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Blutpräparate unbedenklich

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Blutpräparate unbedenklich

von Hanna Kleine-Weischede, Frankfurt am Main

Durch Blutpräparate mit HIV, Hepatitis B oder C angesteckt zu werden, ist in Deutschland fast ausgeschlossen. Für die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) wird ein hypothetisches Restrisiko allerdings nicht ausgeschlossen. Dies ist das Fazit einer Podiumsdiskussion zur Sicherheit von Blutpräparaten in Frankfurt am Main. Diese fand im Rahmen der Ausstellung "Blut: Perspektiven der Kunst, Macht, Politik, Pathologie" im Museum für angewandte Kunst statt.

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"Die Gefahr in Deutschland vom Blitz getroffen zu werden ist doppelt so hoch, wie die, sich durch Blutpräparate mit HIV oder Hepatitis C (HCV) anzustecken." Professor Dr. Willi K. Roth, Laborleiter des Zentralinstituts des BSD Frankfurt, unterstützte seine Aussage anhand der Ergebnisse einer Studie des BSD vom Juni 2001. Demnach waren von etwa 15 Millionen Blutspenden nur 12 mit HIV, HCV oder HBV infiziert.

Der BSD überprüft alle Blutspenden auf diese Viren durch serologische Antikörperuntersuchungen und Nukleinsäure-Amplifikationstechniken (NAT) wie PCR. Letztere wurde vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Langen, gesetzlich für HCV-Tests vorgeschrieben. "Ob diese Methode auch für HIV Vorschrift werden soll, steht noch zur Diskussion", sagte Professor Dr. Johannes Löwer, Präsident des PEI. Ergebnisse eines Ringversuchs stünden zwar noch aus, aber man könne schon sagen, dass diese Methode für die HI-Viren noch nicht ausgereift ist.

"Ein weitaus größeres Problem als das Vorkommen von Viren ist die Kontamination durch Bakterien", bemerkte Roth. So ist von 500.000 Spenden eine verunreinigt. Der BSD arbeite aber an einer Lösung.

Prionen nur im lymphatischen Gewebe

Wie hoch die Gefahr sei, sich durch Blutpräparate mit der neuen Creutzfeldt-Jakob-Variante (vCJD) zu infizieren, sei noch nicht schlüssig zu beantworten, so Professor Dr. Rainer Seitz, Leiter der Abteilung Hämatologie und Transfusionsmedizin des PEI. Bisher seien Prionen nur im lymphatischen Gewebe gefunden worden. Sensibilisiert durch die Ausmaße von Aids wolle das PEI sicherheitshalber ein theoretisches Restrisiko nicht ausschließen. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Gesundheit Mitte vergangenen Jahres das PEI beauftragt, ein Strategiepapier zu entwickeln.

Des Weiteren regeln Transfusions- und Arzneimittelgesetz die Sicherheitsauflagen von Blutpräparaten. Doch diese Sicherheit hat auch ihren Preis. "Den BSD kostet eine Untersuchung auf HIV, HCV und HBV 18 Euro pro Blutspende. Dabei fallen allein 13 Euro für Lizenzgebühren an," äußerte sich Professor Dr. Erhard Seifried, ärztlicher Direktor des BSD, zu den Kosten. Bei 15 Millionen Untersuchungen koste jede verhinderte Infektion etwa 9 Millionen Euro.

Löwer erklärte, dass das PEI sich dieser Kosten bewusst sei, und dass diese über die Krankenkassen aufgefangen werden müssen. Das Ministerium wolle aber nicht auf die Untersuchungen verzichten. Auf die Frage aus dem Auditorium, ob die Lizenzgebühren auf politischem Wege nicht zu umgehen seien, antwortete Löwer, dass die Politik die Notwendigkeit eines Patentschutzes sehe und der Fall daher zurzeit von der europäischen Kommission untersucht wird.

Zum Ende der Diskussion waren sich alle Referenten und das Publikum einig: Wenn es wirklich notwendig sei, würde keiner Blutpräparate aus Deutschland ablehnen.

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Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2002

 

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