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Apothekenbetriebsordnung: Ohne Hast, aber mit Nachdruck umsetzen

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Apothekenbetriebsordnung

Ohne Hast, aber mit Nachdruck umsetzen


Von Brigitte M. Gensthaler und Sven Siebenand, Meran / Die neue Apothekenbetriebsordnung und das Thema Honorierung standen im Mittelpunkt der berufspolitischen Diskussion beim Pharmacon Meran. Auch über Ausbildung und Nachwuchs­förderung würde debattiert.

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Es ist keine Überraschung, dass die Umsetzung der neuen Apothekenbetriebsordnung die Kollegen derzeit besonders beschäftigt. Im Vorfeld der politischen Diskussionsrunde in Meran hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Fragen zur Novelle schriftlich einzureichen. Karin Graf, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und Moderatorin der Frage- und Antwortrunde, leitete die Fragen an das Podium weiter.




ABDA-Geschäftsführerin Dr. Christiane Eckert-Lill, BAK-Präsi­dentin Erika Fink, ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf und BAK-Vize­präsident Lutz Engelen beantwor­te­ten die Fragen der Diskussions-Teilnehmer in Meran.

Foto: PZ/Müller


Die neue Apothekenbetriebsordnung ist am 12. Juni in Kraft getreten. Für einige Regelungen gebe es aber Übergangsfristen, sagte ABDA- Geschäftsführerin Dr. Christiane Eckert-Lill. So betrage die Frist für die Etablierung eines Qualitäts­managementsystems (QMS) zum Beispiel zwei Jahre. Eckert-Lill empfahl den Kollegen, die Umsetzung »ohne Hast, aber mit gewissem Nachdruck« anzugehen.

 

Die neuen Anforderungen bedeuteten keine inakzeptable Verschärfung, betonte die Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK), Erika Fink, und erinnerte an den ersten Entwurf der Betriebsordnung. Dieser habe für Rezepturarzneimittel den gleichen Standard wie für industriell hergestellte Arzneimittel vorgesehen. »Das wäre der Tod der Rezeptur gewesen.«

 

Viel Aufwand

 

Die jetzt vorgeschriebene Plausibilitätsprüfung für Rezepturen sei zu leisten, »wenn auch mit viel Aufwand«. Fink erwartet, dass diese Maßnahme die Qualität der Apothekenrezeptur unterstreichen wird. Ein Zusatzhonorar für erweiterte Dokumentationspflichten ist nicht vorgesehen. Auch BAK-Vizepräsident Lutz Engelen sieht in der Betriebsordnung keine »Fesseln« für die Kollegen und kein Bürokratie-Monster. »Die jetzige Lösung ist umsetzbar und hilft im Alltag«, sagte er zu den Rezeptur-Paragrafen.

 

Engelen warnte davor, QMS zu leicht zu nehmen. Wenn das Handbuch im Regal oder in der Schublade verstaube, sei dies bei der Revision leicht erkennbar. Nur wenn das QMS gelebt werde, bringe es einen Mehrwert für die Apotheke. »Alles, was ein Unternehmen und seine Dienstleistungen professionalisiert, ist richtig.«

 

Klärung vor Gericht

 

Ein Kollege fragte, ob die neuen Vorschriften von den Pharmazieräten bundesweit einheitlich ausgelegt würden. Die Liberalisierung der Vorgaben, zum Beispiel zur Ausstattung des Labors, biete »Spielraum zur Interpretation – für Apothekenleiter und Aufsicht«, sagte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. Hier könnten unterschiedliche Ansichten aufeinanderprallen, die eventuell vor Gericht geklärt werden müssten. Wolf hält es für notwendig, dass unter Federführung der BAK eine Abstimmung mit den Ländern erfolgt, damit überall in Deutschland die gleichen Standards gelten.

 

Warum sind Apotheker in der Öffentlichkeit so wenig sichtbar, und warum finden wir in der Politik so wenig Gehör? Auch diese Fragen eines Meran-Teilnehmers leitete Karin Graf an Wolf weiter. Dieser betonte, dass die Apotheker sehr wohl Gehör fänden. »Wir können und wollen nicht alles laut auf dem Markt herumtragen, was Stand der Diskussion ist.« Der ABDA-Präsident verwies auch auf die Podiumsdiskussion beim diesjährigen DAV-Wirtschaftsforum in Potsdam. Dort hatten Vertreter von CDU und FDP die Zahlen der Apothekerschaft ausdrücklich anerkannt und versprochen, in Sachen Honorierung etwas für die Apotheker zu tun.

 

Die Forderung aus dem Plenum, den Zwangsrabatt der Krankenkassen abzuschaffen, unterstützte Wolf jedoch nicht. Selbstverständlich müsse man weiter über die Höhe des Rabatts sprechen. Aber ein Wegfall des Abschlags bedeute nicht automatisch die Erhöhung des Apotheker-Einkommens.

