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Bindungsangst

EDITORIAL

 

Bindungsangst

Während sich mancher Apotheker darüber beklagt, dass Apothekerverbände Verträge mit Krankenkassen abschließen oder dies beabsichtigen, überrollen uns die Medien mit den neuesten Nachrichten von der Apothekenmarkt-Liberalisierungsfront. DocMorris und manch anderer innovativer Viagra-Lieferant habe bereits Verträge mit diversen Krankenkassen in der Tasche, wird mehr laut als korrekt verkündet.

Nun werden all die Verträge, die Verbände machen, nicht besser oder schlechter durch die Verträge, die andere Marktbeteiligte aushandeln. Denn momentan geht es darum, möglichst schnell möglichst viele Verträge zu möglichst unterschiedlichen patientenrelevanten Themen zu vereinbaren.

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Der Rückblick auf vergangene Zeiten nützt gar nichts. Krankenkassen sind – Sympathiewerte hin oder her – gesetzlich gewollte Vertragspartner der Apotheken. Je mehr Vereinbarungen getroffen werden, die den Patienten, den Kassen und am besten auch den Apotheken nützen – umso besser.

Die Tatsache, dass Internetversender mit ihren Verträgen in die Kameras winken, bedeutet nicht viel. Schließlich haben Vertragsabschluss und Umsetzung nicht immer etwas miteinander gemein, denn diese Anbieter haben jenseits ihrer vermeintlich günstigen Preise wenig zu bieten. In Wirklichkeit wollen die Krankenkassen auf diesem Weg auf die Apothekerverbände Druck ausüben. Das ist nicht nett, aber legitim.

Die Tatsache, dass DocMorris nicht nach Deutschland ziehen will, zeigt, dass es um die niederländischen Nischenkenner nicht gut bestellt ist. Bloß kein persönlicher Kontakt mit dem Patienten. Der soll sein Rezept schicken, die Kasse die Kohle überweisen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Stärke der Apotheken liegt genau dazwischen.

Verschärfte Aufmerksamkeit verdienen die Kooperationen. Dass sich Unternehmen, auch Apotheken, zusammentun, um gemeinsam am Markt zu bestehen, ergibt mitunter Sinn. Dass dies immer und nur unter einem von Großhandlungen aufgestellten Kooperationsdach geschehen kann, ist dagegen zweifelhaft.

Die Interessenslage von Großhändlern und Apotheken ist zwar teilweise ähnlich, manchmal auch identisch. Aber in der Gänze bei weitem nicht deckungsgleich. Der große Strom an Interessenten, die von einer Informationsveranstaltung in die nächste hetzen, um die Kooperationsprogramme kennen zu lernen, bildet sich jedenfalls nicht in einer Fülle unterschriebener Kooperationsverträge ab.

Die Dachmarkenkonzepte bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Das Apotheken-A als eingeführte und anerkannte Marke ist nicht zu übertreffen. Eine Ergänzung – zusätzlich zum eingeführten Namen der eigenen Apotheke – ist für den Verbraucher schwer verdaulich.

Als schwere Kost entpuppen sich auch die Kooperationsverträge, die den Apotheken zurzeit zur Unterschrift vorgelegt werden. Viele scheuen sich, eine allzu enge Bindung einzugehen, fürchten den vorauseilenden Gehorsam. Manch einer traut sich, in den Informationsveranstaltungen die Konzepte der Großhändler offen zu kritisieren, die Dachmarke als Vorstufe zu Fremdbesitz und Franchise zu brandmarken und das eigentliche Interesse der im Oligopol agierenden Logistiker zu filtern.

Was bringt mir die Kooperation? Diese Frage stellen sich Tausende Apothekerinnen und Apotheker. Es ist die Entscheidung zwischen der selbstbestimmten Selbstständigkeit und einer teilweise selbstbestimmten Unterwerfung.

Bezeichnet man Großhandel und Apotheke, jede für sich, als Kuchen, dann stellt sich die Frage, wer von welchem Kuchen ein wie großes Stück bekommt. Der Gesetzgeber hat dem Großhandel die Spanne erheblich gekürzt. Die Apothekenhonorierung hat sich verändert; die Auswirkungen auf die Apotheken werden als nicht dramatisch beschrieben.

Und die Direkteinkäufe? Das ist in den meisten Apotheken das einzige Geschäft mit direktem Zugang zum Hersteller – ohne zwischengeschalteten Großhändler. Bleibt die Frage: Was wird aus Ihrer Direktbelieferung in der Kooperation?

Thomas Bellartz
Leiter der Hauptstadtredaktion
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E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 47/2003

 

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