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Metastasiertes Kolonkarzinom

Überleben sehr begrenzt

06.08.2012
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Menschen mit fortgeschrittenem Darmkrebs leben heute deutlich länger als noch vor einigen Jahren. Neue Medikamente können das Überleben weiter verlängern – doch oft nur um wenige Wochen. Dies gilt auch für Aflibercept und Regorafenib.

Hat ein kolorektales Karzinom Metastasen gesetzt, ist die Prognose schlecht. Ärzte gehen von etwa 24 Monaten Überlebenszeit (median) aus. Unter der Ersttherapie komme der Krebs meist neun bis zehn Monate zum Stillstand, informierte Privatdozent Dr. Sebastian Stintzing vom Klinikum München-Großhadern bei einem von Amgen und Mundipharma unterstützten Presseworkshop in München. Nach einer Progression überleben die Patienten mit einer zweiten Therapie im Mittel noch etwa 14 bis 15 Monate. Der Arzt stellte neue Medikamente zur Zweitlinientherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms (mKRK) vor.

Aflibercept ist ein Fusionsprotein aus Teilen des Immunglobulin G und des VEGFR (Vascular endothelial growth factor receptor). Aflibercept blockiert Wachstumssignale, die über den VEGFR-1 und -2 und den placentaren Wachstumsfaktor-Rezeptor vermittelt werden und unterbricht so die Angiogenese. In der VELOUR-Studie bekamen mehr als 1060 Patienten mit mKRK als Zweitlinientherapie ein FOLFIRI-Regime (Folinsäure, 5-Flourouracil, Irinotecan) mit oder ohne Aflibercept. Mit dem Angiogenese-Hemmer verlängerte sich das Gesamtüberleben von 12 auf 13,6 Monate. Die progressionsfreie Zeit stieg von 4,7 auf 6,9 Monate.

 

Als sogenannte Last-Line-Therapie wird der Multikinase-Hemmstoff Regorafenib geprüft, berichtete Stintzing. Diese komme beispielsweise für stark vorbehandelte Patienten mit gutem Allgemeinzustand infrage. In der CORRECT-Studie bekamen 750 Patienten zusätzlich zur besten Supportivtherapie entweder Regorafenib (160 mg täglich peroral für drei Wochen, dann eine Woche Pause) oder Placebo. Ihr Gesamtüberleben verlängerte sich von 5 auf 6,4 Monate, die progressionsfreie Zeit von 1,7 auf 1,9 Monate. Der Multikinasehemmer löste teils heftige Nebenwirkungen wie Hand-Fuß-Syndrom, Fatigue oder Diarrhö aus. Aufgrund dieser Belastungen werde Regorafenib ein »Last-Line«-Medikament bleiben, meinte Stintzing.

 

Was bedeutet ein Überlebensvorteil von etwa sechs Wochen durch ein zusätzliches Medikament für die Patienten? Der Arzt zeigte sich zurückhaltend. Patienten, die an eine Uni-Klinik kommen, wollten meist alle Therapieoptionen ausschöpfen. Man müsse Vor- und Nachteile der Behandlung sehr individuell besprechen und bewerten. Sehr schwierig sei es, dem Patienten zu sagen, wie kurz die Zeit ohne Tumorprogression und auch seine gesamte Lebenszeit vermutlich sein werden. / 

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