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Halbfeste Zubereitungen

Konsistenzprobleme

31.10.2011  16:09 Uhr

ZL / Beanstandungen von halbfesten Fertigarzneimitteln treten gehäuft im Sommer auf. Die extremen Temperaturen können für Veränderungen wie Phasentrennungen verantwortlich sein.

Eine Creme besteht aus einer wässrigen und einer fetten Phase, die in der Regel durch einen oder mehrere Emulgatoren miteinander verbunden sind. Selten werden die Phasen rein physikalisch zusammengehalten wie bei der Kühlsalbe DAB. Verschiedene Faktoren können einen Einfluss auf die Stabilität einer solchen Verbindung haben. Falsche Lagerungsbedingungen wie hohe Temperaturen oder auch Temperaturschwankungen können dazu führen, dass eine Emulsion bricht. Zubereitungen mit einem hohen Wasseranteil sowie Harnstoff-haltige Zubereitungen sind nach den Erfahrungen des ZL besonders häufig von Entmischungen betroffen.

 

Aber nicht immer muss eine dünne Flüssigkeitsschicht auf einer Creme­oberfläche bedeuten, dass das Produkt nicht in Ordnung ist. Bei einigen halbfesten Fertigarzneimitteln kann man am Tubenanfang eine kleine Menge einer wässrigen oder öligen Flüssigkeit beobachten, während der Rest der Zubereitung beim weiteren Herausdrücken aus der Tube in Bezug auf Konsistenz und Homogenität einwandfrei ist. Die kleine Flüssigkeitsmenge am Tubenhals kann produktionstechnisch bedingt sein. Häufig findet sich auch ein Hinweis dazu in der Gebrauchsanweisung.

Ein besonderer Fall sind Zubereitungen, die ihre Konsistenz bei der Anwendung verändern, zum Beispiel Solcoseryl® akut Paste, die zur Anwendung auf Mundschleimhaut und Zahnfleisch nach zahnärztlichen Eingriffen sowie bei Aphthen geeignet ist. Bei Kontakt mit (Luft-)Feuchtigkeit quillt die Paste und bildet einen haftenden Schutzfilm. Daher ist es sehr wichtig, dass die Tube nach Gebrauch fest verschlossen wird und die Tubenöffnung nicht mit Feuchtigkeit, zum Beispiel durch nasse Finger, in Berührung kommt. Sonst verstopft die Tubenöffnung, und die Paste lässt sich nicht mehr ausdrücken.

 

Generell muss bei pastösen Zubereitungen darauf geachtet werden, dass die Entnahmeöffnung, die oft erst vom Patienten selbst durch umgekehrtes Aufsetzen und Eindrücken der Verschlusskappe erzeugt werden muss, groß genug ist. Für ältere Menschen mit feinmotorischen Schwierigkeiten oder nachlassender Kraft in den Händen kann sonst die Entnahme unmöglich gemacht werden.

 

Gelegentlich werden auch Salbengrundlagen zur Untersuchung an das ZL gesendet, zum Beispiel Wollwachs­alkoholsalbe DAB. Bei Wollwachs handelt es sich um ein aus Schafswolle gewonnenes Naturprodukt, das nicht immer die gleiche Menge und Zusammensetzung an Wollwachsalkoholen haben muss und trotzdem die vom Arzneibuch geforderte Qualität aufweist. Bekannt ist hier die Problematik der zum Teil chargenabhängig variierenden Fähigkeit zur Wasserbindung.

 

Konsistenz messen

 

Eine Methode zur Bestimmung der Konsistenz einer halbfesten Zubereitung ist die Penetrometrie nach dem Europäischen Arzneibuch, die bereits in den ZL-Ringversuchen angewendet wurde und auch für industrielle Untersuchungen genutzt wird. Hierbei wird die zu untersuchende Masse in ein Gefäß aus Edelstahl gefüllt, das aus zwei Hälften besteht, die zusammengefügt einen zylinderförmigen Hohlkörper bilden. Nun wird die zu untersuchende Zubereitung mitsamt dem Gefäß auf etwa 25 °C temperiert, zum Beispiel in einem Wasserbad. Dann wird die Oberfläche der Creme glatt gestrichen. Nun wird ein Fallstab mit kegelförmiger Spitze bis fast auf die Oberfläche der Creme herabgesenkt und anschließend für fünf Sekunden die magnetische Arretierung, die ihn festhält, freigegeben, sodass der Stab in die Creme eindringt. Die Penetrationstiefe wird in Millimetern gemessen. Je höher der Wert, desto weicher ist die Creme und desto niedriger ist ihre Konsistenz.

 

Eine Beurteilung der geprüften halbfesten Zubereitung kann nur über den Vergleich mit einem zweiten Exemplar der gleichen Zubereitung beziehungsweise einer anderen Charge erfolgen oder über einen im Vorfeld selbst festgelegten Sollwert. Es gibt in der Literatur keine numerischen Grenzen für die Festigkeit von Cremes.

 

Teilchengröße in Rezepturen

 

Beanstandungen zu Teilchen in Fertigarzneimitteln, wie auf der Haut »kratzende« Sandpapier-artige Cremes, sind in den letzten Jahren seltener geworden. Gelegentlich werden Präparate mit in der Regel hohen Harnstoffkonzentrationen reklamiert, bei denen Auskristallisationen zu beobachten sind. Meist ist die Ursache hierfür eine zuvor aufgetretene Phasentrennung, die durch den Wasserverlust dazu geführt hat, dass sich der enthaltene Harnstoff nicht mehr komplett löst und daher ausfällt.

 

Bei in der Apotheke hergestellten Rezepturen, vor allem bei Suspensionen, spielt die Teilchengröße jedoch eine wichtige Rolle, denn eine kleine Partikelgröße fördert die Lösegeschwindigkeit des Wirkstoffs. Empfohlen ist eine maximale Partikelgröße von 50 µm. Die meisten Ausgangsstoffe liegen in mikronisierter Form vor, wobei die einzelnen Teilchen nicht größer als 30 µm sind. Beim Einarbeiten des Wirkstoffs in die Grundlage muss die herstellende Person darauf achten, dass es beim Arbeiten mit elektrischen Rührsystemen nicht zu Verklumpungen oder zu Lösungs- und Rekristallisationsvorgängen durch Prozesswärme und somit einem Entstehen von großen Teilchen kommt. Überprüft wird die Teilchengröße im ZL mithilfe der optischen Mikroskopie nach dem Europä­ischen Arzneibuch. / 

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