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Thiopental: Deutschland prüft Exportverbot

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Thiopental: Deutschland prüft Exportverbot
 


Die Bundesregierung hat noch nicht über ein verbindliches Lieferverbot für Medikamente zur Hinrichtung an die USA entschieden. «Wir sind in der Prüfungsphase», sagte Wirtschafts­staatssekretär Ernst Burgbacher (FDP) in einer Fragestunde des Bundestags. Nach seinen Worten müsse ein solches Exportverbot auf europäischer Ebene geregelt werden. Deutschland sei deshalb mit anderen EU-Staaten im Gespräch. Wann die Prüfung abgeschlossen sein wird, konnte Burgbacher nicht sagen. Man wolle aber «in möglichst kurzer Zeit» zu einem Ergebnis kommen.

 

In mehreren US-Bundesstaaten werden derzeit Hinrichtungen verschoben, weil es Nachschubprobleme beim dabei verwendeten Narkosemittel Thiopental-Natrium gibt. Wegen ihrer grundsätzlichen Ablehnung der Todesstrafe wollen mehrere europäische Länder die Lieferung des Medikaments in die USA unterbinden.

 

In Deutschland gibt es bislang nur einen unverbindlichen Appell von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), in dem er den deutschen Arzneimittel-Großhandel zu einem Lieferboykott aufruft. Für ein Verbot auf der Basis des Arzneimittlerechts sieht das Ministerium keine Möglichkeit und verweist deshalb auf das für den Außenhandel zuständige Wirtschaftsressort. Nach den Worten von Gesundheitsstaatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) wird Röslers Aufruf allerdings von allen deutschen Pharmafirmen unterstützt, die Thiopental-Natrium im Angebot haben. Zudem habe es bislang noch keine entsprechenden Anfragen aus den USA gegeben.

 

In Deutschland gibt es nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller drei Unternehmen, die Thiopental-Natrium produzieren: Nycomed, Inresa und Rotexmedica. Nycomed-Sprecher Jürgen Schneider bestätigte, dass es bislang keine US-Anfrage gebe und dass sein Unternehmen auch im Falle einer Anfrage nicht liefern würde. Thiopental-Natrium sei ein bewährtes Kurzzeit-Narkotikum, das unter anderem beim Kaiserschnitt eingesetzt werde – und nur zu solchen Zwecken wolle man das Medikament auch eingesetzt wissen. 

 

Die Inresa GmbH äußerte ebenfalls ethische Bedenken und signalisierte deshalb Unterstützung für den Rösler-Appell. Das Unternehmen erklärte darüber hinaus, wegen einer fehlenden Zulassung der zuständigen US-Behörde sei ein Export in die Vereinigten Staaten ohnehin nicht möglich.

 

Lesen Sie dazu auch

USA: Europäischer Lieferboykott für Hinrichtungsgift

 

27.01.2011 l dpa

Foto: Fotolia/Hegerworld

 

 

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