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Fieber: Ibuprofen und Paracetamol im Wechsel?

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Fieber: Ibuprofen und Paracetamol im Wechsel?

Frage:

Oft werden bei hohem Fieber im Kleinkindalter Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel verordnet. Gibt es dazu Empfehlungen? Wie empfehlen es in unserer Apotheke nicht in der Selbstmedikation, finden entsprechende Verordnungen aber häufig auf Klinikrezepten. Die Patienten sind oft nicht informiert, in welchen Zeitabständen der Wechsel erfolgen darf und ob die gleichen Einzel- und Tagesdosen eingesetzt werden dürfen.

N.N.

 

Antwort von Professor Dr. Theo Dingermann:

Die Wirksamkeit von Ibuprofen ist insbesondere zu Beginn einer antipyretischen Behandlung besser als die von Paracetamol. Bereits bei der zweiten Gabe besteht aber kein klinisch signifikanter Unterschied mehr zwischen diesen beiden Behandlungsoptionen. Bei korrekter therapeutischer Dosierung hat Paracetamol das günstigere Nutzen-Risiko-Profil der beiden Wirkstoffe. Aber nicht immer werden die Wirkstoffe korrekt dosiert.

 

Die maximalen Tagesdosen sind abhängig vom Körpergewicht und für Ibuprofen auch vom Lebensalter. Ibuprofen darf nicht bei Kindern angewendet werden, die jünger als drei Monate sind. Die maximale Tagesdosis für Ibuprofen beträgt 20 bis 30 mg/kg Körpergewicht, aufgeteilt auf drei bis vier Gaben (entsprechend alle acht beziehungsweise sechs Stunden). Die maximale Tagesdosis für Paracetamol beträgt 50 mg/kg Körpergewicht. Diese wird idealerweise auf drei Gaben (alle acht Stunden) verteilt. Beide Arzneistoffe dürfen in der Selbstmedikation nur über maximal drei Tage angewendet werden.

 

Ibuprofen hat eine größere therapeutische Breite. Insbesondere bei fiebrigen Zuständen unklarer Herkunft (virale Infektion?) sollten NSAR allerdings nur vorsichtig angewendet werden, da Komplikationen möglich sind. Mittel der ersten Wahl, insbesondere bei viral bedingtem Fieber, bleibt daher nach wie vor Paracetamol. Ibuprofen kann bei guter Verträglichkeit ebenfalls gegeben werden, zum Beispiel auch in der Anfangsphase, um das Fieber effektiv zu senken. Der von manchen Autoren propagierte Wechsel Ibuprofen/Paracetamol/Ibuprofen/Paracetamol usw. sollte spezialisierten Einrichtungen überlassen und nicht für die Selbstmedikation empfohlen werden! Unterschiede in den Halbwertszeiten, Dosen und Dosierintervallen machen ein solches Therapieregime zu komplex für die Anwendung im «Hausgebrauch».

 

Eindeutige Empfehlungen zu Zeitabständen und Dosierungn gibt es nicht. Daher kann ich auch nicht eindeutig antworten. Es gibt aber, zur Eigenbewertung, eine Studie aus dem «British Medical Journal» mit einer Korrektur (2. Link):

www.bmj.com/content/337/bmj.a1302.abstract

www.bmj.com/content/339/bmj.b3295.full

 

Das NICE in England spricht sich klar gegen diese Kombination aus. Auch hierzu ein Artikel:

www.dailymail.co.uk/health/article-1051958/Ibuprofen-paracetamol-taken-alternately-Confusion-grows-safety-mixing-child-painkillers.html

 

Und schließlich finden Sie nachfolgend einen ausführlichen Artikel aus «Medscape Oncology News», in dem die Evidenz für diese Therapieform beschrieben wird, eine alternative Position wiedergegeben wird und schließlich Schlüsse für die Praxis gezogen werden (Log-in erforderlich):

www.medscape.com/viewarticle/464566_3

 

Aus alldem geht hervor, dass eigentlich eine abwechselnde Gabe von Ibuprofen und Paracetamol nicht empfohlen werden kann. Nun wird das aber offensichtlich in der Klinik in Ihrer Umgebung gemacht. Das liegt dann in der Verantwortung der Ärzte.

 

Stand: 08.08.2011


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