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Darmkrebsmonat März: Aus Liebe zur Vorsorge

MEDIZIN

 
Darmkrebsmonat März

Aus Liebe zur Vorsorge


Von Ulrike Viegener / Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Deshalb will die Felix-Burda-Stiftung auch 2013 im »Darmkrebsmonat« März verstärkt auf die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchung aufmerksam machen.

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Sowohl bei Frauen als auch bei Männern ist Darmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung. Und die Erkrankungszahlen – 2008 waren es 65 000 – werden noch steigen, sagt das Robert-Koch-Institut voraus und rechnet bei Männern mit einem mehr als doppelt so starken Zuwachs an Neuerkrankungen wie bei Frauen.




Beim Fotoshooting: Uschi Glas schickt ihren Ehemann Dieter Hermann aus Liebe zur Darmkrebsvorsorge.

Foto: Felix-Burda-Stiftung


Männer im Fokus

 

Männer ab 45 stehen denn auch im Fokus der bundesweiten Kampagne, die die Felix-Burda-Stiftung im März gemeinsam mit dem Verein gegen Darmkrebs und der Stiftung LebensBlicke startet. Männer erkranken nicht nur häufiger, die Krankheit tritt bei ihnen auch im Schnitt mehrere Jahre früher auf als bei Frauen. Eine 2010 vom Robert-Koch-Institut durchgeführte Telefonbefra­gung von rund 22 000 Bundesbürgern ergab, dass 90 Prozent der Frauen, aber nur 82 Prozent der Männer das gesetzliche Angebot der Darmkrebsvorsorge kennen. Die Zahlen beziehen sich auf Personen im anspruchsberechtigten Alter von 55 bis 64 Jahren.

 

Bei der Aufklärungskampagne setzt man darauf, dass Frauen ihre Partner motivieren, die Chancen der Früherkennung zu nutzen. Grundsätzlich engagieren sich Frauen bekanntermaßen mehr für gesundheitliche Themen als Männer. »Wer seinen Partner liebt, schickt ihn zur Darmkrebsvorsorge« lautet der Slogan der Kampagne. Prominente Paare werden sich mit diesem Appell an die Öffentlichkeit richten.

 

Fahrlässig sei es, die Chancen der Darmkrebsvorsorge nicht zu nutzen, sagt Uschi Glas. Ab dem 55. Lebensjahr hat jeder Versicherte Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Glas selbst beteiligt sich seit Jahren regelmäßig am Check-up, obwohl in ihrer Familie kein erhöhtes Darmkrebsrisiko besteht. Alle Personen sollten sich den Empfehlungen zufilge ab einem bestimmten Alter untersuchen lassen, unabhängig davon, ob Risikofaktoren vorliegen oder nicht. Denn mit dem Alter steigt das Darmkrebsrisiko deutlich an. Nur etwa 10 Prozent der Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 55 Jahre.

 

Die Telefonbefragung hat noch einen weiteren Aspekt ans Licht gebracht: Rund 60 Prozent der Befragten glauben, dass sie keine Vorsorgeuntersuchung brauchen, weil sie keine Darmprobleme haben. Das Ziel der Früherkennung, asymptomatische Präkanzerosen zu entdecken, ist offenbar weiten Teilen der Bevölkerung gar nicht klar. Dementsprechend nehmen gerade mal 20 Prozent der Berechtigten an der Vorsorge teil.

 

Mit persönlicher Einladung

 

Andererseits geben über 80 Prozent der Befragten an, dass sie es begrüßen würden, regelmäßig auf die anstehende Vorsorgeuntersuchung hingewiesen zu werden. Hierfür hat der Gesetzgeber jetzt eine rechtliche Grundlage geschaffen. Mit dem im Januar verabschiedeten Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister wird es möglich, alle Versicherten ab 50 Jahren persönlich anzuschreiben und zur Vorsorgeuntersuchung einzuladen. Das Gesetz zielt auf eine bessere Nutzung von Früherkennungsprogrammen bei gleichzeitig konsequenter Qualitäts- und Erfolgskontrolle ab.

 

Zur Effizienz der koloskopischen Darmkrebsvorsorge liegen Hochrechnungen aus einer groß angelegten Studie vor: Von 2002, als die Untersuchung Bestandteil des deutschen Krebsfrüherkennungsprogramms wurde, bis Ende 2010 sind laut dieser Studie durch die Koloskopie rund 100 000 Darmkrebserkrankungen verhindert und weitere rund 50 000 in einem frühen, oft heilbaren Stadium entdeckt worden. Und das trotz der geringen Nutzung des Vorsorgeangebots, schreiben Forscher um Professor Dr. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg im »Deutschen Ärzteblatt International« (doi: 10.3238/arztbl.2010.0753).

 

Bei dieser Zurückhaltung dürften nicht zuletzt mögliche Risiken der Darmspiegelung eine Rolle spielen. Eine aktuelle Studie derselben Arbeitsgruppe um Brenner vom DKFZ hat die Sicherheit an über 33 000 AOK-Versicherten überprüft, die sich einer ambulanten Darmspiegelung unterzogen hatten. Danach liegt das Risiko einer Darmblutung, die eine Klinikeinweisung erforderlich macht, bei 5 von 10 000. Verletzungen der Darmwand treten laut dieser Studie seltener als einmal pro 1000 Untersuchungen auf. Todesfälle beziehungsweise nicht-lokale Komplikationen wurden nicht häufiger gesehen als in der Kontrollgruppe, berichten die Forscher im Fachjournal »Gastrointestinal Endoscopy« (doi: 10.1016/j.gie.2012.10.028). /



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2013

 

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