Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Gesundheitscheck als Chance für die Apotheken

PHARMAZIE

 

- Pharmazie

ANZEIGE

  Govi-Verlag

Gesundheitscheck als Chance für die Apotheken

 

"Es geht nicht darum, daß die Apotheke in die Diagnose eingreift. Das ist nicht so und soll auch nicht so sein", betonte Professor Dr. Horst Weber vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Düsseldorf am 27. April bei einem Seminar im Rahmen des 34. DAV-Wirtschaftsforums in Baden-Baden. Er bezog sich dabei auf die von vielen Apotheken angebotene Bestimmung von Risikofaktoren im Blut, die durch eine bundesweite Aktion zur Zeit verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist.

Es handele sich um eine Informationskampagne, die die Bevölkerung zur frühzeitigen Kontrolle ihrer Blutglucose- und Cholesterolwerte ermuntern wolle - nicht erst, wenn sich bereits Krankheiten wie Diabetes, Arteriosklerose oder KHK manifestiert haben. Die Apotheke könne und müsse bei der Gesundheitsprävention eine viel größere Rolle spielen, wünscht sich Weber. Auch wenn viele Ärzte eine Einmischung in die Diagnosestellung befürchten.

Aus Webers Sicht eine vollkommen unberechtigte Angst, denn: "Der Stellenwert der Labordiagnostik für die Diagnose ist sehr begrenzt." Für eine umfassende Diagnose seien zahlreiche andere Punkte notwendig, die der Apotheker nicht erfassen könne, dürfe und wolle. Nach Webers Überzeugung hat der Gesundheitscheck in Apotheken einen ganz anderen Anspruch, nämlich den der Profilierung als Heilberuf, der Kundenbindung, der Gesundheitsprävention sowie den Einstieg des Apothekers in die Gesundheitserziehung und Ernährungsberatung der Bevölkerung.

Aus Sicht des Hochschullehrers ist für diesen Zweck das Bestimmungangebot vieler Apotheken noch nicht ausreichend. Zu Zeit stünden vor allem die Blutglucose und das Cholesterol im Vordergrund; nach seiner Überzeugung müssen mindestens noch die Harnsäure und die Triglyceride als Prüfparameter hinzukommen, besser auch noch Faktoren wie HbA1c, Kreatinin, GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase) oder GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase). Ziel müsse die umfassende Beurteilung und Beratung zu den gängigsten Gesundheitsrisiken sein, angefangen bei Diabetes, Gicht, Fettstoffwechselstörungen bis hin zu Nieren- und Lebererkrankungen.

Voraussetzung für die Etablierung der Apotheken auf dem Gebiet der Blutanalytik ist die Exaktheit der Meßergebnisse, erinnerte Weber in Baden-Baden. Es komme dabei sowohl auf genau messende, geeichte Geräte an, als auch auf die korrekte Probennahme, -vorbereitung und Gerätehandhabung seitens des Apothekenpersonals. Eingesetzt werden heute in erster Linie die als "Trockenchemie" gehandelten Testverfahren mit Teststreifen, die als Reagenzträger fungieren (zum Beispiel Reflotron-System). Im Kommen sei auch die weniger störungsempfindliche Analyse mit Sensoren (zum Beispiel Glucometer Elite). Für den Apothekengebrauch sind nach seiner Überzeugung multifunktionale Testsysteme der Verwendung von Mono-Schnelltestgeräten vorzuziehen, die für den Patienteneigengebrauch konzipiert wurden.

Die Meßergebnisse sind grundsätzlich nur dann vergleichbar, wenn mit der gleichen Testmethode gemessen wurde, erinnerte er mit Blick auf Diskussionen um abweichende Ergebnisse bei der Kontrolle von Apothekenwerten in Kontrolllaboren, die vor einigen Jahren in Berlin für Aufsehen gesorgt hatten.

Vermeidbare Fehler

Am Beispiel eines Testsystems, mit dem sich reflexionsphotometrisch aus dem Kapillarblut 16 Parameter bestimmen lassen (Reflotron), machte Dr. Gerd Heymer von Boehringer Mannheim auf weitere Punkte aufmerksam, die die Ungenauigkeitsquote von Bluttests deutlich minimieren können. Fehlermöglichkeiten wie das Probenvolumen oder Kalibrierungsungenauigkeiten seien bei dem von dem Mannheimer Unternehmen entwickelten System von vorneherein ausgeschaltet, da sie durch das Gerät kontrolliert werden: Ein Magnetcode auf den Reagenzträgern gewährleistet für jede Messung eine neue Kalibrierung; das Probenvolumen wird durch definierten Druck der Meßeinheit, einer Ulbricht`schen Kugel, auf den Reagenzträger bestimmt.

Trotzdem ist nach wie vor die Kompetenz des Laborpersonals gefragt. Denn durch das Auftragen von zu wenig Probe kann es auch hier zu falschen Ergebnissen kommen; ebenso, wenn die Trennkapazität des Glasfaserstreifen auf dem Reagenzträger durch erheblich zuviel Probe überschritten wird und so keine exakte Isolierung des Plasmas möglich ist. Um diese Fehler zu vermeiden, sind die Kapillaren zur Probenahme mit einer Volumenmarkierung versehen.

  • Heymers Tips zur Probennahme und -bearbeitung:Die Fingerbeere zuvor durch Reiben gut durchbluten;

  • kein Auspressen des Blutes, da es dadurch zur Vermischung mit Plasmaflüssigkeit und damit zu zu niedrigen Meßwerten kommen kann;

  • Probennahme an der "nicht aktiven" Hand, das heißt bei Rechtshändern links, bei Linkshändern rechts, an wenig gebrauchtem Finger (kleiner, Ring- oder Mittelfinger);

  • Einstich seitlich der Fingerbeere, da sich dort weniger schmerzempfindliche Nerven befinden und da dort die ergiebigeren Kapillaren verlaufen;

  • Probennahme am besten seitlich vom hängenden Tropfen;

  • Auftragen der Probe auf den Reagenzträger erst unmittelbar vor der Bestimmung.

PZ-Artikel von Bettina Schwarz, Baden-Baden

   

© 1997 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de


Beitrag erschienen in Ausgabe 18/1997

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU