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Neues Implantat mit Leuprorelin

PHARMAZIE

 
Neues Implantat mit Leuprorelin

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Für Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs steht Leuprorelin-Acetat bald in einer neuen Darreichungsform zur Verfügung. Das stäbchenförmige Implantat wird subcutan in die Bauchhaut eingespritzt und setzt dort den Wirkstoff frei.

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Die Gabe von synthetischen Gonadotropin-Releasinghormon-Agonisten (LHRH-Analoga) gehört zur Standardtherapie bei Männern mit metastasierendem hormonabhängigem Prostatakrebs. Durch den Dauereingriff in die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse unterdrücken die Wirkstoffe die Testosteron-Produktion in den Hoden bei den meisten Männern nahezu komplett. Der Serumtestosteron-Spiegel fällt von Normalwerten von 500 bis 700 ng/dl auf Kastrationsniveau unter 50 ng/dl ab, erklärte der Urologieprofessor Dr. Alfons Hofstetter, München, bei einer Pressekonferenz der Firma Hexal. Man spricht daher auch von einer pharmakologischen Hypophysektomie. Diese ist bei Absetzen der LHRH-Analoga reversibel.

 

Ohne Testosteron fehlt den hormonabhängig wachsenden Krebszellen der entscheidende Wachstums-Kick. Da jedoch etwa ein Fünftel der Tumorzellklone primär hormonresistent ist, können LHRH-Analoga den Krebs nicht heilen. Jedoch erreichen etwa 80 Prozent der Patienten eine Remission über zwei bis vier Jahre, berichtete Hofstetter.

 

Die Peptidanaloga werden überwiegend ambulant eingesetzt und müssen immer als parenterales Depot appliziert werden. Für den am häufigsten verwendeten Wirkstoff Leuprorelin hat Hexal eine neue Arzneiform entwickelt, die im Oktober in den Handel kommen soll (Leuprone®). Das feste Implantat in Spaghetti-Form ist etwa 1 cm lang und wird mit einer speziellen Fertigspritze subcutan in die Bauchhaut eingeschoben. Dort wird das Polymer hydrolytisch abgebaut und setzt den Arzneistoff kontinuierlich frei. Das Einmonatsdepot enthält 3,6 mg Wirkstoff, das Dreimonatsdepot nur 5 mg und damit halb so viel wie das Erstpräparat, das 10,72 mg Leuprorelin in Retardmikrokapseln enthält (Trenantone®). Leuprorelin gibt es auch als In-situ-Implantat; hier werden 22,5 mg für drei Monate benötigt (Eligard®).

 

In offenen Studien der Phase II und III war das neue Implantat mindestens so gut wirksam und verträglich wie das Retardmikrokapsel-Präparat, berichtete Dr. Ursula Thyroff-Friesinger, Leiterin Klinische Forschung bei Hexal. Bei fast allen Patienten lagen die Serumtestosteron-Werte während der Anwendungsdauer unter Kastratniveau. Nach Implantation des Dreimonatsdepots hatten 96 Prozent der Männer noch nach 16 Wochen so niedrige Werte; bei viermaliger Applikation des Einmonatsdepots waren es 91 Prozent.

 

Für die Praxis bedeutet dies: Wenn die Männer nicht rechtzeitig zum Arzt kommen, kann die Folgeapplikation der Dreimonatsspitze notfalls um bis zu vier Wochen verschoben werden. Wer das Einmonatsdepot bekommt, hat nur zwei Wochen Spielraum. Bei den meisten Männern dürfte dies die therapeutische Wirkung nicht schmälern.

 

Pharmakoökonomisch interessant ist, dass der Preis des neuen Arzneimittels unter dem der eingeführten Präparate liegt. Man könne die Jahrestherapiekosten pro Patient damit um etwa 400 Euro senken, rechnete der Urologe Professor Dr. Karlheinz Rothenberger, Landshut, vor. Dies sei bedeutend, da es sich um eine Dauertherapie handelt und die Zahl der Männer mit diagnostiziertem Prostatakrebs zunimmt.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 37/2007

 

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