 

Rabatt mit Doppelfunktion

 

Wolf erinnerte an die Doppelfunktion des Zwangsrabatts. Zum einen stelle dieser eine Art Großkundenrabatt für die Kassen da, zum anderen habe er aber auch eine Skontofunktion. So können sich die Apotheken sicher sein, ihr Geld innerhalb von wenigen Tagen von den Kassen zu bekommen. »Es wird richtig teuer für die Kassen, wenn sie nicht innerhalb von zehn Tagen zahlen«, so der ABDA-Präsident. Probleme, wie sie aktuell in Italien auftreten (siehe Kasten), seien daher in Deutschland nicht zu befürchten.

 

Wolf hält auch nichts davon, beim Zwangsrabatt Unterschiede zu machen, zum Beispiel zwischen Innenstadt- und Landapotheken. Die Arzneimittelversorgung durch Apotheken basiere auf Gleichpreisigkeit. Er sieht die Gefahr, dass die Krankenkassen ihre Versicherten dann bewusst in die günstigeren Apotheken, auch Internetapotheken, steuern.

 

Eine Pauschale für jeden Notdienst – unabhängig von der Inanspruchnahme – findet Wolf grundsätzlich richtig. Denn Apotheken auf dem Land müssten deutlich häufiger Notdienste verrichten, die aber oft nicht kostendeckend seien.

 

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage brach Wolf eine Lanze für den Apothekerberuf. »Die besten Werber für den Berufsstand sind wir selbst«, appellierte er an die Kollegen.

 

BAK-Präsidentin Fink betonte, dass die BAK das Pharmaziestudium und den Beruf des Apothekers auf allen Ebenen bewerbe. Sie ist sich sicher, dass es weiterhin viele Apotheker geben wird. Ob diese allerdings in der Apotheke arbeiten, sei eine andere Frage. Hier müssten die Apothekenleiter in Aktion treten, um den Nachwuchs in ihre Apotheken zu lenken.

 

Mit einem klaren Ja antwortete Engelen auf die Frage eines Kollegen, ob sich die BAK dafür einsetze, dass auch Industrieapotheker in der berufsständischen Altersversorgung versichert sind und bleiben. Doch es sei wichtig, dass die Arbeitsverträge klar auf die pharmazeutischen Befugnisse zugeschnitten seien, so Engelen.

 

Breit angelegtes Studium

 

Auch die in Meran anwesenden Studenten hatten sich mit ihren Fragen an der Diskussion beteiligt und zum Beispiel gefordert, die Ausbildung stärker an das »wahre Berufsleben« anzupassen. »Was ist denn das wahre Berufsleben?«, fragte Eckert-Lill. Apotheke, Krankenhaus, Industrie: Das Pharmaziestudium sei breit angelegt, da auch die Betätigungsfelder breit gefächert seien. Und: Das Studium mache nicht berufsfertig, sondern nur berufsfähig. Eckert-Lill erklärte, dass die Approbationsordnung die Ausbildungsinhalte festschreibe, die Universitäten aber bei der Umsetzung durchaus Spielraum hätten. Die BAK und die Landesapothekerkammern hätten aber wenig Einfluss darauf, was letztlich an den Unis geschehe. / 


Unterstützung für italienische Apotheker

ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf ging bei der berufspolitischen Veranstaltung auch auf Fehlentwicklungen im italienischen Gesundheitssystem ein. Er informierte darüber, dass Apotheken derzeit lange auf das Geld der Krankenkassen warten müssten, einige täten dies schon länger als ein Jahr. Auch wurde eine Altersgrenze für das Führen einer Apotheke eingeführt. Wer 65 Jahre alt ist, muss einen Nachfolger suchen und kann fortan nur noch als Angestellter in der Apotheke arbeiten. Wolf: »In Europa müssen die Apotheker noch stärker als bisher über die Grenzen hinweg zusammenhalten, um den Wert der unabhängigen und freiberuflichen Apotheke zu erhalten.« Mit der nachfolgenden Solidaritätsadresse unterstützen die Kongressteilnehmer die italienischen Kollegen:

 

»Die in Meran versammelten deutschen Apothekerinnen und Apotheker bekunden ihre Unterstützung für ihre italienischen Kolleginnen und Kollegen. Mit großer Sorge nehmen sie Berichte über aktuelle Fehlentwicklungen in Italien zur Kenntnis. Arzneimittel sind Waren der besonderen Art und daher für einen rein kommerziell ausgerichteten Vertrieb nicht geeignet. Die Leistungen der unabhängigen und freiberuflich geführten Apotheken erhöhen die Kosten nicht, sondern senken sie durch Förderung des richtigen Arzneimitteleinsatzes. Die Apotheken für ihre Leistungen und die abgegebenen Arzneimittel erst mit erheblicher Verspätung zu entgelten, ist keine sinnvolle Sparmaßnahme, sondern gefährdet die wirtschaftliche Basis einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Bevölkerung.«


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Beitrag erschienen in Ausgabe 24/2012

 

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