Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

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Säulen der Wirtschaft

EDITORIAL

 
Säulen der Wirtschaft

Der Wirtschaftsbericht über die deutschen Apotheken, der am 7. Mai auf dem Wirtschaftsforum in Berlin vorgelegt wird, beweist, dass die Apotheken trotz Wirtschaftskrise ein stabiler Faktor in unserer Gesellschaft sind (siehe dazu Wirtschaftsbericht 2008: Mehr Apotheken, mehr Arbeitsplätze, mehr Dienstleistungen). Mehr Apotheken, weil die Zahl der Filialapotheken um fast 500 zugenommen hat, und gleichzeitig auch mehr Arbeitsplätze in den Apotheken. Sie sind 2008 um fast 2000 auf 145.400 gestiegen. Diese Zahl wird sich 2009 entgegen dem Trend weiter positiv entwickeln, während in anderen Branchen über Kosteneinsparung durch Kurzarbeit oder Entlassungen nachgedacht wird.

 

Nach Meinung des ehemaligen Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg, Professor Dr. Lothar Späth, wird der Weg aus der augenblicklichen Krise ohnehin nicht in der Sanierung der Großindustrie liegen, wie er am letzten Samstag auf dem Apothekenforum der Anzag betonte, sondern in der Fähigkeit zur Flexibilität und in der Innovationskraft des Mittelstandes (siehe dazu Anzag-Apothekerforum: Mittelstand muss aus der Krise führen). Unternehmen wie Mercedes, BMW oder Opel hätten jahrelang an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei geplant, weil sie unter anderem bei den Entscheidungsfindungen zu schwerfällig sind. In Zeiten der Globalisierung sei es ein grundsätzlicher Fehler, unbedingt Arbeitsplätze in der Großindustrie erhalten zu wollen. Die Rolle des Schrittmachers der Wirtschaft habe diese Industrie schon längst verloren. Sie sei von der Dienstleistungsbranche überholt worden. Neunzigjährige Rentner kaufen eben keine Autos mehr, sondern sie brauchen Pflege, also Gesundheitsdienstleistungen.

 

Die deutschen Apotheken haben offensichtlich dieser Analyse Lothar Späths nicht bedurft. Sie haben den Wandel bereits begriffen und auf die neuen Herausforderungen reagiert, wie die Zahlen des Wirtschaftsberichtes aus Berlin belegen. Man kann nur hoffen, dass auch in der Politik die Einsicht reift, dass nur die Kraft des Mittelstandes Deutschland aus der Krise führen kann. Dazu gehören auch die Apotheken mit ihren 145.400 Arbeitsplätzen. Diese aufs Spiel zu setzen, wäre verantwortungslos. Auch wenn vor der Wahl nicht mehr viel geschehen wird, sollten die Apothekerinnen und Apotheker die Politiker schon auf dem Wirtschaftsforum fragen, wie sie sich ein funktionierendes Gesundheitswesen vorstellen: mit ortsnahen Individualapotheken oder mit Apothekenkonzernen, die gewinnorientiert die Dienstleistungen vernachlässigen werden. Fragen Sie doch einmal in einem Drogeriemarkt nach der Wirksamkeit eines dort angebotenen Arzneimittels. Mehr als den Preis werden Sie nicht erfahren. Eine Perspektive, die in einem Dienstleistungsland nicht erstrebenswert ist.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur


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Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2009

 

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