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Es ist was faul

EDITORIAL

 
Es ist was faul

Hätte William Shakespeare Minister Josef Hecken gekannt, ihm wäre etwas Passendes eingefallen, à la »Es ist was faul im Saarland ...«. Das würde den saarländischen CDU-Mann, Gesundheits-, Sozial- und Justizminister in einer Person ebenso wenig scheren wie das Gesetzbuch. Mittlerweile ist ohnehin aus dem Fall Hecken/DocMorris das geworden, wonach sich Herr Hecken im kleinsten Flächenbundesland genauso sehr sehnte, wie »Mister DocMorris« Ralf Däinghaus: bundesweite Aufmerksamkeit.

 

Es ist egal, was beide am Mittwoch über ihr ganz persönliches Rechtsverständnis berichten. DocMorris will neue Märkte und an die Börse, Herr Hecken will seiner eigenen Partei zeigen, dass er doch noch groß rauskommt. Nach all den Jahren als Bürovorsteher von Minister Norbert Blüm lechzt er nach einem Platz in der ersten Reihe. Hecken und Däinghaus eint eine Schicksalsgemeinschaft. Und beide werden das Nachsehen haben.

 

Denn an Heckens Seite sitzt eben kein Robin Hood, in dessen Antlitz man dem Minister die Rechtsbeugung nachsehen könnte. DocMorris ist auch kein guter Geist aus den fernen Niederlanden, der Saarbrücken vom Joch der deutschen Apothekerschaft befreit. Der Apothekenkonzern aus Holland hat ein einziges Ziel: Er will an die Börse. Er will ans Kapital, Kasse machen, Heuschrecken anlocken. In Saarbrücken biedert er sich an. Ein fauliger Geruch macht sich breit.

 

DocMorris setzt darauf, dass es wieder läuft wie beim ersten Mal. Beim Versandhandel lockte er die Bundesregierung aus der Reserve und auch die Apothekerschaft. Milliarden wollten Kassen und Gesetzgeber bei Arzneimitteln einsparen - DocMorris sollte helfen. Doch jenseits der Prognosen stagnieren die Marktanteile der Niederländer; und die Kassen beklagen insgeheim, man habe sich viel mehr erhofft. Nun will Däinghaus mehr. Und er hat einen Steigbügelhalter gefunden: Hecken. Und Däinghaus glaubt, es gehe wieder aus wie damals, als nur die Apotheken gegen ihn, alle anderen für ihn waren. Das Ergebnis ist bekannt.

 

Doch diesmal ist einiges anders. Die Politik und sogar die Kassen halten sich zurück. Aus gutem Grund: Sie haben durchschaut, dass DocMorris den Markt zwar verändern will, aber nur, um selbst Kasse zu machen. Von Verbraucherschutz ist keine Rede. Und mit Gesetzesbrechern wie Hecken solidarisiert man sich ungern. So distanzierte sich Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz von ihrem Parteifreund Hecken am Dienstag. Der solle deutsches Recht gefälligst achten.

 

Wenn also schon Politiker öffentlich gegen Hecken und DocMorris Stellung beziehen, dann muss auch die Apothekerschaft offen sagen, was sie will. Richtig also, dass die ABDA am Dienstag den Weg in die Öffentlichkeit suchte; richtig, dass der Deutsche Apothekerverband und die saarländische Apothekerschaft vor Gericht ziehen. Es ist auch richtig, dass einzelne Apotheker sich wehren und gegen Hecken klagen. Eine Politik der ruhigen Hand ließe DocMorris & Co. gewähren. Da ist heute schon von Abzockern die Rede, von viel zu hohen Preisen, von einem verkrusteten Markt. Das muss man sich nicht gefallen lassen.

 

Es ist an der Zeit, laut und deutlich zu sagen: »Mit uns nicht!« Investoren sollten spüren, dass der Markt für Spekulanten und Heuschrecken nicht geeignet ist. Gewinnmaximierung darf es weder auf Kosten der Patienten noch der Apotheken geben. Dann dürfte auch der faulige Duft aus dem Saarland bald verflogen sein.

 

Thomas Bellartz

Leiter der Hauptstadtredaktion


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2006

 

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