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Die Lage bestimmt die Symptome

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Die Lage bestimmt die Symptome


Da zahlreiche Funktionen vom Gehirn gesteuert werden, kann ein Tumor – je nach seiner Lage – die unterschiedlichsten Symptome hervorrufen. Bei welchen Anzeichen der Apotheker einem Kunden raten sollte, einen Neurologen aufzusuchen, erklärt Professor Dr. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München, im Gespräch mit der PZ.

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PZ: Welche Symptome deuten auf einen Gehirntumor hin?

 

Hemmer: Als klassisches Zeichen gilt ein erstmalig im Erwachsenenalter auftretender epileptischer Anfall. Daneben sollten auch neu aufgetretene neurologische Beschwerden wie Lähmungen, Gefühlsveränderungen, Denk-, Sprach- und Sehstörungen oder vermehrte Vergesslichkeit dringend neurologisch abgeklärt werden.




»Nur selten liegt akuten starken Kopfschmerzen ein Hirntumor zugrunde.«
Professor Dr. Bernhard Hemmer

PZ: Wie verhält es sich mit unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen?

 

Hemmer: Kopfschmerzen, die häufig nachts oder morgens auftreten und im Lauf des Tages nachlassen, kommen zwar vor, sind jedoch in der Regel nicht das erste Anzeichen für einen Gehirntumor. Nur selten liegt akuten starken Kopfschmerzen oder Migräneanfällen ein Hirntumor zugrunde.

 

PZ: Lassen die Symptome auf die Art des Tumors schließen?

 

Hemmer: Auf die Art nicht, da es keine speziellen Symptome etwa für das Glioblastom gibt. Aber der Neurologe kann anhand einer klinischen Untersuchung erste Rückschlüsse auf die betroffene Gehirnstruktur ziehen. In der Untersuchung testet er die unterschiedlichen Funktionen des Nervensystems, beispielsweise Motorik, Koordination, Gefühlswahrnehmung, Sehfunktion, Sprache und Gedächtnis.

 

PZ: Kann eine frühe Diagnose lebensrettend sein?

 

Hemmer: Das hängt von der Art und Lage des Tumors ab. Generell gilt, dass bei plötzlich einsetzenden oder sich rasch verschlechternden Beschwerden mehr Eile geboten ist als bei sich langsam entwickelnden Veränderungen. Allerdings greift die Regel – je früher diagnostiziert, umso besser die Heilungschancen – nicht immer. Einzelne Tumoren, beispielsweise das Glioblastom, haben auch bei früher Diagnose eine schlechte Prognose und eine hohe Sterblichkeit.

 

PZ: In welchen Stadien werden Gehirntumore meistens entdeckt?

 

Hemmer: Auch dafür ist die Lage entscheidend. Entwickelt sich der Tumor beispielsweise am Sehnerv, verursacht er bald deutliche Symptome und wird früh gefunden. Befindet er sich dagegen in einem Gehirnbereich, der für die Psyche oder das Verhalten verantwortlich ist, dauert es oft längere Zeit bis zur Diagnose. Der Tumor ist dann häufig bereits überraschend groß. /

 



Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2013

 

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