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Rheuma-Therapie: Morphin direkt ins Gelenk

Die Injektion von Morphin in die entzündeten Gelenke kann Rheuma-Patienten für längere Zeit von ihren Schmerzen befreien. Dies berichtete Professor Dr. Heiko Sprott vom Universitätskrankenhaus Zürich beim Jahreskongress der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft in Jena. Es sei fatal, dass 50 bis 80 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis trotz Therapie an Schmerzen leiden. Bei vielen ist die Pein so stark, dass sie in ihren alltäglichen Aktivitäten und/oder im Beruf beeinträchtigt sind. Die antientzündliche Behandlung, zum Beispiel mit Methotrexat oder den modernen Biologicals, reicht offenbar nicht aus. «Wir müssen die Schmerzkrankheit behandeln», forderte der Rheumatologe.

 

Die lokale Applikation von Morphin basiert auf dem Nachweis, dass κ-Opioidrezeptoren auch in den Gelenken vorhanden sind. Die im Zentralnervensystem so wichtigen μ-Rezeptoren haben in der Peripherie dagegen kaum Bedeutung. Im Mausmodell war die intraartikuläre Injektion von Morphin ebenso wirksam wie Dexamethason, ohne systemische Effekte auszulösen. Nach seinen Erfahrungen könne die Morphin-Injektion beim Menschen Entzündung und Schmerzen lindern und Rezidive verhindern, berichtete Sprott. Der Effekt halte lange an. Die Spritze ins Gelenk kann adjuvant eingesetzt werden, ist aber auch als Monotherapie geeignet. Voraussetzung ist immer, dass nur einzelne Gelenke betroffen sind. (bmg)

 

01.10.2009 l PZ

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