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Zulasten der Apotheker

EDITORIAL

 

Zulasten der Apotheker


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

die Koalition aus Union und FDP wird in dieser Woche ihr Maßnahmenpaket für eine Stabilisierung der Finanzen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in erster Lesung in den Bundestag bringen. Integraler Bestandteil dieses Kabinettsentwurfs zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der Gesetzlichen Krankenversicherung (AMNOG) ist eine Umstellung der Honorierung des pharmazeutischen Großhandels. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat zwar kein Problem mit einer leistungsgerechten Umstellung der Großhandelsvergütung, spricht sich aber vehement und mit Nachdruck gegen willkürliche Streichungen aus. Das haben wir auch gegenüber den politischen Mandatsträgern zuletzt bereits sehr deutlich gemacht.

 

Massiv sind die Vertreter des pharmazeutischen Großhandels in den vergangenen Monaten aufgetreten, um ein eigenes Fixhonorar durchzusetzen. Wir haben in den Gesprächen mit dem Großhandel immer betont, dass eine solche Umstellung keinesfalls auf dem Rücken der ohnehin schon finanziell stark belasteten Apotheken erfolgen darf. Aus den hochfliegenden Plänen des Großhandels droht nun eine dramatische Bruchlandung zu werden. Denn aus den geforderten 93 Cent plus 3 Prozent pro abgegebener Packung sind nun 60 Cent plus 1,7 Prozent geworden. Die Bundesregierung will die Chance einer Umstellung nutzen, um nach eigenen Angaben 400 Millionen Euro einzusparen. Und dabei nehmen Großhändler und Regierung billigend in Kauf, dass diese Einsparungen ausschließlich von den Apotheken geschultert werden sollen. Mehr als 20 000 Euro Rohertragsverlust droht damit durchschnittlich jeder Apotheke (siehe dazu Großhandel: Weniger Rabatte für die Apotheken). Und dies, weil der vermeintliche Partner Großhandel, mit einer guten Portion Selbstüberschätzung ausgestattet, politisch mitmischen will. Die Rechnung werden die Apotheken zahlen müssen, wenn man nicht noch auf unsere guten Argumente hört.

 

Wir alle wissen: Eine saubere Differenzierung von RX- und OTC-Produkten ist noch nicht einmal darstellbar. Wer, wie im Kabinettsentwurf zum AMNOG vorgesehen, diese handelsüblichen Funktions­rabatte auf nur noch 1,7 Prozent reduziert, nimmt vielen der 21 500 wirtschaftenden Apothekenbetriebe die Luft zum Atmen. Der Rohertrag schmilzt dramatisch und damit die Basis für das Auskommen des freiberuflichen Apothekers.

 

Besonders ärgerlich ist es, dass seit etwa einem Jahr die pharmazeutischen Großhändler in Deutschland von den Apotheken – zusätzlich zur gesetzlich vereinbarten Honorierung – Lieferpauschalen verlangen, die sich nach vorsichtigen Schätzungen auf rund 300 Millionen Euro zulasten der öffentlichen Apotheken belaufen dürften. Auch diese Zahlungen führten zuletzt zu einem deutlichen Ergebniswachstum der Großhandlungen. Dies ist den Bilanzen der Unternehmen zu entnehmen. Dieses Abkassieren der Apotheken durch den Großhandel wurde und wird durch die Großhändler verschwiegen. Damit ist jetzt Schluss.

 

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns dafür einsetzen, dass die aktuellen Planungen noch einmal geändert werden. Wir fordern von der Bundesregierung, dass die den Großhandel betreffenden Pläne keinesfalls zulasten der Apotheken gehen dürfen.

 

Fritz Becker

Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) e. V.


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2010

 

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