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Medizintechnologie: Der lange Weg der Innovationen

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Medizintechnologie

Der lange Weg der Innovationen

Von Werner Kurzlechner, Berlin

 

Die zu Jahresbeginn geänderte Innovationsklausel im Krankenhausentgeltgesetz hat bislang nicht den großen Schub für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gebracht. Das legt jedenfalls eine Studie des Deutschen Krankenhausinstituts nahe.

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Wer einem ständig die Suppe versalzt, muss schon einmal eine Extraportion Pfeffer vertragen können. Das mag sich Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed), gedacht haben. Als Gastgeber einer Diskussionsveranstaltung über Innovationstransfer vergangene Woche ihn Berlin nahm er jedenfalls einen der geladenen Referenten, Dr. Matthias Dettloff vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), gehörig in die Mangel. Aus Sicht der Medizintechnologie sind es schließlich die allzu häufig zahlungsunwilligen Krankenkassen, die Neuerungen in Untersuchung und Behandlung den Weg versperren.

 

Klinische Bewertung für Gehhilfen

 

Ob er den Unterschied zwischen Arzneimitteln und Medizinprodukten kenne, fragte also Schmitt den GKV-Medizinreferenten erst schulmeisterlich, um ihm dann etwas doppelbödig zu versichern: »Sie sind hier nicht im Feindeslager.« Schmitt wollte darauf hinaus, dass die Produkte seiner Branche anders als Medikamente keiner aufwändigen Zulassungsprüfung bedürften. Sicherheit und Leistungsfähigkeit seien vergleichsweise leicht festzustellen. Und so sei doch nicht einzusehen, warum etwa für eine neue Gehhilfe eine klinische Bewertung verlangt werde.

 

Dettloff wehrte sich wacker. Für seinen Verband gehe es nicht darum, Produkte auf ihre Wirksamkeit zu testen. Man wolle wissen, ob eine Methode zur Untersuchung oder Behandlung tatsächlich innovativ sei, also einen zusätzlichen Nutzen gegenüber anderen Verfahren habe und überdies wirtschaftlich sei. Ob für eine Methode dann im Falle des Falles auch gezahlt werde, entscheide nicht der Spitzenverband, sondern die einzelne Krankenkasse.

 

Neue Studie liefert Munition

 

Eine Schlüsselrolle hat der GKV-Spitzenverband indes bei den Budgetverhandlungen zur Umsetzung von Innovationen im Krankenhaus inne. In diesem Zusammenhang lieferte Dr. Karl Blum, Forschungsleiter des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) in Düsseldorf, den Herstellern von Medizinprodukten mit den Ergebnissen einer neuen Studie durchaus Munition.

 

Die DKI-Untersuchung befasst sich mit den Einflussfaktoren neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, so genannter NUBs, in den deutschen Krankenhäusern. Diese legen laut Studie eine gewisse Zurückhaltung beim Gebrauch der neuen Innovationsklausel im Krankenhausentgeltgesetz an den Tag. Seit diesem Jahr können NUB-Anträge das ganze Jahr über gestellt werden, bisher war dies nur zu einem fixen Termin möglich.

 

Zwar haben von den Krankenhäusern, die grundsätzlich NUBs einsetzen, 83 Prozent bislang Verhandlungen terminiert oder aufgenommen. Aber nur 57 Prozent sagen, dass sie in den kommenden Jahren verstärkt Gebrauch von den neuen Möglichkeiten machen werden.

 

Es gibt offenkundige Hemmnisse, zu allererst jenes, dass die innovativen Methoden meist nur in Universitätskliniken oder Krankenhäusern mit mehr als 600 Betten eine Rolle spielen. Ansonsten scheitern NUB-Anträge häufig an den Gutachten durch die Medizinischen Dienste der GKV (MDK/MDS) sowie aufgrund fehlender Studien. Blum kritisierte hierbei insbesondere die fehlende Transparenz. »Die Krankenhäuser haben faktisch keinen Zugriff auf die MDS-Gutachten«, erläuterte der Wissenschaftler. Alles in allem kommt nur für gut ein Drittel der NUB-Anträge tatsächlich eine Entgeltvereinbarung zustande.

 

Entgeltvereinbarungen zentralisieren

 

Hilfreich sei dabei neben der von den Kostenträgern gewünschten strikten Fallzahl- und Erlösbegrenzung auch das Wohlwollen der örtlichen Krankenkasse. Blum regte eine stärkere Zentralisierung der Entgeltvereinbarungen und eine Veröffentlichungspflicht von MDS-Gutachten an, die dem kritischen öffentlichen Diskurs komplett entzogen seien. GKV-Vertreter Dettloff nahm diese Kritik an. »Sie haben sicherlich recht, dass wir über mehr Transparenz reden müssen«, wandte er sich an Blum. Ansonsten bemühte sich Dettloff um Aufklärung. Er könne sagen, dass in den MDS-Gutachten lediglich vorhandene Studien zusammengefasst und keine Empfehlungen gegeben würden. Sie orientierten sich an der Verfahrensordnung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) zur Nutzenbewertung.

 

Seinen Gastgebern aus der Industrie riet er zu etwas mehr Geschick beim Auflegen von Studien. Sie möchten beispielsweise darauf achten, dass die Fallzahlen ausreichten, die klinischen Partner Ergebnisse auch publizierten und die medizinischen Gründe angeben, falls randomisierte Studien nicht möglich seien. »Häufig liest man Arbeiten, die mit nur wenigen zusätzlichen Handgriffen richtig gut geworden wären«, sagte Dettloff.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 40/2009

 

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