Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Bisphosphonate: Therapie zeitlich begrenzen?

NACHRICHTEN

 
Bisphosphonate: Therapie zeitlich begrenzen?
 


Um seltenen, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen vorzubeugen, kann es bei einigen Patienten mit Osteoporose sinnvoll sein, die Therapie mit Bisphosphonaten nach einigen Jahren wieder zu beenden. Für eine klare Empfehlung, welche Patientengruppen die Medikamente wie lange erhalten sollten, reichen die momentan zugänglichen Daten jedoch noch nicht. Das geht aus einem kommentierenden Übersichtsartikel hervor, den Mitarbeiter der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA im aktuellen «New England Journal of Medicine» veröffentlicht haben.

 

Die FDA sah sich zu einer systematischen Neubewertung der Langzeittherapie mit Bisphosphonaten veranlasst, nachdem es Berichte über atypische Oberschenkelbrüche, Kiefernekrosen und Speiseröhrenkrebs in Verbindung mit diesen Präparaten gegeben hatte. In einer eigenen Analyse wertete die Behörde daraufhin die Ergebnisse von Studien neu aus, in denen postmenopausale Frauen nach drei beziehungsweise vier Jahren unter Alendronat, Risedronat oder Zoledronsäure entweder die Bisphosphonat-Therapie über maximal fünf weitere Jahre fortgesetzt oder Placebo erhalten hatten.

 

Die Ergebnisse dieser neuen Auswertung waren zum Teil widersprüchlich. Insgesamt ergab sich aber für alle drei Wirkstoffe zusammengenommen ein über die Jahre gleichbleibendes Frakturrisiko. 9,3 bis 10,6 Prozent der Patientinnen, die Bisphosphonate über sechs Jahre und länger anwendeten, erlitten einen Knochenbruch. Von denjenigen, die auf Placebo umgestellt worden waren, waren es 8,0 bis 8,8 Prozent. «Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, ob eine Fortsetzung der Therapie mit Bisphosphonaten im Vergleich zu einem Absetzen nach fünf Jahren einen zusätzlichen Nutzen in der Frakturprophylaxe generiert», schreiben die Autoren. Da Bisphosphonate in den Knochen eingebaut werden und dort teilweise jahrelang verbleiben, kann ihre Wirkung auch noch lange nach einem Therapiestopp andauern. Als mögliche Kandidaten für eine zeitlich begrenzte Bisphosphonat-Therapie nennen die Autoren jüngere Frauen mit einem relativ geringen Frakturrisiko. (am)

 

doi: 10.1056/NEJMp1202619

 

Lesen Sie dazu auch

Atypische Knochenbrüche bei Therapie mit Bisphosphonaten, PZ 09/2011

 

Mehr zum Thema Osteoporose

 

14.05.2012 l PZ

Foto: Fotolia/fabioberti.it

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

Weitere Nachrichten

 


Valsartan: Verunreinigte Blutdrucksenker 2017 weit verbreitet

Bis zu 900.000 Patienten bundesweit könnten einem Zeitungsbericht zufolge allein im Vorjahr Valsartan-haltigen Arzneimittel eingenommen...



Notaufnahme oder Arzt? KBV will Patienten per Telefon lotsen

Patienten mit akuten Beschwerden sollen sich künftig per Telefon zum richtigen Arzt oder in eine Notaufnahme dirigieren lassen. Damit soll...



Ambrosia: Bayern warnt vor weiterer Ausbreitung

Ambrosia artemisiifolia gilt als Schreckgespenst für Allergiker. Ihre Pollen sind starke Allergene, die Heuschnupfen und Asthma auslösen...



Diabetes: Höheres Krebsrisiko, besonders für Frauen

Diabetiker haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken, als Stoffwechselgesunde. Das gilt vor allem für Frauen, wie eine...

 
 

Medizinisches Cannabis: Ausschreibung, zweiter Versuch
Der Bund unternimmt einen zweiten Anlauf für den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und...

Schmuggelskandal: Um diese Medikamente geht es
Im Fall der über die brandenburgische Firma Lunapharm in Umlauf gebrachten, vermutlich gestohlenen Krebsmedikamente ist nun bekannt...

Raubjournals: Geschäftemacherei statt Wissenschaft
Mehr als 5000 deutsche Forscher sollen Studien in unseriösen Fachzeitschriften, in sogenannten Raubzeitschriften (predatory journals),...

Hirndoping: Stimulanzien machen wacher, aber nicht klüger
Studenten, die durch Stimulanzien ihre Lernfähigkeit verbessern wollen, erreichen damit wahrscheinlich genau das Gegenteil des...

Migräne: Oraler Wirkstoff mit guten Studiendaten
Das Neuropeptid Calcitonin Gene-related Peptide (CGRP) scheint ein vielversprechendes Target für die Migränetherapie zu sein. Es ist an der...

Fahrradfahren: Kopfverletzungen durch E-Bike-Unfälle
Auch scheinbar leichte Stürze von Fahrradfahrern können zu gefährlichen Kopfverletzungen führen. Gerade Senioren sollten nach einem Sturz...

Gesundheitswesen: Spahn setzt auf Vernetzung
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt auf die Selbstverwaltung. In einem Interview mit dem «Deutschen Ärzteblatt» skizziert er...

Sommerwetter: Zecken haben Hochsaison
Mit dem anhaltend freundlichen Sommerwetter wächst das Risiko von Zeckenstichen. Denn je mehr Menschen sich in kurzen Hosen und ärmellosen...

USA: Auch Merck & Co. knickt vor Trump ein
Die harsche Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Preispolitik von Pharmakonzernen zeigt in der Branche immer mehr Wirkung. Nach der...

Paris testet: Grünanlagen werden zu Nichtraucher-Parks
Im Kampf gegen Zigarettenrauch hat Paris sechs öffentliche Grünanlagen testweise zu Nichtraucher-Parks erklärt. Erstmal soll dort für...

Toxisches Schocksyndrom: Risiko durch Tampons sehr gering
Das Risiko für ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) durch Verwendung von Tampons ist äußerst gering. Sorgfältige Menstruationshygiene sei aber...

Herz-Kreislauf: Doppeltes Risiko für HIV-Infizierte
Eine HIV-Infektion verdoppelt das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das geht aus einer aktuellen...

Retaxierungen im Süden: 42 Prozent zu Unrecht
Rund 42 Prozent der 2017 von Krankenkassen beanstandeten Rezepte aus Baden-Württembergischen Apotheken wurden zu Unrecht retaxiert und...

Cannabis: Einsatz als Krebsmittel denkbar
Cannabis oder einzelne Cannabinoide könnten möglicherweise an verschiedenen Stellen die Behandlung von Krebspatienten unterstützen....

Noch mehr Meldungen...



PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 



ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 









DIREKT ZU