fixe Fünfer-Kombination aus Enzianwurzel, Eisenkraut, Holunderblüten, Sauerampfer und Schlüsselblumen mit Kelch (Sinupret®). In-vivo- und In-vitro-Studien zeigen nicht nur sekretolytische, sondern auch antiphlogistische Eigenschaften, im Fall der Kombination auch antivirale Effekte.

 

Entwickelt sich eine bakterielle Superinfektion, ist das eine zwingende Indikation für ein Antibiotikum. Je nach Erregerspektrum sind Cephalosporine, Gyrasehemmer oder Doxycyclin anzuwenden. Erythromycin allein ist oft nicht ausreichend wirksam. Zusätzlich können Analgetika den dumpfen Schmerz im Kopf nehmen.


Lesen Sie dazu auch:

Erkältungen: Banale Atemwegsinfekte symptomatisch behandeln (PZ 42/07)


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Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2008

 

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