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Arzneimittelfälschungen: Securpharm im Test

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Arzneimittelfälschungen

Securpharm im Test


Von Verena Arzbach, Schlüchtern / Seit Januar können öffentliche Apotheken das Sicherheitssystem Securpharm testen. Das Projekt soll die neuen EU-Vorgaben zur Verhinderung von Arzneimittelfälschungen umsetzen und so die legale Vertriebskette sicherer machen. Die Ulrich-von-Hutten-Apotheke von Peter Homann im hessischen Schlüchtern ist eine der Apotheken, die das Projekt im bundesweiten Pilotversuch auf seine Alltagstauglichkeit prüfen. 

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»Die Online-Abfrage über das Securpharm-System verändert die Arbeit in der Apotheke so gut wie nicht«, sagte Birgit Wuthenow, Filialleiterin der Ulrich-von-Hutten-Apotheke, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Das System zur Prüfung der Echtheit von Arzneimitteln wurde gemeinsam von Apothekern, Arzneimittelherstellern und Großhändlern entwickelt und soll Fälschungen in der legalen Vertriebskette nahezu unmöglich machen. Eine Umrüstung von Hard- oder Software war dafür nicht nötig, das Modul für die Echtheitsprüfung hat das Softwarehaus kostenlos in das Warenwirtschaftssystem integriert. Um den Code auf der Packung einzulesen, genügt ein Scanner, wie ihn viele Apotheken bereits in der Offizin einsetzen.




Filialleiterin Birgit Wuthenow scannt den Data Matrix Code auf der Packungsschachtel und überprüft so die legale Herkunft des Arzneimittels.

Foto: PZ/Arzbach


Voraussetzung für die Prüfung ist, dass die Arzneimittelpackung mit einem Data Matrix Code (DMC) versehen ist, ein zweidimensionaler Code, den der Hersteller per Zufallsgenerator für jede einzelne Packung generiert. Beachten sollte der Apotheker, dass nicht alle DMCs auf Arzneimittelpackungen für die Securpharm-Prüfung geeignet sind. Nur wenn der Schriftzug PPN für »Pharmacy Product Number« neben dem Code vorhanden ist, kann die Packung über das System verifiziert werden. Die pharmazeutischen Hersteller stellen während des Pilotprojektes über den Großhandel 80 codierte Produkte zur Verfügung. Laut Herstellerangaben sind bereits mehr als 2 Millionen Packungen im Umlauf. In der Ulrich-von-Hutten-Apotheke sind theoretisch fast 30 Lagerartikel über das Securpharm-System verifizierbar, tatsächlich sind bis jetzt aber nur fünf Arzneimittel mit einem DMC in der Apotheke verfügbar. Der Großhandel liefere momentan wohl noch die älteren Packungen ohne Code, im Laufe der kommenden Wochen werde die Zahl der codierten Packungen aber ansteigen, vermutete Wuthenow. Bis zum Jahr 2017 sollen laut der 2011 verabschiedeten EU-Fälschungsrichtlinie zumindest alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel mit dem Sicherungssystem ausgestattet sein.

 

Liefert der Großhandel ein Präparat mit der neuen Codierung, verbucht ein Apothekenmitarbeiter dieses ganz normal im Wareneingang. Dabei scannt er jedoch nicht wie üblich den Strichcode, sondern direkt den DMC – damit erfasst der Computer neben der packungsindividuellen Seriennummer über den Code gleichzeitig alle weiteren Daten wie Chargennummer und Verfall. Alle Produkte mit dem neuen Code sind im ABDA-Artikelstamm gekennzeichnet: Scannt der Mitarbeiter doch versehentlich den Strichcode, gibt die Software den Hinweis, dass ein DMC vorhanden ist. »Anschließend überkleben wir den alten Strichcode mit einem roten Aufkleber, bei der Abgabe erkennen wir so sofort, dass wir den Data Matrix Code für die Echtheitsprüfung verwenden können«, erklärte Wuthenow.

 

Anonyme Abfrage der Packungsdaten

 

Scannt der Mitarbeiter vor der Abgabe an den Patienten die Arzneimittelpackung, greift die Apothekensoftware über die ABDATA auf die beim Hersteller gespeicherten Packungsdaten zu. Die Abfrage erfolgt anonym, das heißt, der Hersteller erfährt nicht, aus welcher Apotheke die Anfrage kommt. »Die Prüfung selbst passiert in der Regel sekundenschnell, der Kunde bemerkt nichts von der Echtheitsprüfung«, so Wuthenow. Ist das Produkt registriert, wird die Packung dort als abgegeben vermerkt. Falls die Packung beim Scannen schon in der Datenbank als abgegeben gespeichert ist, warnt das System den Apotheker, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte.

 

An dem Projekt teilnehmen können alle Apotheken, die von einem der fünf Apothekensoftwarehäuser ADG, ASYS, Awinta, Cida und Pharmatechnik betreut werden und einen Scanner besitzen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2013

 

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