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Von Fall zu Fall beraten

POLITIK

 
CASE-MANAGEMENT

Von Fall zu Fall beraten

von Daniel Rücker, Augsburg

Die Beratung in der Apotheke beschränkt sich schon lange nicht mehr allein auf Arzneimittel. Auch die Lebensführung und soziale Fragen spielen bei der Bewältigung von Krankheiten eine erhebliche Rolle. Apotheker helfen auch in diesen Bereichen. In einem Augsburger Modellprojekt soll nun geklärt werden, wie stark chronisch Kranke davon profitieren, wenn sie von Apotheker betreut werden, die in "Case-Management" fortgebildet wurden.

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Apotheker wissen, dass ein chronisch Kranker mehr braucht als die Linderung seines somatischen Leidens. Wo gibt es psychologischen Rat? Gibt es gemeinnützige oder kommunale Einrichtungen, die helfen? Wie sollen die Angehörigen mit einer nicht heilbaren Krankheit umgehen? Chronisch Kranke fragen Apotheker auch bei solchen Problemen um Rat. Doch dessen Möglichkeiten, hier zu helfen, sind beschränkt: "Irgendwann stoßen wir bei der Beratung an unsere Grenzen," sagt Dr. Jens Schneider, Vizepräsident der Bayerischen Landesapothekerkammer während der Auftaktveranstaltung zum Pilotprojekt Case-Management am 24. Januar in Augsburg. Zusammen mit 14 Apotheken des örtlichen Qualitätszirkels will die Kammer nun untersuchen, ob eine gezielte Fortbildung des pharmazeutischen Personals in Kommunikation, Sozialrecht und dem Umgang mit Patienten, die Lebensqualität von chronisch Kranken verbessert und die Behandlungskosten senkt.

Schneider sieht Case-Management auch als starkes Argument gegen den Versandhandel: "Es ist bedenklich, dass gerade chronisch Kranke mit erhöhtem Beratungsbedarf ihre Arzneimittel über den Versandhandel beziehen sollen. Hier setzen wir mit Case-Management ein starkes Gegengewicht."

"Case-Management macht den Apotheker zum Losten durch die Versorgung des chronisch Kranken," erläutert der Leiter des Beta-Institutes, Horst Erhardt das Konzept. Das vom Generikahersteller Betapharm ins Leben gerufene gemeinnützige sozialmedizinische Institut unterstützt das Pilotprojekt. Das aus der Sozialpädagogik stammende Case-Management stelle den Patienten in den Mittelpunkt. Der Fokus richte sich nicht nur auf das Medikament, sondern auch auf alle anderen Probleme des Kranken, erläutert Erhardt. Das Projekt baue auf Kompetenz und Erfahrung der Apotheker auf.

Keine Konkurrenz

Eine Konkurrenz zu den Disease-Management-Programmen der Krankenkassen sei das Case-Management-Projekt nicht, stellt Erhardt klar. Disease Management ist ein Behandlungsprogramm nach Leitlinien, Case-Management ist gezielte Einzelfallhilfe. Hier steht der Prozess im Mittelpunkt und nicht das Krankheitsbild. Aus seiner Skepsis gegenüber Disease-Management-Programmen macht er keinen Hehl: "Sie orientieren sich allein am Bedarf, Case-Management orientiert sich dagegen am Bedürfnis der Patienten."

An dem Projekt nehmen neben 14 Augsburger Apotheken auch die Apotheken des Qualitätszirkels Weiden als Kontrollgruppe teil, erklärte die Augsburger Apothekerin Doris Schmid-Sroka. Sie leitet die Studie. Beide Gruppen beraten jeweils 8 bis 18 chronisch kranke Patienten. Während die pharmazeutischen Mitarbeiter der Augsburger Apotheken zu Beginn des Projektes in fünf Veranstaltungen über Sozialrecht, Gesprächsführung, Psychologie und Grundlagen des Case-Managements fortgebildet werden, erhalten die Weidener Apotheken diese Schulung nicht.

Die Evaluation erfolgt über die Befragung der Apotheken und der Patienten, die am Projekt teilnehmen. Nach insgesamt 12 Monaten, also Anfang 2003, soll das Augsburger Modell abgeschlossen sein. Wenn sich die Case-Management-Schulung als erfolgreich erweist, will die LAK die Fortbildung für alle bayerischen Apotheken anbieten. Andere Bundesländer sind ebenfalls an der Schulung interessiert. Schneider glaubt, dass sich Case-Management bundesweit als Dienstleistung der Apotheker etablieren kann. Top

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E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2002

 

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