Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Psychiatrische Krankheiten: Gemeinsamer genetischer Ursprung

MEDIZIN

 
Psychiatrische Krankheiten

Gemeinsamer genetischer Ursprung


Von Annette Mende / Bestimmte genetische Veränderungen erhöhen die Erkrankungswahrscheinlichkeit für fünf verschiedene psychiatrische Krankheiten. Einer aktuellen Publikation zufolge teilen sich Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts­störung (ADHS), bipolare Störung, Depression und Schizophrenie dieselben genetischen Risikofaktoren.

ANZEIGE


In einer groß angelegten genomweiten Assoziationsstudie fanden Wissenschaftler der internationalen Forschungsgruppe Psychiatric Genomics Consortium vier Genorte, die mit allen fünf Erkrankungen assoziiert waren. Im Einzelnen sind das SNPs (single nucleotide polymorphisms) an bestimmten Loci auf den Chromosomen 3 und 10 sowie in zwei Genen, die für CACNA1C und CACNB2 codieren. Die beiden Letztgenannten sind Komponenten eines spannungsabhängigen Calciumkanals, der von Gehirnzellen gebildet wird, schreiben die Forscher im Fachjournal »The Lancet« (doi: 10.1016/S0140-6736(12)62129-1).




Foto: Fotolia/Mitiuc


Anschließende Risikoanalysen bestätigten, dass die identifizierten Gene eine krankheitsübergreifende Rolle spielen, insbesondere für bipolare Störung, Depression und Schizophrenie, also die drei Erkrankungen, die üblicherweise im Erwachsenenalter zuerst auftreten. Eine genauere Untersuchung des Signalübertragungswegs, an dem der betroffene Calciumkanal beteiligt ist, bekräftigte dessen Beteiligung an der Entstehung von allen fünf psychia­trischen Erkrankungen.

 

»Diese Ergebnisse könnten zur Entwicklung eines neuen Klassifikationssystems für psychiatrische Erkrankungen beitragen, das nicht mehr nur auf klinischen Symptomen basiert, sondern auch biologische Faktoren berücksichtigt«, schreiben Alessandro Serretti und Chiara Fabbri von der Universität Bologna in einem begleitenden Kommentar (doi: 10.1016/S0140-6736(13)60223-8). Die genaue Kenntnis der zugrunde liegenden Genetik könne zudem nicht nur zu einer verbesserten Prävention der Erkrankungen beitragen, sondern vor allem auch zur Entwicklung psychotroper Arzneistoffe mit neuen Angriffspunkten. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2013

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU