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Diagnostik: Geschäft mit Selbsttests schwächelt

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Diagnostik

Geschäft mit Selbsttests schwächelt


Von Werner Kerzlechner, Berlin / Die Hersteller von Diagnostica verzeichneten im Jahr 2010 einen Umsatzrückgang. Hauptursache sind offenbar Ärzte, die trotz noch ausstehender Entscheidung der Selbstverwaltung Typ-2-Diabetikern keine Teststreifen mehr verschreiben. Auch deshalb fällt die Prognose für 2011 verhaltener aus als in der Vergangenheit.

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Apotheker werden im vergangenen Jahr bemerkt haben, dass weniger Teststreifen zur Blutzuckermessung über die Ladentheke gingen als gewohnt. Das ist nicht nur ärgerlich für Pharmazeuten und Diabetiker, sondern trübte 2010 auch die Jahresbilanz der Hersteller von Labortests und Diagnoseverfahren beträchtlich.




Viele Ärzte sind verunsichert und verschreiben weniger Blutzuckerstreifen, beklagt Matthias Borst, Vorsitzender des Verbands der Diagnostica-Industrie (links). Neben ihm: Dr. Martin Walger, Geschäftsführer des Verbands.

Foto: PZ/Zillmer


»Es handelt sich um vorauseilenden Gehorsam der Ärzte«, klagte Matthias Borst, Vorstandsvor­sitzender des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH), am Montag in Berlin bei der Präsenta­tion der Ergebnisse der jährlichen Mitgliederbefra­gung seines Verbands.

 

Viel weniger Blutzuckerselbsttests

 

Geschätzt sei der Absatz von Blutzuckerselbst­tests im vorigen Jahr um 7 Prozent zurückgegan­gen, sagte Borst. Hintergrund ist offenbar die Diskussion um die Erstattungsfähigkeit von Teststreifen für nichtinsulinpflichtige Diabetiker des Typs 2. Verunsicherte Mediziner hätten ihr Verordnungsverhalten bereits verändert, weil das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sich gegen eine Erstattung der Selbsttests für die große Diabeti­kergruppe ausgesprochen habe. Dabei stehe die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses über diese Frage noch aus, konstatierte Borst.

 

Seine Branche erscheint jedenfalls höchst anfällig gegenüber dieser gesundheitspolitischen Frage. Der gesamte Diagnostica-Markt schrumpfte nach VDGH-Berechung gegenüber 2009 um 0,9 Prozent. Ohne das Segment der Blutzuckerteststreifen wäre der Umsatz um 1,2 Prozent gewachsen.

 

Von 2008 auf 2009 verzeichneten die Hersteller noch ein Plus von 2,1 Prozent. Aus Sicht des Verbands ist selbst dies Anlass zur Sorge, denn dem relativ geringen Wachstum im größten Markt Europas standen Wachstumsraten von über 9 Prozent in Großbritannien, fast 7 Prozent in Spanien und 3,1 Prozent im EU-Mittel gegenüber.

 

In 2010 wuchs hierzulande der Umsatz mit klassischer Labordiagnostik nach VDGH-Schätzung um lediglich 0,3 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro an, während der Umsatz mit Schnelltests insgesamt – also nicht alleine im Diabetesbereich – um 2,8 Prozent auf 800 Millionen Euro sank. Insgesamt setzten die rund 90 Mitgliedsunternehmen des Verbands demnach mit Diagnostica 2,14 Milliarden Euro um. Hinzu kommt der Absatz von Instrumenten, Reagenzien, Testsystemen und Verbrauchsmaterialien für die lebenswissenschaftliche Forschung. Dieser Bereich hat nach Einschätzung des Verbands mittlerweile ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro bei insgesamt positivem Wachstum erreicht. Dieses sei allerdings nicht exakt zu beziffern.

 

Innovationen kommen nur langsam

 

Als Hemmnisse für die Entwicklung der Labordiagnostik nennen 30 Prozent der befragen Unternehmen den Preisdruck im Markt, jeweils knapp ein Viertel Konsolidierung auf Kundenseite und ein niedriges Erstattungsniveau in den Gebührenordnungen. 17 Prozent sorgen sich aufgrund der Budgetierung bei Ärzten und Krankenhäusern, 21 Prozent bemängeln langwierige Aufnahmeverfahren für Innovationen. Dieses Problem untermauerte Borst mit einem prägnanten Beispiel: Seit 2003 dauern mittlerweile die Bemühungen an, Tests auf Humane Papillomviren ins Gebärmutterhalskrebs-Screening aufzunehmen – bisher ergebnislos. »Vor 2012 wird es wohl keine Entscheidung geben«, sagte er.

 

Fast ein Drittel der Diagnostica-Hersteller gibt an, mehr als zehn Prozent des Umsatzes mit innovativen Produkten zu erwirtschaften. Die Bemühungen der Bundesregierung zur Stärkung der Gesundheitswirtschaft und die massive Förderung der Gesundheitsforschung mit 5,5 Milliarden Euro und sechs nationalen Zentren zur Erforschung einzelner Krankheiten begrüßten Borst und VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger ausdrücklich. Walger plädierte außerdem dafür, eine Berichtspflicht über Verkeimung für die Qualitätsberichte der Krankenhäuser vorzuschreiben. »Wir haben an dieser Stelle ein Umsetzungsproblem und benötigen Anreize«, sagte er.

 

In diesem Jahr rechnen 55 Prozent der Firmen im VDGH mit einem Wachstum von mindestens 2 Prozent, das Gros der Unternehmen gedenkt seine Investitionen und seine Belegschaft eher aus- als abzubauen. Die Prognose fällt aber im Vergleich zu früheren Jahren gedämpft aus. »Die wirtschaftlichen Erwartungen für 2011 sind unter dem Strich positiv«, sagt Borst. Allerdings geht ein knappes Fünftel der Firmen und damit doppelt so viele wie vor einem Jahr von einem rückläufigen Umsatz in 2010 aus. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2011

 

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