Pharmazeutische Zeitung online

Antikonvulsiva: Retigabin geht vom Markt

Glaxo-Smith-Kline wird sein neues Antikonvulsivum Retigabin (Trobalt®) ab dem 1. Juli 2012 in Deutschland nicht mehr vermarkten. Im europäischen Ausland wird es weiterhin verfügbar sein. Grund dafür ist eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), der in seiner Erstbewertung Retigabin keinen Zusatznutzen bescheinigt hatte. Glaxo-Smith-Kline (GSK) nimmt daher die normalerweise darauf folgenden Preisverhandlungen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht auf. Dies gab der britische Pharmahersteller in einer Pressemitteilung bekannt.

 

GSK kritisiert vor allem die herangezogene Vergleichstherapie aus Lamotrigin und Topiramat. Der neue Wirkstoff Retigabin soll vor allem bei langjährig betroffenen Epilepsie-Patienten zum Einsatz kommen, bei denen eben diese beiden Wirkstoffe zu keinem ausreichenden Therapieerfolg geführt haben. Andere europäische Länder hätten für ihre Nutzenbewertungsverfahren andere Vergleichstherapien gewählt, die den Patientengruppen, für die das Arzneimittel gedacht ist, besser gerecht würden, heißt es in der Pressemitteilung. Die zuständigen Stellen in diesen Länder kommen zu einer positiven Nutzenbewertung.

 

Die Entscheidung des GBA hätte zu einem niedrigen Erstattungspreis geführt, der sich an den Kosten für die Vergleichtherapie orientiert. Dadurch wäre auch das internationale Preisgefüge beeinflusst worden. «Preise innovativer Arzneimittel, die einen klinischen Nutzen aufweisen, auf das Niveau sehr viel älterer Produkte abzusenken, bedeutet die Aushöhlung von Forschungsanreizen», heißt es in der GSK-Mitteilung. «Das Beispiel Trobalt zeigt die Schwächen der frühen Nutzenbewertung für neue Arzneimittel in Deutschland auf», kritisierte Bettina Brennecke, Leiterin Government & Business Relations bei GSK. Man werde nun ein weiteres Nutzendossier einreichen. Wie lange es dauert, bis der erneute Bewertungsprozess abgeschlossen ist und das Medikament von den Kassen erstattet wird, ist unklar.

 

GSK prüft derzeit Möglichkeiten, um die weitere Versorgung der rund 1000 Patienten, die die zurzeit in Deutschland auf das Arzneimittel eingestellt sind, zu ermöglichen. Betroffenen Patienten rät der Hersteller, sich in den nächsten Wochen mit dem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen.(ah)

 

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Retigabin (Trobalt® / 2011) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

Retigabin: Weiter Streit um Zusatznutzen, Meldung vom 03.05.2012

 

01.06.2012 l PZ

Foto: PZ/Müller