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Retaxationen: Kassen schikanieren Apotheker

POLITIK

 
Retaxationen

Kassen schikanieren Apotheker


Von Verena Arzbach, Frankfurt am Main / Die Beziehung zwischen Apothekern und Krankenkassen ist deutlich abgekühlt. Professor Dr. Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg macht dafür vor allem die Kassen verantwortlich.

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Statt durch Retaxationen und Betrugsvorwürfe zwanghaft Geld einzutreiben, sollten sich die Kassen wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen, so Kaapke. Von einer partnerschaftlichen, vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Apothekern und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) könne momentan keine Rede sein. In einer Umfrage im Herbst 2011 waren über 90 Prozent von insgesamt 150 Apothekern der Meinung, ihre Beziehung zur GKV sei eher schlecht oder sehr schlecht. Auch für die Zukunft sieht ein Großteil der Apotheker schwarz: Mehr als drei Viertel befürchten, dass das Verhältnis in fünf Jahren noch schlechter sein wird. In einem Vortrag auf der Interpharm in Frankfurt am Main beleuchtete der Ökonom Kaapke die Problemfelder im angespannten Verhältnis der beiden Parteien.




Das Verhältnis zwischen Kassen und Apothekern ist nicht einfach. Schuld sind auch die Rabattverträge.

Foto: imago/Franke


Als schwerwiegendes Problem sieht er die Rabattverträge. Seit deren Einführung sei kostendeckendes Arbeiten für eine durch­schnitt­liche Apotheke mit Schwerpunkt im Rx-Bereich kaum noch möglich. Auch die mangelnde Transparenz stellt die Apothe­kenmitarbeiter vor Schwierigkeiten: Patien­ten können zwar trotz der Rabattvereinbarun­gen ihr Wunscharzneimittel erhalten, der tatsäch­lich zu zahlende Differenzbetrag ist dem Apotheker jedoch nicht bekannt. Dies lasse die Apotheke in den Augen des Patienten in schlechtem Licht erscheinen, nicht die Krankenkasse, sagte Kaapke.

 

Weitere Konflikte entstehen durch Retaxa­tio­nen. Bei Abgabefehlern der Apotheke sei eine Retaxation durch die Krankenkasse durchaus berechtigt. Aufgrund der Abkürzung »3x tgl.« auf einem Betäubungsmittelrezept die Zahlung komplett zu verweigern, ist laut Kaapke jedoch schikanös. Auch die nicht rechtssichere Höhe des Zwangsabschlages sei für die betriebswirtschaftliche Planung der Apotheken ein Problem.

 

Pauschal verurteilt

 

Die GKV habe die Apothekerschaft in der Vergangenheit häufig pauschal kriminalisiert und so viel Vertrauen verspielt. Die GKV sei heute viel mehr Gegner als Partner der Apotheker. Kaapke forderte die Krankenkassen auf, sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe, gemeinsam mit den Apotheken eine optimale Arzneimittelversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, zu besinnen. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2012

 

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