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Biotechnologie: Firmen wollen mehr investieren

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Biotechnologie

Firmen wollen mehr investieren


Von Martina Janning, Berlin / Nach rückläufigen Investitionen in den vergangenen Jahren planen Biotech-Unternehmen, in 2011 wieder mehr Geld für Forschung und Entwicklung auszugeben. Kapital aufzutreiben, bleibt schwierig. Doch viele Pharmafirmen kooperieren inzwischen mit Biotechnologiefirmen oder kaufen sie sogar auf.

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Deutsche Biotechnologiefirmen erwarten in 2011 bessere Geschäfte als im Vorjahr. So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Branchenverbands Biotechnologie-Industrie-Organisation Deutschland (Bio Deutschland) und des Biotech-Fachmagazin »Transkript«, an der sich 184 biotechnologische Unternehmen und Dienstleister beteiligten. Der Optimismus der Branche sei wieder auf Vorkrisenniveau gestiegen, erklärte die Geschäftsführerin von Bio Deutschland, Dr. Viola Bronsema, vorige Woche in Berlin. »Der Großteil der Unternehmen hat die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen und hat positive Erwartungen an die künftige Entwicklung.«




Biotechnologie ist auf dem Vormarsch, besonders in der Pharmaindustrie. Viele Arzneimittelhersteller arbeiten mit Biotech-Firmen zusammen oder kaufen welche auf.

Foto: Wilex


Das Stimmungsbarometer steigt laut der Umfrage um mehr als fünf Punkte auf nun 98 Punkte. Das korrespondiert mit der anziehenden Pharma- und Chemie­kon­junktur. Im Jahr 2011 wollen 59 Prozent der befragten Firmen mehr Arbeitskräfte einstellen, bloß 3 Prozent planen, Stellen abzubauen. Insgesamt arbeiten derzeit rund 15 000 Menschen in den knapp 530 reinen Biotech-Unter­nehmen, dazu kommen weitere 16 500 Beschäftigte in sonstigen biotechnolo­gisch aktiven Firmen.

 

In 2011 wollen die befragten Biotech-Unternehmen wieder mehr Geld in Forschung und Entwicklung stecken. »Erstmals seit drei Jahren sind die Investitionen nicht rückläufig«, sagte Bronsema. Sie führte den Optimismus der Branche unter anderem auf die milliardenschweren Regierungsprogramme zur Bioökonomie und Gesundheitsforschung zurück. Bis 2014 sollen allein 5,5 Milliarden Euro in die Erforschung von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen fließen.

 

Trotz der guten Aussichten beklagt die Branche Finanzierungsprobleme. Zwar gingen im vergangenen Jahr rund 590 Millionen Euro an Biotech-Firmen – mehr als doppelt so viel wie 2009. Doch rund 400 Millionen Euro stammten von den drei Investoren MIG, Strüngmann und Hopp sowie aus den Kapitalerhöhungen der an der US-amerikanischen Börse gelisteteten Micromet, erklärte Dr. Patrick Dieckhoff, Chefredakteur von »Transkript«. Sie gaben ihr Geld vor allem einigen wenigen großen Firmen.

 

Zum Beispiel warb Noxxon-Pharma aus Berlin 33 Millionen Euro ein und das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac erhielt eine Finanzspritze von 27 Millionen Euro. Agennix konnte sogar 80 Millionen Euro lockermachen und Immatics 54 Millionen Euro. Kleine Finanzierungsrunden hätten 2010 jedoch kaum stattgefunden, sagte Dieckhoff. »Viele junge und kleine Unternehmen fallen durchs Raster«, kritisierte er. Gerade diese brauchten aber Wagniskapital. Deshalb fordert Bio Deutschland Verbesserungen bei der steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung und bei der Verlustrechnung.

 

Branche hilft sich selbst

 

Weil es an Investoren mangele, helfe sich die Branche zunehmend selbst, berichtete Dieckhoff. So beteiligen Firmen sich wechselseitig oder übernehmen andere. Besonders Pharmaunternehmen entdecken die Biotechnologie. Merck kaufte 2010 beispielsweise den Biotech-Zulieferer Millipore. Derzeit greift der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis nach dem US-Unternehmen Genzyme. Viele Pharmafirmen schließen zudem Kooperationsverträge mit Biotech-Unternehmen, auch wenn es sich um frühe Projekte handelt. Denn den kleinen Biotech-Firmen fehlt oft das Geld, um groß angelegte klinische Studien zu finanzieren.

 

Inzwischen fände eine regelrechte »Biologisierung der Pharmaindustrie« statt, erklärte Heinrich aus dem Vorstand von Bio Deutschland. Biotechnologisch hergestellte Substanzen drängten die klassischen Moleküle immer mehr in den Hintergrund. Von 25 Wirkstoffen, die die US-amerikanische Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) im Jahr 2009 zugelassen hat, waren 17 Stück einlizensiert oder akquiriert. Nur acht Wirkstoffe haben Arzneimittelhersteller allein entdeckt, entwickelt und zur Zulassung gebracht.

 

Heinrich zufolge macht die Pharmaindustrie inzwischen etwa 60 Prozent ihres weltweiten Umsatzes mit Biopharmazeutika. In Deutschland erwirtschafteten Hersteller mit Biopharmazeutika im Jahr 2009 einen Umsatz von knapp 4,7 Milliarden Euro, berichtet der Verband der Arzneimittel-Hersteller (VFA). Das entsprach 16 Prozent der Herstellerumsätze im gesamten deutschen Pharmamarkt. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2011

 

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