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Mundgeruch: Der Grund liegt auf der Zunge

MEDIZIN

 
Mundgeruch

Der Grund liegt auf der Zunge

Von Christina Hohmann, Düsseldorf

 

Häufig werden die Ursachen für schlechten Atem (Halitosis) im Magen-Darm-Trakt vermutet. Doch bei über 90 Prozent der Fälle entsteht Mundgeruch im Mund. Bakterien, hauptsächlich auf der Zunge, setzen bei Fäulnisprozessen übel riechende Substanzen frei.

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Halitosis ist ein häufiges Problem. Unabhängig vom ethnischen und kulturellen Hintergrund kommt sie weltweit bei etwa 25 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise vor. Etwa 6 Prozent der Bevölkerung haben ein dauerhaftes Problem. »Anlaufstelle für solche Personen ist der Zahnarzt«, sagte Dr. Tilo Poth von der GABA GmbH auf einer Veranstaltung am Rande der Expopharm in Düsseldorf. »Denn bei neun von zehn Betroffenen entsteht Halitosis im Mund.« Deutlich seltener sind Probleme im HNO-Bereich, etwa chronische Mandel- oder Nasennebenhöhlenentzündungen, oder im internistischen Bereich wie Stoffwechselstörungen oder Erkrankungen des Verdauungstrakts die Ursache.

 

Die größte Bedeutung bei Mundgeruch kommt Bakterien zu, die sich auf der Zunge einnisten. Sie sind für etwa die Hälfte aller Fälle von Halitosis verantwortlich. »Dabei handelt es sich um die gleichen Spezies, wie sie auch bei Parodontitis oder Gingivitis vorkommen«, sagte Poth. Bei diesen Zahnfleischerkrankungen lagern sich die Bakterien in Zahnfleischtaschen ab. Dabei kann auch Mundgeruch entstehen. Weitere Gründe sind Poth zufolge offene Kariesläsionen oder Pilzinfektionen im Mund.

 

Kaskade im Mund

 

»Proteine aus der Nahrung, dem Speichel oder abgestorbenen Epithelzellen werden im Mund von Proteasen aus dem Speichel gespalten«, erklärte der Chemiker. Dabei würden unter anderem auch schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin oder Cys-tein freigesetzt. Diese dienten wiederum als Nahrung für anaerobe Bakterien, die sie enzymatisch aufspalten und dabei geruchsintensive, flüchtige Schwefelverbindungen, sogenannte volatile sulfur compounds (VSC), freisetzen. »Das ist das Problem«, sagte Poth. »Die riecht man.« Die Substanzen wie Schwefelwasserstoff, Dimethylsulfid und Methanthiol haben niedrige Geruchsschwellen und riechen in höheren Konzentrationen unangenehm und faulig.

 

Ein wichtiger Einflussfaktor bei der Entstehung von Mundgeruch ist der Speichel. »Dabei gilt die Regel: Alles was den Speichelfluss vermindert, erhöht das Risiko für Halitosis«, sagte Poth. Speichel durchspült den Mund und schwemmt dabei Nahrungsreste, Epithelzellen und Bakterien weg, zudem wirkt er antibakteriell. »Ein warmer trockener Mund bietet bessere Wachstumsbedingungen für Bakterien«, sagte der Referent. Ungünstig wirken sich daher Faktoren aus, die zu einer Mundtrockenheit führen, wie ein hoher Kaffeekonsum, Rauchen, nicht ausreichende Trinkmengen und die Einnahme von bestimmten Medikamenten. Hierzu zählen Anticholinergika, Antidepressiva, Neuroleptika, Antiallergika und Antihypertensiva.

 

Den Speichelfluss anregen kann man zum Beispiel durch Kaugummi kauen, Bonbon lutschen, essen und viel trinken. Diese Maßnahmen senken die Konzentration der unangenehmen Geruchsstoffe nur kurzfristig, denn die Ursache, die Bakterienbeläge, bleibt erhalten.

 

Gründliche Mundhygiene

 

Daher ist die effektivste Maßnahme gegen Mundgeruch eine gründliche Mundhygiene. Die Zähne sind regelmäßig zu reinigen, wobei besondere Aufmerksamkeit den Zahnzwischenräumen, Kronenrändern und anderen Nischen, in denen sich geruchsbildende Bakterien ansammeln können, gelten sollte. Auch eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt mit Säuberung der Zahnfleischtaschen kann in einigen Fällen den Mundgeruch beseitigen. Doch Zahnfleischtaschen bieten nur wenig Raum für Bakterien, eine sehr viel größere Siedlungsfläche stellt dagegen die Zunge dar. Auf der rauen Oberfläche finden die Keime ideale Wachstumsbedingungen. Daher muss auch die Zunge regelmäßig gepflegt werden, wenn man Mundgeruch beseitigen möchte. Die Zunge lässt sich mit einer einfachen Zahnbürste reinigen, es ist aber auch eine Reihe von Instrumenten wie Zungenschaber, spezielle Bürsten oder eine Kombination von beidem auf dem Markt.

 

Die Zunge sollte damit täglich einmal gereinigt werden, indem sie an der Spitze festgehalten und dann mit mehreren Zügen von hinten nach vorne gebürstet oder geschabt wird. Die regelmäßige Reinigung der Zunge bekämpft nicht nur den schlechten Atem, sie senkt auch die Bakterienzahl in der Mundhöhle insgesamt. Somit hemmt sie die Bildung von Zahnbelag und reduziert das Kariesrisiko. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Geschmacksknospen durch das Entfernen der Beläge wieder empfindlicher werden.

 

Unterstützende Lösungen

 

Die Keimzahl kann nicht nur mechanisch, sondern auch chemisch reduziert werden, zum Beispiel durch antibakterielle Mundspülungen. Goldstandard sei Chlorhexidin mit einer gut belegten Wirksamkeit, sagte Poth. Es eigne sich jedoch nicht für die Langzeitanwendung, da es auf Dauer zu Geschmacksirritationen und Verfärbungen auf Zunge und Zähnen führen könne. Eine Chlorhexidin- und Alkohol-freie Alternative stelle die Mundspüllösung Meridol Halitosis dar. Neben antibakteriellen Aminfluorid und Zinnfluorid enthält sie Zinklaktat, das die Geruchsstoffe chemisch bindet, sowie patentierte Wirkstoffe zur Hemmung der bakteriellen Enzyme. Antibakterielle Mundspüllösungen sind eine sinnvolle Ergänzung, sie können aber nach Einschätzung der Bundeszahnärztekammer eine gründliche Mundhygiene nicht ersetzen.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 40/2009

 

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