Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Wenn das Auge trocken bleibt:das Sicca-Syndrom und seine Therapie

TITEL

 

-Titel

ANZEIGE

Govi-Verlag

Wenn das Auge trocken bleibt:
das Sicca-Syndrom und seine Therapie

Das trockene Auge (Keratokonjunktivitis sicca) ist ein häufiges, oftverkanntes diagnostisches und therapeutisches Problem in derOphthalmologie. Die Erkrankung tritt in allen Altersgruppen auf, bevorzugtjedoch Frauen mittleren Alters. Die Pathogenese der Keratokonjunktivitissicca ist nicht vollständig geklärt.

Als auslösende Ursachen kommen Umweltnoxen, hormonelle Einflüsse,(subklinische) Entzündungen der Tränendrüse und Bindehaut, Lidfehlstellungen undLidrandentzündungen sowie die Einnahme verschiedener systemischer und lokalerMedikamente in Betracht. Die Liste der Medikamente, die zu verminderterTränenproduktion führen, beinhaltet orale Kontrazeptiva, Betablocker (oral undlokal als Augentropfen), Psychopharmaka wie Benzodiazepine, Antidepressiva undNeuroleptika, Diuretika, Antihistaminika sowie adrenerge Augentropfen("Weißmacher") und lokalanästhetische Ophthalmika. Trockene Augen treten nichtnur isoliert auf, sondern können auch verbunden mit Mundtrockenheit Bestandteileines Syndroms (Sjôgren-Syndrom) beziehungsweise einer Autoimmunerkrankung(zum Beispiel primär chronische Polyarthritis) sein.

Symptome und Befund

Patienten klagen typischerweise über empfindliche, gerötete Augen und einFremdkörpergefühl. Paradoxerweise besteht häufig subjektiv ein "feuchtes Auge"mit vermehrtem Tränenfluß, der durch eine Reflextränenproduktion bei sehrtrockenem Auge erklärbar ist. Der klinische Befund reicht von geringgradigerBindehautreizung bis hin zur schwersten Keratokonjunktivitis filiformis mitfädchenartiger Abschilferung der Hornhautoberfläche, quälenden Schmerzen undVisusreduktion.

Diagnose und Therapie


Die Diagnose erfolgt beim Augenarzt durch eine gewissenhafteSpaltlampenuntersuchung mit Bindehaut- und Hornhautanfärbung, sowie durchweiterführende Tests zur Beurteilung der Menge und Qualität des Tränenfilms(Schirmertest und Tränenfilmaufreißzeit).

Zunächst müssen Grundleiden wie Lidfehlstellungen oder Lidrandentzündungen alsUrsache des trockenen Auges behandelt werden. Auch adjuvante Störfaktoren wieRauch oder Staub sollten beseitigt werden. Überaus wichtig ist außerdem dieÜberprüfung der Refraktion und des Binokularsehens, da sogenannte asthenopischeBeschwerden (ausgelöst durch die falsche Brille oder eine unerkannte Schielstellung)sich negativ auf ein trockenes Auge auswirken können.

In der Therapie wurden in der Vergangenheit zwei Substanzen zur Anregung derTränensekretion verwendet, Bromhexin und Eledoisin. Aufgrund widersprüchlicherErfolge, Nebenwirkungen und einer nachlassenden Wirkung im zeitlichen Verlaufspielen diese Medikamente jedoch in der täglichen Praxis keine Rolle.

Die häufigste therapeutische Maßnahme beim trockenen Auge ist die Substitutionmit Tränenersatzmitteln. Neben einer guten Verträglichkeit und einer hohenOberflächenstabilität darf der Filmbildner nicht zu viskös sein, um die Sehschärfenicht negativ zu beeinflussen. Zum Einsatz kommen halbsynthetischeZellulosederivate, Polyvinylalkohole, Polyvinylpyrrolidon,Polyakrylsäureabkömmlinge und Hyaluronsäure, die je nach Schweregrad derSicca-Symptomatik und Patientenverträglichkeit rezeptiert werden.

Bei Patienten mit ausgeprägter Keratokonjunktivitis sicca bringen gelartigeTränenersatzmittel den Vorteil einer längeren Verweildauer im Auge. Bei häufigerTropffrequenz sollte auf die Verordnung Konservierungsstoff-freier Präparategeachtet werden. Bringt die häufige Applikation künstlicher Tränen keinewesentliche Erleichterung für den Patienten, kann der Verschluß der abführendenTränenwege durch kleine Kunststoffplomben ("punctum plugs") oder durchKoagulation erwogen werden.

Für die Zukunft steht möglicherweise mit der lokalen Cyclosporin-A-Therapie einMedikament zur Verfügung, das bei schwerster Keratokonjunktivitis sicca vor allemim Rahmen einer Autoimmunerkrankung die subklinische Entzündung bekämpft undsomit die entzündliche Zerstörung der Tränendrüse mit nachfolgenderSicca-Symptomatik verhindert.

PZ-Titelbeitrag von Elisabeth M. Messmer, München
Top

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 24/1998

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU