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Opioidtherapie: Vorsicht beim Präparatewechsel

PHARMAZIE

 
Opioidtherapie

Vorsicht beim Präparatewechsel

Von Brigitte M. Gensthaler

 

Viele gut eingestellte Schmerzpatienten reagieren auf einen nicht-medizinisch indizierten Opioidwechsel mit vermehrten Schmerzen oder Nebenwirkungen. Anhand weniger Fragen könnten Ärzte vorab erkennen, welche Patienten vermutlich besonders betroffen sind.

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Rabattverträge können für Schmerzpatienten böse Folgen haben. Der unbedachte Wechsel auf ein rabattiertes oder besonders preisgünstiges Analgetikum kann für viele vorher gut eingestellte Patienten eine Verschlechterung ihrer Situation bedeuten. Daher forderte die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) bereits im Frühjahr, jeden Austausch von Betäubungsmitteln so sorgfältig wie eine Neueinstellung vorzunehmen. Eine Umstellung von einem Stufe-III-Opioid auf Morphin nur aus wirtschaftlichen Gründen sei nicht vertretbar. Auch die Deutsche

 

Pharmazeutische Gesellschaft warnte in einem Statement vor einer unkritischen Substitution von Stufe-III-Opioiden (www.dphg.de). Gegen eine Ersteinstellung mit entsprechenden Generika gebe es jedoch keine Bedenken.

 

Bei einer geplanten Umstellung, zum Beispiel auf ein Präparat mit anderer Galenik oder ein anderes Opioid, könne der Arzt anhand weniger Kriterien abschätzen, ob der Patient dadurch Probleme bekommen wird, berichtete DGS-Vizepräsident Privatdozent Dr. Michael Überall bei einem Pressegespräch von Mundipharma in München. Bei einer Befragung von etwa 11.000 Ärzten kristallisierten sich etliche Faktoren als besonders bedeutsam heraus. So meinten mehr als 80 Prozent der Ärzte, dass die Medikation aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht umgestellt werden sollte bei Patienten, die beispielsweise arbeiten gehen, alleine wohnen, zu Hause leben, eine konstante Schmerzdynamik haben oder an Depressionen oder einer anderen psychischen Erkrankung leiden. Auch Patienten, die bereits länger als ein Jahr behandelt werden, ein retardiertes Opioid oder eine analgetische Komedikation mit einem Antidepressivum bekommen, seien besonders gefährdet, mehr Schmerzen oder Nebenwirkungen zu erleiden.

 

»Schon mit 15 Fragen könnte der Arzt screenen, welche Patienten sich durch einen Präparatewechsel deutlich verschlechtern werden«, resümierte der Schmerzspezialist. Wie relevant diese Faktoren tatsächlich sind, wurde anhand vorliegender Fragebögen überprüft. Patienten, bei denen kein bis maximal drei Kriterien zutrafen, hatten in der Auswertung ein geringes Risiko; trafen aber 8 bis 15 Kriterien zu, war das Risiko für eine Verschlechterung groß. »Wir können neun von zehn Patienten, bei denen eine Umstellung problematisch ist, korrekt identifizieren«, folgerte Überall. Eine Opioidsubstitution allein aus ökonomischen Gründen sei nicht verfassungskonform.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2009

 

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