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Weniger Magensäure, weniger Vitamin B12

Die langfristige Einnahme von Medikamenten, die die Magensäureproduktion effektiv drosseln, erhöht das Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel. Das belegen jetzt US-amerikanische Wissenschaftler um Douglas A. Corley im Fachjournal «JAMA». In einer Fallkontrollstudie untersuchten sie, ob zwischen der Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder H2-Rezeptorenblockern über mindestens zwei Jahre und dem Auftreten eines Vitamin-B12-Mangels ein Zusammenhang besteht. Das war zu erwarten, denn die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung erfordert ein saures Milieu im Magen.

 

Insgesamt berücksichtigten die Wissenschaftler Daten von mehr als 210.000 Personen aus einer großen kalifornischen Studienpopulation. Von den Teilnehmern mit Vitamin-B12-Mangel hatten 12 beziehungsweise 4,2 Prozent aktuell oder in der Vergangenheit über zwei Jahre oder länger PPI beziehungsweise H2-Blocker eingenommen. Bei denjenigen mit normalen Vitamin-B12-Werten lagen diese Anteile mit 7,2 beziehungsweise 3,2 Prozent deutlich darunter. Höhere Dosen der Ulkustherapeutika waren mit einem höheren Risiko assoziiert; nach Absetzen der Präparate sank das Risiko.

 

Die Assoziation zwischen der Langzeit-Anwendung von PPI oder H2-Hemmern und niedrigen Vitamin-B12-Spiegeln überrascht nicht, wurde aber in dieser Eindeutigkeit noch nie vorher gezeigt. Ärzte sollten die Gefahr eines Vitamin-B12-Mangels im Hinterkopf haben, wenn sie ihren Patienten über einen längeren Zeitraum entsprechende Medikamente verordnen. PPI, mit denen sich die Magensäureproduktion nahezu komplett abstellen lässt, gehören in Deutschland zu den umsatzstärksten Arzneimitteln. 2012 wurden laut Arzneiverordnungsreport 2919 Millionen definierte Tagesdosen (defined daily doses, DDD) verschrieben. (am)

 

doi: 10.1001/jama.2013.280490

 

11.12.2013 l PZ

Foto: Fotolia/Tongdang