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Da geht noch was

EDITORIAL

 

Da geht noch was


Nicht jeder nimmt die Diagnose Diabetes mit so viel Humor wie Oscar-Preisträger Tom Hanks. In einer US-Talkshow flachste er: »Ich war beim Arzt und der sagte mir ›Wissen Sie, diese hohen Blutzuckerwerte, mit ­denen Sie sich herumschlagen, seit Sie 36 sind? Sie sind aufgestiegen. Sie haben jetzt Typ-2-Diabetes, junger Mann.‹« Der Hollywood-Schauspieler erklärte, dass er zwar einige Kilo abgenommen habe, aber wohl immer zucker­krank bleiben werde, da er das von seinem Arzt gesteckte Ziel, ­wieder so schlank zu werden wie in der Schulzeit, niemals erreichen könne. »Lauf, Forrest, lauf«, möchte man ihm in Anlehnung an einen seiner bekanntesten Filme zurufen. Dann klappt es vielleicht doch, das Gewicht weiter zu reduzieren und die Krankheit in Schach zu halten.

 

Neue Wege, die Erkrankung zu therapieren oder bestenfalls sogar zu kurieren, wurden auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes vorgestellt (lesen Sie dazu Diabetes-Konferenz: Neue Therapien im Gespräch und Typ-1-Diabetes: Lebenserwartung gestiegen). Im Mittelpunkt des Interesses standen vor allem die Inkretin-Mimetika, also GLP-1-Rezeptoragonisten und Hemmer des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4). Auf diesem Gebiet sind längst noch nicht alle Rätsel gelöst. Das therapeutische Potenzial ist hier womöglich noch nicht annähernd ausgeschöpft. Zum Beispiel gibt es Hinweise darauf, dass der DPP-4-Hemmer Linagliptin bei diabetischer Nephropathie helfen könnte.

 

Interessant ist auch die Vermutung, dass die subkutane Gabe von GLP-1-Rezeptoragonisten vielleicht gar nicht der beste Applikationsweg ist. Forscher testen bereits die inhalative Gabe von Wirkstoffen dieser Klasse. Zudem gibt es bei Exenatid, Liraglutid und Co. wichtige Unterschiede in der Wirkdauer. Das könnte zukünftig dazu führen, dass neue und alte Vertreter dieser Klasse viel stärker als heute an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst zum Einsatz kommen. Personalisierte Medizin ist also auch unter Diabetologen bei Weitem kein Fremdwort mehr.

 

Sehr spannend ist die Entdeckung, dass man GLP-1 und DPP-4 auch in menschlichen Inselzellen nachweisen konnte. Logisch, dass Wissenschaftler nun der Frage nachgehen, welchen Einfluss dieses lokale GLP-1-System auf die Pathophysiologie der Inselzellen hat. Kann womöglich die ­Hemmung dieser DPP-4-Aktivität einen direkten positiven Einfluss auf die Betazellen haben?

 

Last but not least wird sogar darüber diskutiert, GLP-1-Rezeptoragonisten auch bei Typ-1-Diabetes als Add-on zu Insulin einzusetzen. Auch dies ist noch Zukunftsmusik, und es gilt, die Ergebnisse größerer Studien ab­zuwarten. Eines ist jedoch sicher: Im Bereich Diabetes wird sich in den kommenden Jahren so einiges tun.

 

Sven Siebenand

Stellvertretender Chefredakteur



Beitrag erschienen in Ausgabe 42/2013

 

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