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Studie: Grippe verläuft häufig symptomlos

Rund jeder Fünfte hat sich bei den letzten saisonalen Grippewellen und bei der Schweinegrippe-Pandemie mit einem Influenzavirus infiziert. Das ergab eine Hochrechnung von Wissenschaftlern basierend auf den Erkrankungsdaten hunderter Haushalte in England. Doch nur bei 23 Prozent der Infizierten zeigten sich Symptome wie Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen. Nur 17 Prozent fühlten sich krank genug, um zum Arzt zu gehen, schreibt ein Team um Dr. Andrew Hayward vom University College in London. Zudem würden Hausärzte häufig eine echte Grippe nicht erkennen. Damit würde derzeit die tatsächliche Infektionsrate in der Bevölkerung stark unterschätzt, während die Häufigkeit von Klinikeinweisungen pro Influenzafall überschätzt würde, kritisieren die Wissenschaftler im Fachmagazin «The Lancet Respiratory Medicine».

 

In der Flu-Watch-Studie sammelten die Forscher von 2006 bis 2011 Erkrankungsdaten von hunderten englischer Haushalte. Insgesamt kamen 5448 Datensätze («Personen-Grippesaisons») zusammen. Jedes Jahr rekrutierten die Forscher neue Haushalte, die vor und nach der Grippesaison Blutproben abgaben. Darin bestimmten die Wissenschaftler Antikörper-Titer gegen die derzeit zirkulierenden Influenzaviren. Wöchentlich fragten sie die Teilnehmer nach grippeähnlichen Symptomen wie Husten und Halsschmerzen. Traten solche Beschwerden auf, reichten die Betroffenen einen Nasenabstrich ein, den die Forscher auf Influenza- und andere Erkältungsviren untersuchten.


Demnach infizierten sich jeden Winter 18 Prozent der ungeimpften Bevölkerung mit Influenzaviren. Doch bei 77 Prozent zeigten sich keine Symptome und nur 17 Prozent der nachweislich Infizierten gingen zum Arzt. Während der Schweinegrippepandemie mit dem H1N1-Erreger im Jahr 2009 erwischte es ebenfalls 18 Prozent.


Mit ihrer Studie stellen die Autoren das derzeitige Influenza-Überwachungssystem in Frage, bei der Hausärzte Grippefälle melden. Die tatsächliche Fallrate könnte um das 22-Fache höher liegen als bislang angenommen. Das könnte folgen für das Krisenmanagement haben. Zum Beispiel stellt in einem begleitenden Kommentar ein Influenzaexperte die Frage, inwieweit die leicht Infizierten zur Übertragung der Grippeviren beitragen und die Isolation von Patienten sinnvoll sei. (db)


doi: 10.1016/S2213-2600(14)70034-7

 

17.03.2014 l PZ

Foto: Fotolia/vege