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Apothekenausstattung: Mit Abholfächern Kunden binden

WIRTSCHAFT

 
Apothekenausstattung

Mit Abholfächern Kunden binden


Von Martina Janning / Wenn eine Apotheke ein Präparat nicht vorrätig hat, kaufen Kunden oft woanders. Abholfächer für Medikamente ermöglichen das Abholen von Bestellungen außerhalb der Öffnungszeiten einer Apotheke. Das vereinfacht den Alltag mancher Kunden.

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Christoph Schaefer tippt den Zahlencode in die Medikamentenabholanlage. Sie hängt neben der Eingangstür in seiner Apotheke hinter dem Hackeschen Markt in Berlin.




Die Anlage des Berliner Apothekers Christoph Schaefer. Ist ein Medikament nicht vorrätig, bekommt der Kunde einen Zahlencode, mit dem er das Mittel nach Geschäftsschluss aus dem Fach holen kann.

Foto: PZ/Zillmer


Ein kleines Fach öffnet sich. Der Apotheker legt ein Arzneimittel hinein und schließt das Fach. Ein Kunde wird abends, lange nach Geschäftsschluss, das Abholfach mit dem selben Zahlencode öffnen, um das Präparat herauszunehmen, das der Apotheker morgens für ihn bestellt hat.

 

Elektronische Anlage für eine bessere Lieferfähigkeit

 

Den Code hat Schaefer ihm nach dem Beratungsgespräch in der Offizin mitgegeben. Manchmal schickt er seinen Kunden den Zahlencode aber auch per SMS oder E-Mail, wenn er das Medikament ins Abholfach legt.

 

Als Schaefer vor einem halben Jahr die Apotheke Hackesches Quartier neu eröffnete, hat er von vornherein eine elektronische Notdienstanlage mit drei Medikamentenabholfächern einbauen lassen.

 

Die Anlage soll die Lieferfähigkeit der Apotheke verbessern, sagt Schae-fer. »Die Medikamentenabholfächer sind eine besondere Dienstleistung für meine Kunden. Sie können ihre Arzneimittel so auch außerhalb unserer Öffnungszeiten entgegennehmen.« Bisher sind Abholfächer in Apotheken noch nicht sehr verbreitet. In der Regel schaffen Apotheken die Mini-Schließfächer an, wenn sie ihre Stecktafel einmotten und eine Notdienstanlage mit Bildschirm kaufen.

 

»Jede vierte bis fünfte elektronische Notdienstanlage, die wir liefern, hat Abholfächer«, berichtet Martin Carius, Geschäftsführer der Dacos Notdienstanlagen GmbH aus Hildesheim, die nach eigenen Angaben europäischer Marktführer in dem Segment ist.

 

Ins größte Fach passt eine Ein-Liter-Infusionsflasche

 

Die Anzahl der Fächer variiere zwischen drei und sechs. Meistens kombinierten Apotheker unterschiedliche Größen miteinander. »In das größte unserer Fächer passt eine Ein-Liter-Infusionsflasche«, sagt Carius. Die Abholboxen von Dacos haben keine Türgriffe. Das beuge Vandalismus vor, erklärt der Geschäftsführer. Andere Anbieter, wie Safe Marketing, haben auch Abholfächer mit Griff im Programm.




Apotheker Christoph Schaefer: »Die Medikamentenabholfächer sind eine besondere Dienstleistung für meine Kunden.«

Foto: PZ/Zillmer


Doch sind die Abholboxen für jeden Kunden geeignet? Schwierigkeiten könnte es unter Umständen beim Eintippen des Codes in die Tastatur geben – wenn der Kunde zum Beispiel schlecht sieht oder gebrechliche Finger hat, oder wenn ein alter Mensch sehr aufgeregt ist, weil er den Umgang mit der Technik nicht gewohnt ist.

 

Dacos-Chef Carius wehrt ab. Er habe noch nie gehört, dass ein Kunde die Tastatur am Abholfach nicht betätigen konnte. »Jeder, der ein Telefon bedienen kann, kann auch die Abholfächer bedienen.« Dennoch rät er Apothekern, Kunden vor dem ersten Gebrauch zu demonstrieren, wie sie das Medikamentenabholfach öffnen müssen. »Das nimmt Scheu und Angst.«

 

Sicherheitsprobleme sieht Carius nicht: »Es ist fast unmöglich, den Code zu knacken.« Die Möglichkeiten der Variationen, die sich aus den acht Ziffern ergeben, seien sehr zahlreich.

 

Gefahren gibt es trotzdem. »Wir empfehlen den Apothekern, einem Kunden nicht sein Geburtsdatum als Code zu geben«, sagt Carius.

 

Persönlicher Lieferservice für Technik-Muffel

 

Nach einem halben Jahr Erfahrung fällt Apotheker Schaefer ein positives Urteil über die Medikamentenabholfächer. Sie würden gut frequentiert, sagt er. Die Abholanlage steigere den Umsatz, »da wir Arzneimittel verkaufen können, die bestellt werden müssen«.

 

Die Kunden reagierten positiv auf seine Medikamentenabholfächer, berichtet Dr. Ronald Clasen, Inhaber der Sanimedius-Apotheken in Berlin. »Die Abholfächer werden aber weniger angenommen als man denkt.« Ein bis zwei Kunden am Tag nutzten sie in der Sanimedius-Apotheke in Berlin-Mitte. »Das sind vor allem Menschen, die spät abends von der Arbeit nach Hause kommen.« Für Kunden, denen die Abholfächer zu unpersönlich sind, hat Clasens Apotheke aber auch einen Lieferservice. /


Kosten

Wer sich eine elektronische Notdienstanlage mit integrierten Abholfächern für Medikamente anschaffen will, muss 4500 bis 8000 Euro investieren. Nach Auskunft der Hersteller ist keine regelmäßige Wartung nötig, da die Anlagen sehr robust seien. Wartungskosten entfallen also. Die Lieferzeit beträgt in der Regel um die sechs Wochen.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 34/2011

 

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