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Klausurtagung: »Wir haben uns auf ein Leitbild geeinigt«

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Klausurtagung

»Wir haben uns auf ein Leitbild geeinigt«


Von Daniel Rücker / Für zwei Tage war die ABDA-Spitze mit den 34 Präsidenten und Vorsitzenden in Klausur gegangen. Im Interview mit der PZ erläutern Präsident Friedemann Schmidt und Geschäftsführer Sebastian Schmitz die wesentlichen Ergebnisse.

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PZ: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Botschaft der Klausurtagung?

 

Schmidt: In wenigen Sätzen zusammengefasst: Die Vorsitzenden und Präsidenten haben die Grundausrichtung der ABDA-Arbeit weitgehend bestätigt. Außerdem gab es eine klare Aufbruchsstimmung, die wichtigsten Themen dieses Jahres aktiv anzugehen.

 

Wir haben uns auf ein klares Leitbild geeinigt. Das ist der pharmazeutisch kompetente, beratende Apotheker. An diesem Leitbild werden wir in Zukunft unsere Politik ausrichten. Bei all dem, was wir tun, werden wir hinterfragen, ob unsere Aktivitäten geeignet sind, dieses Leitbild zu stärken. In der Klausurtagung haben wir uns auch darauf verständigt, vor der Umsetzung alle Projekte bis zum Ende durchzudenken, bereits im Vorfeld ihre Risiken abzuschätzen und ihre Durchsetzbarkeit abzuwägen, bevor wir sie starten.

 

PZ: Welche Themen werden Sie in diesem Jahr aktiv angehen?

 

Schmitz: Ein wichtiger Punkt ist die Qualifizierung der Apotheker, auch in der Ausbildung. Das wird ein langfristiges Thema sein, das wir über mehrere Jahre verfolgen. Außerdem müssen wir uns noch intensiver um pharmazeutische Dienstleistungen und deren ergänzende Honorierung kümmern. Dasselbe gilt für die Nachwuchsförderung. Um die flächendeckende Versorgung mit mehr pharmazeutischen Leistungen sicherzustellen, müssen genug Apotheker an den Universitäten ausgebildet werden.




»Die Mehrheit unserer Mitglieder hält eine Präsenz auf Parteitagen nicht mehr für sinnvoll.«

Schmidt: Natürlich werden wir im Wahljahr nicht ausschließlich von uns gesetzte Themen bearbeiten können. Wir werden auch auf die Politik reagieren müssen, das ist ganz klar.

 

PZ: Ein Streitpunkt in der politischen Arbeit der Berufsorganisationen war in den vergangenen Monaten die Beteiligung an Veranstaltungen der politischen Parteien. Sind Sie hier zu einem Konsens gekommen?

 

Schmidt: Der Gesamtvorstand hat lange darüber diskutiert. Einen vollständigen Konsens dazu haben wir aber nicht erreicht. Wir haben lange um eine Einigung gerungen. Es gibt aber Unterschiede in der Bewertung der Sinnhaftigkeit dieses Instrumentes. Dabei spielen persönliche Erfahrungen eine Rolle – und natürlich die generelle Angemessenheit einer Präsenz auf Parteitagen in der politischen Arbeit. Derzeit hält eine Mehrheit unserer Mitgliedsorganisationen dieses Instrument nicht für sinnvoll. Der geschäftsführende Vorstand der ABDA wird dieses Meinungsbild in seinen Entscheidungen respektieren.

 

PZ: Es wird also auf Parteitagen keine Stände der Apotheker mehr geben?

 

Schmitz: Das kann so sein. Letztlich entscheidend ist die Angemessenheit einer solchen Maßnahme im Hinblick auf das gewünschte Ziel. Wir können an dieser Stelle nicht sagen, dass eine Präsenz auf Parteitagen immer unangemessen ist. Wenn Landesorganisa­tionen dies für sinnvoll halten, werden sie dort weiter auftreten.

 

PZ: Herr Schmidt, Sie haben es sich auf die Fahnen geschrieben, die Kommunikation der ABDA in den Berufsstand zu verändern. Wie weit sind Sie mit diesem Plan vorangekommen?

