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Uni Frankfurt: Nacht der Wissenschaft

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Uni Frankfurt

Nacht der Wissenschaft


Von Maria Pues, Frankfurt am Main / Wenn Wissenschaftler sich zu nächtlicher Stunde in der Nähe ihrer Labore aufhalten, geschieht dies meist heimlich und verheißt nichts Gutes. Krimigucker wissen das. Eine spannende Nacht der besonderen Art erlebten die Besucher der 5. Night of Science Mitte Juni auf dem Campus Riedberg der Uni Frankfurt.

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Dass Naturwissenschaften auch ganz ohne Dramatik aus dem Drehbuch zu fesseln vermögen, bewiesen die betreffenden Fachbereiche den fast 7000 Besuchern von Sommerfest und Wissenschaftsnacht, die erstmalig zeitgleich stattfanden. Partylaune traf Wissensdurst, und das harmonierte sichtlich. Draußen gab’s Musik und Nahrung für den Körper, die für den Geist gab es drinnen. Dabei hatten zukünftige Studierende die Gelegenheit, sich an Ort und Stelle über die verschiedenen naturwissenschaftlichen Studiengänge zu informieren.




Partylaune trifft Wissensdurst: Fast 7000 Besucher kamen zu Sommerfest und Wissenschaftsnacht der Uni Frankfurt.

Fotos: Pues


Praktische Demonstrationen in ver­schiedenen Laboren, Führungen durch die Institute der Fachbereiche und mehr als 40 Vorträge in den 19 Stunden bis zum frühen Samstag­morgen stillten den Wissensdurst der Teilnehmer aus mindestens drei Ge­nerationen. Um 6.15 Uhr endete der Vortragsmarathon – wer durchhielt, bekam zur Belohnung ein Überra­schungs-Frühstück. Dass es sich um das bislang größte und längste Universitäts-Fest handele, das es in Deutschland bislang gegeben habe, vermutete Uni-Vizepräsident Profes­sor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz.

 

»Was hat das Universum mit uns zu tun?« Dieser Frage ging der Eröff­nungs-Vortrag nach, der in diesem Jahr von Professor Dr. Harald Lesch von der Uni München gehalten wurde. Unter anderem mit »Wackelnden Sinneszellen und ZweiOhrschrecken« (Dr. Manuela Nowotny, Biowissenschaften), der »Mathematik der Pippi Langstrumpf« (Professor Dr.  Robert Bieri, Mathematik) oder den »Gods of Hellfire« (Professor Dr. Matthias Wagner, Chemie) ging es nach der ­Eröffnung parallel in fünf Hörsälen ­weiter.

 

Von Uppers und Downers

 

»Joe Cocker und die Überwindung der Sucht«, lautete der Titel des Vortrags, den Professor Dr. Theo Dingermann, Institut für Pharmazeutische Biologie, und Professor Dr. Dieter Steinhilber, Institut für Institut für Pharmazeutische Chemie, gemeinsam vor vollem Haus präsentierten. Im Gegensatz zu früheren Themen endlich eine Erfolgsgeschichte, betonte Dingermann. So hätte »Elvis Presley und der Weg in das Metabolische Syndrom« bekanntermaßen kein glückliches Ende gefunden. Was Cocker durchlitten und überlebt habe, hätte manch anderen sicher ins Grab gebracht, so Dingermann. Cocker müsse über eine außerordentlich gute Konstitution verfügt haben, sonst hätte er seine Drogenexzesse nicht überlebt.




Full House: Pünktlichkeit war gefragt.

Die Sucht hat Cocker verändert. Steinhilber illustrierte dies mit drei Versionen eines der größten Cocker-Hits, dem Beatles-Titel »With a little help from my friend«, beeindruckend beim legendären Woodstock-Festival 1969. Erschreckend während der Mad Dogs & English­men-Tour nur ein Jahr später: Cocker torkelnd und mit verdrehten Augen. So mancher besuchte die Konzerte nur, um zu sehen, ob und wie Cocker sich hielt. Und schließlich clean, kraftvoll und ausdrucksstark während und seit der Civilized Man-Tour Mitte der 1980er-Jahre.

 

Man spreche heute nicht mehr von Sucht, sondern von einer Abhängigkeit von psychotropen Substanzen, erläuterte Dingermann. Man teilt sie ein in legale und illegale, manche wirken als »Uppers«, andere als »Downers«, einige verändern zudem die Wahrnehmung. Sie wirken an verschiedenen Rezeptoren und Trans­mit­ter­systemen im Gehirn. Häufig wirke bereits eine einzige Substanz an verschiedenen Stellen, so auch Alkohol. »Alkohol hat zwei verschiedene Gesichter«, erklärte Dingermann. Er könne beruhigend und anregend wirken. Seine Wirkungen kommen vor allem über GABA- und NMDA-Rezeptoren zustande. Nicht nur das Gehirn leidet unter der Alkoholflut. Häufig kommt es zu Neuropathien, Fettleber, Bluthochdruck und Krampfadern in der Speiseröhre. Zudem schadet Alkohol nicht nur dem, der ihn trinkt: Jedes Jahr kommen in Deutschland 3000 Kinder mit einem fetalen Alkoholsyndrom zur Welt.




Stimmung und Abendstimmung: Für Entspannung sorgten Musik und kühle Getränke.

Amphetamine wirken gleich an drei Stellen des Gehirns. Sie beeinflus­sen Noradrenalin, Serotonin und Dopamin auf vielfältige Weise und mit wechselseitigen Wirkungen. »Eine furchtbare Vorstellung«, sagte Dingermann. »Stellen Sie sich vor, Sie wären Gehirn!« Im Fall mancher Substanzen passt sich das Gehirn deren Einfluss an. Dies gilt für die Gruppe der Benzodiazepine. Die Adaptation vermittle den Eindruck, der Körper könne größere Substanz­mengen tolerieren. Die Betroffenen hätten fälschlicherweise das Gefühl, die Substanz würde schneller abge­baut, so Dingermann. Das erhöhe die Gefahr von Vergiftungen.

 

Es braucht schon echte »Friends«, um die Sucht-Schiene wieder ver­lassen zu können. Joe Cocker benö­tigte zusätzlich Bodyguards, die ihm die falschen »Friends« – Scharen von Dealern, die das fette Geschäft witterten – vom Leib hielten. Für die meisten geht die größte Gefahr von legalen Drogen aus. Im Jahr 2007 mussten mehr als eine halbe Million Patienten wegen der Folgen ihrer Abhängigkeit von legalen, gut 80 000 wegen der Konsequenzen ihrer Sucht nach illegalen Drogen behandelt werden. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2010

 

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