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Krebskrankes Herz

01.02.2010  14:01 Uhr

In seltenen Fällen erkrankt auch das Herz an Krebs. Ob gut- oder bösartig: Meist müssen die Tumoren oder zumindest Teile davon operativ entfernt werden. Aber ist es ohne Weiteres möglich, auf Herzstücke zu verzichten?

Einer Untersuchung zufolge sind Krebserkrankungen am Herzen bei weniger als 1  Prozent der Autopsien festzustellen. Unterschieden wird zwischen primären und den häufigeren sekundären Tumoren. Erstgenannte haben ihren Ursprung im Herzgewebe, die anderen wachsen aus Nachbarorganen ins Herz hinein, zum Beispiel bei Lungenkrebs, oder bilden über den Blutweg Metastasen im Herzen, zum Beispiel bei Haut- und Brustkrebs.

Primäre Tumore sind meist gutartig. In nahezu der Hälfte aller Fälle handelt es sich im Erwachsenenalter um Myxome. Diese Geschwülste haben ihren Ursprung in den Zellen des Binde- und Stützgewebes. Neun von zehn Tumoren wachsen im linken Vorhof des Herzens. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erstdiagnose erfolgt meist im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Zu den benignen primären Herztumoren zählt auch das Rhabdomyom, das seinen Ursprung in den Zellen der Skelettmuskulatur hat und häufig bei Kindern auftritt. Rund ein Viertel der primären Herztumore ist bösartig. Am häufigsten ist das Sarkom, dessen Zellen aus Binde- oder Fettgewebe, Knochen oder dem Muskel stammen. Die meisten bösartigen Herztumoren sind allerdings Metastasen anderer Tumoren.

 

Die Symptome eines Herztumors sind nicht spezifisch und hängen von dessen Größe und Lokalisation ab. Ein Tumor in der Herzwand manifestiert sich wie eine Herzinsuffizienz. Führt der Krebs zur Fehlfunktion der Herzklappen, kann es zu Atemnot, vor allem unter körperlicher Belastung, kommen. Häufig wird ein Herztumor erst nach einem Schlaganfall diagnostiziert. Dazu kommt es, wenn sich Gewebestücke vom Tumor ablösen und im Gehirn ein Blutgefäß verstopfen. Als »Myxomkrankheit« bezeichnen Ärzte das Vortäuschen von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, etwa Fieber, Exantheme, Arthralgien und Myalgien.

 

Messungen bei resezierten Herztumoren ergaben eine Größe von meist mehreren Zentimetern. Die genaue Größe und Lage lässt sich per Ultraschall (Echokardiografie) feststellen. In der Diagnostik kommen ferner Computer- (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.

Ein Tumor sollte möglichst schnell operativ entfernt werden, um die Metastasierung zu verhindern. Bei dieser Operation muss der Brustkorb geöffnet und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Die Chirurgen müssen den beim Herausschneiden des Tumors entstehenden Gewebedefekt ausgleichen, zum Beispiel mit gesundem Gewebe aus dem Herzbeutel. Ist eine Herzklappe befallen, dann können die Mediziner eine künstliche Klappe einsetzen.

 

Rezidive sind bei vollständiger Tumorentfernung selten. Die Patienten sollten sich jedoch regelmäßig nachuntersuchen lassen. Ist der Tumor sehr groß, kann er unter Umständen nicht vollständig entfernt werden. Das kann zu bleibenden Herzerkrankungen, etwas Rhythmusstörungen, führen. Bei malignen primären Tumoren liegen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung oft schon Metastasen in anderen Organen vor. Unbehandelt überleben die Patienten knapp ein Jahr, behandelt beträgt das mittlere Überleben durchschnittlich fünf Jahre. Meistens werden maligne Tumoren ebenfalls operiert, zusätzlich können Strahlen- und Chemotherapie notwendig sein.

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