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Bürokratischer Overkill

EDITORIAL

 

Bürokratischer Overkill


Von außen betrachtet müsste Pharmazie eigentlich als das perfekte Studium gelten, zumindest für all diejenigen, die keine Angst vor Naturwissenschaften haben. Das Fach ist vielseitig – mit Chemie, Biologie, Medizin und ein wenig Physik gehören gleich vier spannende Disziplinen zum Spektrum. Ebenso vielfältig sind die Berufsmöglichkeiten. Selbstständig oder angestellt? Ganztags oder halbtags? Mit Patienten oder umgeben von Laborgeräten?

 

Alles ist möglich und die meisten Jobs sind ziemlich krisensicher. Dennoch macht sich immer mehr Frust unter den Apothekern breit. Seit Januar gibt es einen Grund mehr dafür: das AMNOG.

 

Beim AMNOG geht es um weit mehr als um Geld. Das haben viele Apotheker in den ersten Wochen des Jahres festgestellt. Natürlich ist der drohende Ertragsverlust für die Selbstständigen schlimm. Der Großhandel hat seine Belastung komplett an die Apotheker weitergegeben, manchmal sogar noch mehr. Für viele Apotheker ist aber das Begleitwerk noch schlimmer. Das AMNOG ist der bürokratische Overkill für die Apotheken. Packungsgrößenverordnung, neue Rabattverträge und Substitutionsregeln – all dies führt dazu, dass die Arbeit in der Apotheke immer weniger Spaß macht.

 

Die Belange der Patienten verschwinden hinter den Anforderungen der Krankenkassen. Die AOK dankt es den Apothekern auch noch mit realitätsfernen Bemerkungen über die problemlose Umsetzung der Rabattverträge. Und auch die Bundesregierung übt sich in Zurückhaltung, wenn es um die Bewertung ihres Gesetzeswerkes geht. Bei einer Informationsveranstaltung der saarländischen Apothekerorganisationen brachte es in der vergangenen Woche eine Apothekerin auf den Punkt: »Das AMNOG ist eine Diskriminierung unserer Leistung« (siehe dazu AMNOG: »Es kann nicht sein, dass wir die Suppe allein auslöffeln«). Die Kollegen klatschten Beifall. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Der Ärger ist groß. Er ist auch deshalb groß, weil viele Apotheker den Eindruck haben, die Politik messe mit zweierlei Maß. Für die Apotheker die Zumutungen, die Versprechen den Ärzten (siehe dazu Versorgungsgesetz: Union diskutiert Arztstationen). Zudem mehren sich die Zweifel, ob die rigorosen Einsparungen in der Arzneimittelversorgung tatsächlich notwendig gewesen wären. Nach aktuellen Zahlen hat der Gesundheitsfonds 2010 ein Plus gemacht. 2011 wird dieses mit rund 3 Milliarden Euro sogar noch größer ausfallen (siehe dazu Schätzerkreis: Gesundheitsfonds im Plus).

 

Die Bundesregierung sollte dies beeindrucken. Die Qualität der Arzneimittelversorgung ist entscheidend für den Therapieerfolg. Gute Arbeit ist nur unter akzeptablen Rahmenbedingungen möglich. Die schlechten Rahmenbedingungen in den Apotheken lassen sich mit der Kassenlage nicht rechtfertigen. Im PZ-Interview kündigt CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn an, man werde die Entwicklung beobachten (siehe dazu Interview: »Wir müssen die Entwicklung beobachten«). Das ist gut, reicht aber nicht. Die Regierung muss handeln, schnell und konsequent.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur


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Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2011

 

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