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Schulterschluß

EDITORIAL

 

- Editorial Govi-Verlag

Schulterschluß

von Gisela Stieve,
Stellvertretende Chefredakteurin

Die Nervosität nimmt überall zu. Unsicherheit, Kurzsichtigkeit und Aktivismus prägen manche Entscheidungen in diesen Tagen. Das ist im Gesundheitswesen nicht anders als in der Weltpolitik. Nur ist das weder Trost noch Genugtuung.

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Die Selbstverwaltungen im Gesundheitswesen und deren Vertreter sollten sich ihrer politischen Kräfte und Qualitäten bewußt sein und jetzt gestalten, was zu gestalten ist. Die Fragen der Arzneimittelversorgung eignen sich dazu hervorragend. Es wäre sinnvoll, wenn Verantwortlichen den Schulterschluß suchen, um das bewährte System zu erhalten, und Verantwortung für ihr Tun und Reden übernehmen, wie dies von den Funktions- und Amtsinhabern erwartet wird.

Sollten Reglementierungen wie die Arzneimittelrichtlinien oder die Positivliste kommen, schliddern wir unweigerlich in die Planwirtschaft. Was wie eine Richtlinie oder Orientierungshilfe aussieht, ist nur eine Maßregelung, die die Kollegenschaft und besonders die Ärzte für den Verteilungskampf unter jedweder gesetzten Obergrenze erst richtig scharf macht.

Es ist völlig gleichgültig, ob wir es Budget, Richtgröße, Arzneimittelrichtlinien oder Positivliste nennen. Der Effekt wird immer der gleiche sein. Die Selbstverwaltungen haben aber neben der finanziellen Verantwortung noch eine besonders wichtige: die fachliche. Ich meine: Wer den Reglementierungen tatenlos zustimmt, flieht aus der Verantwortung.

Arzneimittelrichtlinien und Positivliste sind keine Glaubensfragen. Es geht um sachliche Argumente, um fachliche Abstimmung, die ohne Emotionen diskutiert werden können. Nicht die Einschränkung der Arzneimittelvielfalt, sondern der sachgerechte Umgang mit Arzneimitteln bringt uns systemkonform weiter.

Wenn allerdings die Verantwortlichen den Vertragsärzten unterstellen, sie würden unter dem Druck der wirtschaftlichen Bedingungen und demnächst noch ohne verbindliche Arzneimittelrichtlinien durch "undifferenzierte Verordnungseinschränkungen" bei den innovativen Arzneimitteln sparen, zeugt dies von hohem Mißtrauen gegenüber den Kollegen und deutete auf verantwortungsloses Handeln der einzelnen Ärzte hin, die dann offenbar nur nach Kostenaspekten und nicht nach medizinischen Indikationen verordnen.

Wer Politik macht, sollte glaubwürdig, gradlinig, kritikfähig, konsenswillig und gesprächsbereit sein. Gespräche kann man aber nur führen, wenn man einander zuhört. Der Arzneimittelmarkt ist ein selten überschaubares und transparentes Segment im Gesundheitswesen. Hier sollten die Beteiligten auch hinhören, was Apotheker zu sagen haben und ein Exempel statuieren. Eine sinnvolle Zusammenarbeit auf dem Arzneimittelgebiet braucht weder Arzneimittelrichtlinien noch eine Positivliste, sondern interdisziplinäre Diskussion, Abstimmung und Schulterschluß. Top

© 1999 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 14/1999

 

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