 

Schmidt: Wir haben lange darüber diskutiert. Ein wirklich einheitliches Meinungsbild dazu gibt es aber noch nicht. Es ist unstrittig, dass die ABDA einen Kommunikationsweg an die Basis braucht. Den benutzen wir bei unseren Kampagnen, wie dem Protesttag zum Notdienst am 28. Februar.

 

Es gibt aber auch ein nachvollziehbares Interesse der Mitgliedsorganisationen, die eigenen Mitglieder selbst direkt anzusprechen. Für uns ist es wichtig, die Positionen der ABDA möglichst unverändert in die Apotheken zu bringen, das kann durchaus auch über die Mitgliedsorganisationen erfolgen. Wir haben auf der Klausurtagung keine abschließende Regelung dazu getroffen. Voraussichtlich wird es in Zukunft je nach Anlass unterschiedliche Wege der Kommunikation von der ABDA an die Basis geben.

 

PZ: Die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA steht immer wieder im Fokus der Kritik, auch wenn dies oftmals sachlich nicht berechtigt ist Mit dem Abschied von Florian Martius als Leiter der ABDA-Öffentlichkeitsarbeit stehen die Zeichen auf Wechsel. Was wird sich ändern?

 

Schmitz: Die Ausrichtung unserer Öffentlichkeitsarbeit hängt nicht an erster Stelle an der Person des jeweiligen Leiters. Natürlich bringt sie oder er sich mit seinen Vorstellungen in die Arbeit ein. An den zentralen Punkten, die Florian Martius in den vergangenen Monaten herausgearbeitet hat, werden wir aber festhalten. Im Mittelpunkt wird weiterhin die Kommunikation der Leistungen der Apotheker stehen. Wir werden weiterhin verdeutlichen, was Apotheken können und daraus dann auch in der Kommunikation ableiten, dass wir dieses Leistungsversprechen nur unter der Maßgabe einer angemessenen Honorierung umsetzen können.

 

Schmidt: Ein wichtiges Ziel von Martius war es, die Präsenz der apothekerlichen Themen in den Qualitätsmedien zu erhöhen mit dem Ziel, dass der Apotheker als gesellschaftlich relevante Gruppe wahrgenommen wird. Dabei soll es auf jeden Fall bleiben.

 

PZ: Ist es Erfolg versprechend, in einem Wahljahr das Thema Honorierung zu bespielen? Ist die Politik in solchen Zeiten nicht sehr zurückhaltend?

 

Schmidt: Wir erwarten, dass eine Partei, die von Apothekern gewählt werden will, eine ehrliche Aussage dazu macht, wie sie sich eine gerechte Vergütung für apothekerliche Leistungen vorstellt. Zwei Fragen sind uns hierbei wichtig: Wie soll die Vergütung der Apotheker grundsätzlich aufgebaut sein, und was sind uns die kognitiven Leistungen der Apotheker in Zukunft wert? Hierauf werden wir einen Schwerpunkt setzen. Die Politiker wollen die Ressource Apotheker stärker für das Gesundheitswesen nutzen, sagen sie uns. Dann müssen sie auch sagen, wie dieses Angebot finanziert wird.

 

PZ: Wie wollen Sie dieses Thema öffentlich kommunizieren?

 

Schmidt: Wir sind dabei, Wahlprüfsteine zu entwickeln. Unser Ziel ist, unter enger Einbindung der Berufsbasis alle Kandidaten für den Bundestag zu befragen, wie sie sich Aufgaben und Vergütung der Apotheker vorstellen.




»Wir müssen uns stark um Dienstleistungen und deren Honorierung kümmern.«

Schmitz: Eine große Stärke der Apotheker ist ihre Präsenz in allen Städten und Gemeinden. Diese Stärke wollen wir im Jahr der Bundestagswahl intensiv nutzen. Es wäre heute zu früh, genau darzulegen, wie dies aussehen soll.

 

PZ: Der ABDA wurde zumindest von einigen Apothekern vorgeworfen, sie sei bei ihrer politischen Arbeit nicht ausreichend aggressiv. Werden Sie diese Kritik jetzt beherzigen?

