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Heilpflanzen: Vorsicht Ausrottung

Mehr als 90 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Heil­pflanzen werden direkt aus der Natur entnommen und nicht angebaut. Von den in Deutschland etwa 1500 gehandelten Medizinalpflanzen stammen nur etwa 50 bis 100 Arten ausschließ­lich aus Kulturen, berichtete Professor Dr. Maximilian Weigend von der Universität Bonn bei einer Presseveranstaltung des Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München.

 

Weltweit seien etwa 15.000 Heilpflanzenarten vom Aussterben bedroht, meist durch unkontrollierte Wildsammlung, sagte Weigend. Zum Vergleich: Etwa 72.000 Arten werden weltweit als Heilpflanzen genutzt, in den internationalen Handel gelangen davon 4000 bis 7000 Arten. Als Folge unkontrollierter Wildsammlung drohe vielen Arten das «kommerzielle Aussterben», sagte der Referent. Darunter verstehe man einen so starken Rückgang der Bestände, dass diese keine Nutzung mehr vertragen. Die Ernte sei unwirtschaftlich oder illegal. Nach Exper­ten­mei­nung sind etwa 14 Prozent der seit 1600 ausgestorbenen Pflanzen durch Übernutzung verschwunden.

 

Weigend plädierte für den kontrollierten Anbau von Heilpflanzen. Dieser liefere hochwertiges Ausgangsmaterial mit vorhersagbarem Wirkstoffgehalt, die Qualitätskontrolle sei gut durchführbar und der Anbau zertifizierbar. Allerdings verursacht die Kultur hohe Kosten. Ist ein Anbau nicht möglich, zum Beispiel weil die Pflanze sehr langsam wächst oder zu geringen Ertrag liefert, biete die nachhaltige Wildsammlung eine Option. Dabei wird beispielsweise nur ein definierter Anteil der erntereifen Pflanzen entnommen, es gibt Ruheperioden für die Bestände und es wird eventuell nachgesät. «In sehr vielen Ländern ist die nachhaltige Wildsammlung heute die einzig legale Form der Sammlung», erklärte Weigend. (bmg) 

 

05.12.2013 l PZ

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