 

Schmidt: Mir ist bewusst, dass Teile der Apothekerschaft von uns mehr Aggressivität fordern. Auf der anderen Seite hat uns vergangenen Donnerstag Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr gefragt, warum die Apotheker ihre Anliegen immer mit so viel Schärfe vortragen würden. Es gibt da offensichtlich unterschiedliche Wahrnehmungen unserer Tätigkeit. Aggressivität ist nach meiner Überzeugung nicht per se ein Qualitätsmerkmal. Sie ist auch nicht grundsätzlich schlecht. Wir müssen sie situativ einsetzen. Unser Ziel muss langfristiger sein, da kann Aggressivität im einen Fall richtig sein und im anderen schädlich.

 

PZ: Wie steht es denn um den Dialog der ABDA mit den unterschiedlichen Gruppen von Protestapothekern? Seit dem Apothekertag haben Sie immer wieder den Kontakt gesucht. Werden Sie das fortsetzen?

 

Schmidt: Auf jeden Fall. Wir haben mit den Vertretern der Protestbewegung fruchtbare Diskussionen über Politik oder unsere Öffentlichkeitsarbeit geführt. Jetzt geht es darum, in dieser Gruppe die richtigen Gesprächspartner zu finden, um den Dialog fortzuführen. Es ist aber auch klar, dass dieser Dialog – so wichtig wie er ist – nicht die demokratischen Strukturen außer Kraft setzt. Wir haben von der Basis bis zur ABDA-Spitze in unseren Organisationen gewählte und damit legitimierte Vertreter des Berufsstandes. Meine Gespräche mit Protestgruppen sind oftmals sehr anregend und konstruktiv. Ich bin diesen Apothekern dafür sehr dankbar, dass sie uns unser Verhalten spiegeln. Sie werden aber nicht die etablierten Entscheidungswege im Berufsstand verändern. Die Meinungsbildungsstrukturen der ABDA sind sicherlich nicht verbesserungsbedürftig.

 

Der Gesamtvorstand der ABDA hat sich auf der Klausurtagung Gedanken darüber gemacht, wie wir die Basis stärker einbinden können. Ein Vorschlag war dabei, die Sitzungen der Mitgliederversammlung zumindest teilweise öffentlich zu machen. Dieser Plan ist noch nicht vollständig zu Ende gedacht. Ich halte dies für einen guten Ansatz. Wir werden nun sehen, wann und wie wir diese Idee umsetzen.

 

PZ: Die Datenklau-Affäre dürfte auch Thema gewesen sein. Wie ist der Stand der Ermittlungen?

 

Schmitz: Wir haben uns weniger mit der Affäre an sich beschäftigt. Hier ist uns in den vergangenen Wochen nichts Neues bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die ABDA ist nicht Gegenstand der Ermittlungen. Da hat sich nichts geändert. Wir haben aber darüber gesprochen, wie wir intern mit der Affäre umgehen.

 

PZ: Was kam dabei heraus?

 

Schmitz: Wir haben interne Prüfungen veranlasst, wir haben unsere internen Abläufe auf den Prüfstand gestellt und wir werden uns bei Bedarf zusätzliche interne Verhaltensregeln auferlegen, so wie dies auch andere Unternehmen tun. Wir machen das mithilfe externer Berater und Experten. Dieser Weg wurde von allen Mitgliedern des Vorstandes unterstützt. Ziel ist es, gestärkt aus dieser Krise herauszukommen.

 

PZ: Der ABDA-Gesamtvorstand hatte bislang eher die Aufgabe, Ideen und Strategien des Geschäftsführenden Vorstandes fortzuführen. In dieser Klausurtagung lief es andersherum. Hier wurden die Pläne im Gesamtvorstand entwickelt. Verändert sich das Verhältnis der Gremien zueinander?

 

Schmidt: Ja, das ist richtig. Der Gesamtvorstand der ABDA soll das zen­trale Gremium sein. Hier werden in Zukunft die wichtigen Entscheidungen getroffen. Die größere Bedeutung des Gesamtvorstandes soll auch bewirken, dass alle Entscheidungsträger in Kammern und Verbänden unmittelbar an den Entscheidungen auf der Bundesebene partizipieren. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2013

 

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